Mit Brum und Stiv auf Trüffeljagd

Die Hunde wissen schon, was kommt. Freudig bellend springen sie in ihrem Käfig hoch. Es geht raus ins Freie. Auf Trüffelsuche. Kaum ist die Tür auf, stürzen sich Brum und Stiv ins Freie, fallen beinahe übereinander, kugeln den Abhang hinunter, jagen sich gegenseitig. Für den braunen und den schwarzen Mischlingshund ist diese Trüffelsuche so etwas wie ein Schnitzeljagd für Welpen.

Trüffelhunde sind Gold wert

Mirko Prodam,  ein dunkelhaariger Schlaks, lacht. Er kennt seine Hunde. So jung sie sind, sind sie doch erfahrene Trüffelhunde. Schon mit zwei Monaten hat ihr Training begonnen. Im zarten Alter von zwei Monaten hat ihr Training begonnen. „Es ist wichtig, die Hunde so früh wie möglich an Trüffel zu gewöhnen,“ erklärt Mirko. „Sie müssen die Trüffel als ihr Futter betrachten.“ Nach und nach wird das Trüffelversteck immer ausgeklügelter, sechs Monate lang arbeiten Mensch und Hund täglich an der Ausbildung. Deshalb sind ausgebildete Trüffelhunde wie Brum und Stiv auch unverkäuflich. Und wenn doch? Wie viel würde so ein Hund kosten? Mirko zuckt mit den Schultern. „4000 bis 5000 Euro müsste man wohl schon hinlegen,“ sagt er und fügt an die Hunde gewandt ein aufmunterndes „su, su“ hinzu, „mach‘ schon“.

Die Suche ist ein Spiel

Aber Brum und Stiv wollen sich jetzt erstmal balgen, sie hüpfen durchs Gras wie Hasen. Und dann bleibt Brum wie angewurzelt stehen und fängt an wie verrückt zu scharren und zu graben. „Trazi“,ermuntert Mirko den Hund, „such!“ Brum hebt seine von schwarzer Erde bedeckte Nase kurz in die Höhe und senkt sie dann wieder ins Loch. Jetzt nimmt Mirko den kleinen Handspaten und gräbt etwas tiefer. Eine kleine schwarze Trüffel kommt zum Vorschein, so groß wie ein Tischtennisball. Brum hat eine Belohnung verdient, springt an Mirko hoch und fordert sein Leckerle ein. Aber auch Stiv bekommt etwas ab. Die Hunde müssen immer wieder neu ermutigt werden.

Belohnung muss sein: Auch Stiv bekommt was ab.

Die merkwürdige stinkende Kartoffel

Warum eigentlich Hunde, will ich von Mirko wissen. Traditionell waren doch Schweine die besten Trüffelsucher. Mirko lacht. „Weil es leichter ist, zwei kleine Hunde im Auto mitzunehmen als ein 100-Kilogramm-Schwein.“ Kroatien hat ja auch noch nicht so lange seinen Platz in der Riege der klassischen Trüffel-Regionen. Mirkos Großvater startete das Geschäft als einer der Ersten vor gut 60 Jahren. Damals betrachteten die meisten Kroaten die Trüffel als eine merkwürdige Sorte stinkender Kartoffeln, erzählt Mirko. Sie sammelten sie kiloweise und verfütterten sie an ihre Tiere. Doch die Italiener wussten Bescheid. Sie überredeten die istrischen Bauern zu einem Tauschgeschäft: Trüffel gegen Lebensmittel. Das ging so lange gut, bis die Bauern auf die Idee kamen, das Geschäft lieber selber zu machen. Allerdings, so Mirko, werden bis heute istrische Trüffel als italienische verkauft.

Die größte Trüffel der Welt

Jetzt beginnt Stiv zu scharren, schwarze Erde fliegt von seine Pfoten. Dann hält er inne, steckt die Schnauze ins Loch – und rennt weiter. Fehlalarm. Wir werden uns wohl mit unserer kleinen schwarzen Trüffel begnügen müssen.

Unsere Ausbeute sieht fast ein bisschen mickrig aus.

Dabei hatte 1999 ein Trüffelsucher in Istrien eine 1,3 Kilogramm schwere Trüffel gefunden, damals die größte der Welt. Statt sie teuer zu verkaufen, hatte er Promis aus Sport, Politik und Showbusiness zu einem Trüffelessen eingeladen. „Seither weiß die Welt, dass es auch in Istrien Super-Trüffel gibt“, berichtet Mirko stolz.

Trüffelzucht ist ein Geduldsspiel

Inzwischen werden hier Trüffel auch gezüchtet. Das geht allerdings nur mit den schwarzen Trüffeln, die weißen lassen sich nicht anbauen und sind deshalb auch viel teurer. Und so eine Trüffelzucht kann zum Geduldsspiel werden. Damit überhaupt Trüffel wachsen können, muss der Boden für die frisch gepflanzten Eichen gut sein, und dann heißt es warten. Sieben bis zehn Jahre kann es dauern, bis die ersten Trüffel wachsen. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Wenn Mirko mit seinen Hunden nicht auf dem eigenen Land sondern im öffentlichen Wald nach Trüffeln sucht, braucht er dafür eine Art Lizenz. Die ist vorgeschrieben, nachdem die istrischen Trüffel fast ausgerottet waren. Inzwischen hat sich der Bestand wieder erholt.

Ein ganzes Menü mit Trüffeln

Vanda, Mirkos Mutter, kann also beim Kochen aus dem Vollen schöpfen. Die Prodans verwenden für ihre Produkte wie Trüffelöle, Trüffelsalz, Trüffelkäse, Trüffelsalami nicht nur die eigenen Trüffel, sie kaufen auch zu. Auf der Schale mit den Vorzeige-Trüffeln nimmt sich unsere Tagesausbeute ziemlich mickrig aus. Acht Euro, meint Mirko, mehr nicht, würden wir dafür bekommen. Aber Vanda hat ja genügend Trüffel, mit denen sie uns nun verwöhnen wird. Zur Vorspeise Brötchen mit Trüffelkäse und Trüffelbutter dazu Trüffelsalami.

Vandas Rühreier mit Trüffel sind eine Geschmacksexplosion.

Dann Rühreier mit Trüffeln satt, geriebenen und gehobelten, dazu Salat mit frischen Trüffeln und zum Dessert Vanilleeis mit Trüffelhonig.

Kein Leben ohne Trüffel

Mirko lässt es sich schmecken. Er könnte jeden Tag Trüffel essen, verrät er. Doch zur Zeit studiert der  22-Jährige noch in Zagreb, Finanzwirtschaft. Nur in den Semesterferien hilft er im Familienbetrieb. Allerdings will Mirko nach dem Studium zurückkommen. „Das hier ist mein Leben,“ sagt er und führt zufrieden durch den Shop mit den verschiedensten Trüffelprodukten.

Aussichtsreich ist die Heimat der Trüffel, wo die Prodans ihr Familienunternehmen haben.

Brum und Stiv werden vielleicht am Nachmittag nochmal Gelegenheit haben, mit Mirko auf Trüffeljagd zu gehen. Womöglich ist dann Stiv erfolgreich.
Info: Die Trüffelsuche mit Trüffelmenü bei Prodan Tartufi (Sv. Ivan, Prascari 43, 52420 Buzet, Istrien) kostet pro Person 65 Euro. Sie findet in Gruppen und meist in englischer Sprache statt: prodantartufi.hr/de/tartuf/

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