Rentner-Sause auf Italienisch

Seit der Hundertjährige aus dem Fenster stieg und die Welt unsicher gemacht hat, überschwemmen Bücher über Oldies und ihre Schrullen den Markt. Piersandro Pallavicini steuert mit „Ausfahrt Nizza“ nun die italienische Variante bei. Und seine männlichen Protagonisten, gekleidet in Brioni und Barbour, und unterwegs im Jaguar, sind noch ausgeflippter als Berlusconi.

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Lucindas Reise nach Tenebrien

Tenebrien. Das Land, das Lucinda erfunden hat. Das Mädchen, nach dem sich die Menschen auf der Straße umdrehen. Tenebrien, erklärt die 17-jährige Lucinda ihrer 13-jährigen Schwester Malina, „ist das Land, in das alle gehen, die nicht für unsere Welt gemacht sind. Die Dünnhäutigen, die Gläsernen, diejenigen, die zu viel wünschen.“ So wie Lucinda, die alles will und doch wieder nicht. Die sich von ihrem Vater verwöhnen lässt und ihre Mutter zur Verzweiflung treibt, die den Jungs Liebeskummer beschert und den, den sie erwählt hat, in den Wahnsinn treibt. Lucinda, funkelnd wie ein Stern in der Nacht und doch so schnell verglüht…

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Legenden und Klischees

„Reisen war in jeder Form schon immer ein Beitrag zur Globalisierung, am Ballermann der Pauschaltouristen wie auch auf dem Hippie-Trail der Globetrotter“, schreibt Detlef Fritz im Nachwort zu seinem Buch „Hippie Trails“, in dem er so manche Legende entzaubert und so manches Klischee festklopft. Die Tatsache, dass die frühen Rucksackreisenden, die Hippies und Globetrotter, den Weg für die Pauschaltouristen bereiteten, ist sattsam bekannt. Und dass die wenigsten der mit viel Naivität ausgestatteten Reisenden auf dem legendären Hippie-Trail von Istanbul nach Kabul das große Glück fanden, ebenfalls.

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Der gute Mann der Mafia

Joe Coughlin wollte nie ein Gangster sein, ein Gesetzloser das ja, aber kein Mörder. Doch so einfach ist das nicht im Amerika der Zwanziger und dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts, zur Zeit der Prohibition. Die Umgangsformen sind rau, die Korruption blüht und Joe, Sohn eines arrivierten Polizeichefs, steigt vom kleinen Handlanger des organisierten Verbrechens zum mächtigen Rum-Schmuggler auf. Dass diese Karriere nicht ohne Blessuren erfolgt, beschreibt Dennis Lehane in seinem breit angelegten Mafia-Roman „In der Nacht“, der nicht nur das Psychogramm eines „guten“ Mafiabosses ist, sondern auch ein kritisches Zeitbild.

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Sterbehilfe: Emmanuèle Bernheim über den Tod des Vaters

„Ich möchte, dass du mir hilfst, Schluss zu machen.“ Mit dieser Bitte stürzt der Vater seine Tochter in ein Meer von Zweifeln und Gewissensbissen. Darf er das? Emmanuèle Bernheim, die bekannte französische Schriftstellerin, schildert in ihrem autobiografischen Buch „Alles ist gutgegangen“ eine Situation, die das Eltern-Kind-Verhältnis umkehrt. Der durch einen Schlaganfall hilflose Vater ist auf die Tat- und Entschlusskraft der Tochter angewiesen – und er nutzt sie für seine Zwecke.

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Brasilien und das schöne Spiel

Zuallererst muss der brasilianische Journalist Juca Kfouri ein Klischee widerlegen. Nein, schreibt er in seinem Vorwort, Brasilien, Gastgeber der nächsten Fußball-WM, sei zwar das Land des weltbesten Fußballs und des schönen Spiels. „Aber das Land des Fußballs ist Brasilien nie gewesen.“

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Die da unten

Seine Tabor-Süden-Krimis sind mehrfach ausgezeichnet. Nun hat sich Friedrich Ani einem oft vernachlässigten Genre genähert – der Kurzgeschichte. Im Epilog, den er dem uruguayischen Autor Juan Carlos Onetti gewidmet hat, kann man nachlesen, welch hohen Anspruch er an sich selbst hat und was ihn beflügelt. Wie die „onettianischen Prototypen“ zeichnet auch Anis Kurzgeschichten-Personal „ein hohes Maß an Verschlagenheit und Gier“ aus, sind seine Figuren „unermüdlich scheiternde, müde und zynisch gewordene Nachtgestalten“.

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Mit Miss Jemima auf Reisen

1863 startete in England eine ungewöhnliche Reisegruppe – Männer und Frauen! – zu einer Tour durch die Schweizer Alpen. Sie waren Pioniere wie der Veranstalter dieser Reise, der Pfarrerssohn und Abstinenzler Thomas Cook. Was sie erlebten kann man heute wieder nachlesen. Denn die 31-jährige Miss Jemima Morell hat über diese abenteuerliche Reise Tagebuch geführt, mit viel Witz und einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe.

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Emanzipation auf Jiddisch

Mordechai Wolkenbruch, Motti, genannt, wächst in einer jüdisch-orthodoxen Familie in Zürich auf. Willig unterwirft er sich dem Regiment der resoluten „mame“, bis sie ihn mit immer neuen „frojn“ nervt, die auf inakzeptable Weise der Mutter gleichen und so gar nicht der hübschen Mitstudentin Laura, in die sich Motti verguckt hat. Es kommt, wie es in einem Entwicklungsroman kommen muss. Motti emanzipiert sich und sagt es seiner mame ins schreckensstarre Gesicht: „Mir war jetzt nach einem eigenen Lebn“.

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