Legenden und Klischees

„Die größten Reiselegenden kommen ohnehin weitgehend aus dem Reich der Fantasie“, schreibt der Autor und macht sich daran, so manche dieser Legenden zu entzaubern. Die von den nomadisierenden Freigeistern etwa, die überall zu Hause waren und mit ihrem Freiheitsideal auch die Einheimischen ansteckten. Fritz ist bitter aufgestoßen, dass die „vermeintlich freiheitsliebenden Reisenden“ sich Länder aussuchten, die „von den finstersten Diktaturen regiert wurden“: das autoritäre Königreich Marokko, das Franco-Spanien und das von einer Militärjunta geknechtete Griechenland. Es waren wohl nicht nur die spießigen Pauschaltouristen, die ohne jedes politische Bewusstsein reisten. Und heute hat seiner Meinung nach die Um- und Mitweltdebatte längst auch die Reiseunternehmen – und damit auch den Massentourismus – in die Pflicht genommen.
Klar wird bei der Lektüre, dass auch die frühen Globetrotter am liebsten unter sich blieben, dass sie den einheimischen Alltag aus einer eher rosarot gefärbten Brille betrachteten – nicht anders als die  verachteten „Massentouristen“. „Der Globetrotter hat so wenig Grund, sich vom Touristen abzugrenzen, wie der von Selbstzweifeln geplagt Pauschalurlauber Anlass hat, bewundernd zum Globetrotter aufzuschauen“, folgert Fritz. Dass er sich mit ein paar eingestreuten Erlebnissen als ehemaliger Globetrotter outet, macht solche Einsichten glaubhaft; praktisch sind die optisch abgesetzten Tipps zum Reiserecht, zum Reiseknigge und für Restaurants und Cafés mit Geschichte. Fazit: Eine lesenswerte, munter geschriebene Bestandsaufnahme übers Reisen.
Info: Detlef Fritz, Hippie Trails – Reiselegenden und ihre Geschichte,Prolit Verlagsauslieferung GmbH, 182 S., 10,95 Euro, ISBN978 3981 530070

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