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Soweto: Vom Schmuddelkind zum Aushängeschild

Das Foto ging um die Welt: Ein schwarzer Mann trägt einen sterbenden Jungen auf den Armen, neben ihm ein schreiendes Mädchen. Der Junge ist Hector Pieterson, das Mädchen seine Schwester Antoinette. Hector war das erste Opfer der blutigen Unruhen in Soweto 1976, die 500 Tote fordern sollten. Er war 13, als er erschossen wurde. Das Hector Pieterson Museum in Soweto erinnert in eindrucksvollen Bildern an die dramatischen Ereignisse. Es ist eine Station auf unserer Radtour durch die Township, die lange Jahre als Inbegriff für Gewalt und Armut galt, eine no-go-area für Weiße. Das hat sich längst geändert. Mit seinen 3,5 Millionen Einwohnern, so viele wie Berlin, ist Soweto eine große Vorstadt von Johannesburg

Noch immer sind die meisten Einwohner hier schwarz – schließlich entstand die Siedlung 1903 als Zeltlager, um die Schwarzen aus der Innenstadt von Johannesburg auszusiedeln. Die ersten Steinhäuser entstanden 30 Jahre später. Heute gibt es in Soweto nicht nur Schulen, Kindergärten und das zweitgrößte Krankenhaus der Welt, sondern auch Restaurants, ein Hotel und großzügige Häuser inmitten von Gärten hinter hohen Steinmauern. 
„Wir haben auch Millionäre in Soweto“, sagt Tshepo Matsile und grinst, als er unsere ungläubigen Mienen sieht. Der quirlige 21-Jährige mit dem Clownsgesicht unter dem blauen Hut kennt hier jedes Viertel. Er ist in Soweto aufgewachsen und führt regelmäßig Radgruppen durch „seine Stadt“. Das mache ihm Spaß, versichert er uns, „so erspare ich mir das Fitness-Studio“. Auch wenn wir nicht die ersten Radler sind, die hinter Tshepo durch die Straßen Sowetos rollen: Wir fallen auf.
Die Bewohner der Township fahren eher nicht mit dem Rad. Auf den Teerstraßen muss man höllisch aufpassen, wenn Autos um die Kurven schießen. Und die unbefestigten Wege, die mitten durch die Wellblechsiedlungen führen, sind uneben, mal steht dreckige Brühe in großen Lachen, mal fließt sie mitten durch Wegkreuzungen. Schnell kann man da nicht in die Pedale treten, und so kommen wir den Menschen ganz nahe. Trotzdem ist diese Tour alles andere als „Slum-Tourismus“ oder „Armut-Gucken“. „Hallo Mulungo“ rufen die Kinder schon von weitem (hallo, Weißer!) und „shoot me“, womit sie meinen, dass sie fotografiert werden wollten. So ein Foto auf dem Display der Kamera zu sehen scheint für sie das Größte. Hin und wieder kommen sie auch angerannt, um eine Hand abzuklatschen, was mich als nicht ganz so geübte Radlerin aus dem Gleichgewicht zu bringen droht.
Ein altes Ehepaar sitzt vor einer fensterlosen Wellblechhütte. Als ich frage, ob ich sie fotografieren dürfe, lächeln beide zahnlos, und der Alte wünscht mir beim Abschied alles Gute. „Bless you, dear“, sagt er und ob soviel uneigennütziger Freundlichkeit kommen mir fast die Tränen. Wie gut, dass Tshepo grade eine lustige Einlage geplant hat. Er hat seine Truppe um einen Topf mit schaumiger Brühe versammelt – Johannesburg Bier, so wie es früher die Frauen in ihren Hütten brauten. Der Topf macht die Runde. Das Bier schmeckt säuerlich, ähnlich wie Most. Aber es scheint das Lieblingsgetränk all der Männer zu sein, die in der schäbigen, fensterlosen Hütte gleich neben uns herumlungern. Es ist eine Shebeen, eine traditionelle Township-Kneipe. „Don’t drink and walk“ steht auf dem Tetrapak, das sich mit dem Hinweis, beim Gehen nicht zu trinken wohl an die autolosen Trinker wendet.
Während unsere Räder unbeaufsichtigt an den Wellblechhütten lehnen und Tshepo ein paar Mitradler als Zulus verkleidet, nutze ich die Zeit, mich ein bisschen umzusehen: Auf der breiten ungeteerten Straße spazieren Frauen mit ihren Einkäufen auf dem Kopf, Kinder spielen im Dreck. Fish & Chips verheißt ein Laden, Gemüse und Obst ein anderer, aber auch eine Vodafone Reklame ist zu sehen. Auch hier ist das Handy Alltag. 
Am Rand der grauen ‚Wellblech-Siedlung zeigt uns Tshepo eine Reihe neuer, aber leerer Häuser. Die Regierung habe sie gebaut, um die Armen umzusiedeln, erzählt er. Aber niemand wolle in die Wohnungen einziehen, die auch noch Miete kosten. „Die Leute wollen lieber ihre Wellblechhütten behalten“, sagt unser Radguide und schüttelt den Kopf ob soviel „Halsstarrigkeit“. Irgendwann werde die Regierung die Geduld verlieren und die Siedlung zwangsräumen, fürchtet er. 
Gleich über der Straße ändert sich das Bild schlagartig. Hier in Orlando West, dessen Silhouette von den zwei bemalten Türmen des ehemaligen Kraftwerks und von dem zur Fußball-WM aufgehübschten Stadion der Orlando Pirates beherrscht wird, wohnen diejenigen, die es zu etwas gebracht haben. Am Straßenrand parken BMW, Mercedes, Audi, sogar ein Jaguar. In der Vilakazi Street fotografieren sich modisch gekleidete Pärchen gegenseitig vor dem Haus, in dem Nelson Mandela, die Ikone der jungen südafrikanischen Demokratie, einige Jahre gewohnt hat. Es ist heute Museum. Ein paar Ecken weiter versteckt sich das Haus von Bischof Desmond Tutu hinter einer Hecke. „Zwei Nobelpreisträger in einer Straße. Das gibt’s nur hier“, sagt Tshepo zufrieden. 
Und die Fußball-WM 2010? Hat sie auch Soweto etwas gebracht, wollen wir wissen. Tshepo zögert. Ja, das Stadion sei jetzt viel schöner und größer. Aber Weltmeisterschaftsspiele fanden hier keine statt, dafür habe Shakira in Orlando West ihre Hüften geschwungen. Tshepo rollt die Augen und macht einen Kussmund. „Das war schon was!“ Die Nachwuchs-Fußballer freilich kicken nicht im Stadion, sondern in Sowetos Hinterhöfen – wie Lawrence Siphiwe Tshabalala, der 2010 bei der WM das erste Tor für seine Mannschaft gegen Mexiko schoss. Natürlich träumen Sowetos Nachwuchs-Kicker von einer solchen Karriere. Und der Fußball-Hero macht ihnen auch Mut: In der Township habe er fürs Leben gelernt, hat Tshabalala gesagt.
Für Hector Pieterson gab es diese Chance nicht. Im Museum, das seinen Namen trägt, erzählt uns seine Schwester Antoinette Sithole, wie sie den Tag erlebt hat, an dem der 13-Jährige den Tod fand. 16 Jahre alt war sie damals, als das Foto gemacht wurde, das die Welt erschütterte. Aber die 54-Jährige erinnert sich an den Tag, als wäre es gestern gewesen. An die geheimen Treffen, die diesem 16. Juni vorangingen, an die Aufregung, als die Schüler in ihren Uniformen loszogen in Richtung Orlando West, um dagegen zu protestieren, auf Afrikaans unterrichtet zu werden, der Sprache der Apartheid. „Wir waren fröhlich, sangen Lieder. Es war ein friedlicher Marsch durch die Straßen von Soweto“, erzählt Antoinette, die sich damals nichts dachte, als sich die jüngeren Kinder den älteren Schülern anschlossen.
Als der Protestmarsch die mittlerweile verbarrikadierte Schule erreichte, hätten sie die Polizei erst einmal ignoriert. „Plötzlich fiel ein Schuss. Das war so beängstigend“, sagt Antoinette. Sie habe ihren Bruder zu sich gerufen, um nach Hause zu gehen, ihn aber im Gedränge wieder verloren. „Wieder fiel ein Schuss. Plötzlich kam wie aus dem Nichts ein Mann auf mich zu. Das erste, was ich sah, waren die Schuhe meines Bruders.“ Der Mann legte das sterbende Kind in das Auto einer Journalistin, Antoinette kam mit. Im Hospital konnten die Ärzte nichts mehr für Hector tun. Was Antoinette aus einem Fenster des Krankenhauses beobachtete, ließ sie an einen Alptraum glauben: „Ein Regierungsauto kam vorbei, und der weiße Fahrer wurde von der wütenden Menge gelyncht.“ Die rundliche Frau mit dem freundlichen Gesicht wischt sich über die Augen. Dann sagt sie mit fester Stimme: „Auch er ist nicht umsonst gestorben, auch er hat geholfen, unser Land zu dem zu machen, was es heute ist.“
Antoinette Sithole hat längst ihren Frieden mit den Weißen gemacht. 1989 war sie zur Wende in Deutschland, um eine Schule in Kreuzberg auf den Namen ihres Bruders zu taufen. „Es war sehr emotional“, sagt sie und dass Ost-Berlin damals ausgesehen hätte, als sei der Krieg erst gestern gewesen. Sie lächelt und greift zum Handy, um ihren Mann anzurufen.
Wir aber treten noch einmal kräftig in die Pedale, um den letzten Aufstieg zu bewältigen. Noch ein Blick auf das ausufernde Soweto, noch ein letztes Winken, dann rollen wir hinunter zu unserem Ausgangspunkt, um unsere Räder abzugeben.   

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