Schreibtisch mit Strandanschluss

Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, im karibik-blauen Meer kräuseln sich sanft die Wellen, im Schatten unter den Palmen steht der Laptop auf einem Tischchen neben der Sonnenliege.  Workation – aus Work (Arbeit) und Vacation (Urlaub) – kannten bisher nur die digitalen Nomaden, die überall auf der Welt Berufs- und Privatleben vereinbaren können. Doch in Corona Zeiten spricht diese Verbindung der Gegensätze Arbeit und Urlaub auch immer mehr Menschen an, die derzeit von zu Hause aus arbeiten (müssen). Home Office, das muss nicht unbedingt am häuslichen Küchentisch und im winterlichen Grau stattfinden. Clubs und Hotels, ja ganze Destinationen laden dazu ein, Erholung mit dem Nützlichen zu verbinden.

Kanaren und Karibik

„Workation@robinson“ etwa verspricht nicht nur „ein erstklassiges Hygienekonzept“ und „Work-Life-Balance mit zahlreichen Angeboten zum Ausgleich“, sondern auch Highspeed Internet, Business Offices, Drucker und Monitore sowie Networking. Im Club Jandia Playa, übrigens dem allerersten Robinson Club, gibt‘s das Paket ab 91 Euro pro Person und Nacht samt Vollpension. Das Problem ist nur, dass auch für die Kanarischen Inseln derzeit eine Reisewarnung besteht.
Also vielleicht doch lieber in die Karibik, wo zum Beispiel Barbados für den neuen 2000 Dollar teuren „Welcome Stamp“ trommelt, „die einzigartige Gelegenheit ein Jahr auf Barbados zu verbringen“: Unter dem Motto „Work from Paradise“ (Arbeit vom Paradies aus) verspricht die Karibikinsel: „Leben Sie so, wie Sie es schon immer wollten. Die Mieten beinhalten alle Nebenkosten und einen regelmäßigen Reinigungsdienst. Barbados liegt im Sommer sechs und im Winter fünf Stunden hinter Deutschland. Das bedeutet, dass sie morgens arbeiten und nachmittags frei haben.“ Die Bearbeitung eines Antrags dauere bis zu sieben Tage, heißt es auf der website. Auch ganze Familien sind im Rahmen des Programms willkommen. Das Familienpaket gibt‘s für 3000 Euro.

Rosige Aussichten auf Bermuda

Bei Bermuda kostet das Einjahresvisum „Work from Bermuda Certifikate“ nur 263 Dollar, ist also deutlich preiswerter als das auf Barbados. Doch die Lebenshaltungskosten auf dem kleinen Inselparadies können ganz schön ins Geld gehen – auch bei Workation. Bermuda belegt unter den teuren Ländern der Welt Platz 2, noch vor der Schweiz.
Auf Aruba sollen nicht nur Langzeit-Rabatte sondern auch extra große Schreibtische und spezielle Massageangebote für die „ideale Work-Life-Balance“ sorgen.
Mauritius wirbt mit einem verlängerbaren Premium-Reisevisum und einem Ankunfts-Concierge-Service, „der den neuen Bewohnern bei der Suche nach Wohnungen, Autos, Bank- und Telekommunikationsdienstleistungen hilft“. Nach der Einreise ist eine 14-tägige Quarantäne Pflicht ebenso ein PCR-Test.

Highspeed-WLAN und privater Butler

Und auf den Malediven können sich wohl nur Großverdiener das „Workstation Package“ im The Nautilus Maldives leisten. Für zwei Personen und 21 Nächte sind 52 000 Dollar fällig. Dafür sorgt ein privater Butler fürs Wohlbefinden und man darf gar eine Stunde lang von einer abgelegenen Sandbank aus arbeiten – mit verschlüsselter Highspeed-WLAN-Netzverbindung, versteht sich.

Traumhafte Aussichten – aber mit Vorsicht zu genießen

Für all diese Traumplätze zur Workation ist eine Krankenversicherung Pflicht, außerdem verlangen die meisten einen Einkommensnachweis oder den Nachweis eines festen Arbeitsvertrags. Da geht dann also nichts ohne die Erlaubnis des Chefs. Schon warnen Arbeitsrechtler davor, dass Arbeitnehmer, die in einem Risikogebiet erkranken, die Lohnfortzahlung gefährden könnten. Wobei es ganz schnell gehen kann, dass ein Reiseziel zum Risikogebiet erklärt wird. Manchmal über Nacht.

Bleisure wird zum Trend

Trotzdem scheint sich Workation oder auch Bleisure (von Business, Geschäft und Leisure, Freizeit) zu einem Trend zu entwickeln. Das zumindest legt die Studie „Chefsache Business Travel 2020“, einer Travel-Management-Initiative im Deutschen Reiseverband (DRV), nahe. Vor allem jüngere Arbeitnehmer würden vermehrt nach der Möglichkeit fragen, ihre Arbeit in den sonnigen Süden zu verlegen, so Derpart-Geschäftsführer Andreas Neumann. Arbeitgeber, die flexible Arbeitsorte anböten, könnten bei ihrer Belegschaft punkten und sich damit auch für den Corona-Einsatz bedanken. Der neue Trend erfordere für Arbeitgeber lediglich organisatorische Anpassungen. „Die Voraussetzung für Bleisure Work ist, dass Geschäftsreisende die zusätzlichen Kosten selbst tragen“, sagt Neumann. Außerdem sei es wichtig, dass Firmen „die Rahmenbedingungen durch Reiserichtlinien vorgeben“.

Coworking im Urlaubsland

Auf der Mitreise-Plattform Joinmytrip können sich Gleichgesinnte finden, die gemeinsam ihr Homeoffice ins Ausland verlegen wollen. Das Konzept: Nutzer können sich als Trip Mate oder Trip Leader anmelden. „Aktuell machen die Coworking Trips einen Großteil unserer Buchungen aus“, berichtet Niels Mueller-Wickop, Mitgründer des Start-ups. Derzeit sucht etwa Anna einen Partner für einen Co-Working-Trip nach Teneriffa.

Home Office mit Pool auf Madeira

Auch das portugiesische Madeira ist auf Langzeiturlauber eingestellt, die ihr Home Office unter die südliche Sonne verlagern wollen. Die Hotels, so der Portugal-Spezialist Olimar, böten stabiles, schnelles Internet, großzügige Hotelzimmer mit Schreibtisch sowie ein sehr gutes Hygiene-Konzept. Für längere Aufenthalte versprechen die Hotels Preisnachlässe und Upgrades.

Das Büro im Hotel

In Corona-Zeiten haben auch europäische Stadthotels Bleisure und Workation als willkommene Einnahmequellen entdeckt. Auf homeoffice-im-hotel.de sind 620 vor allem deutsche Häuser verzeichnet, die Office-Räume zu einem Bruchteil der sonst üblichen Tagesraten anbieten, in München unter anderen das Westin Grand, in Wien das 25 hours beim Museumsquartier. In den Best Western Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist „Remote-Arbeit im Hotelzimmer“ Programm. Neben stabiler Internetverbindung und großzügigen Schreibtischen können die Tagesgäste auch Kaffee, Tee und kalte Getränke sowie ein Frühstück to go oder ein Lunchpaket erwarten. Die Kosten pro Tag variieren je nach Hotel und Angebot zwischen 40 und 60 Euro.

Bett und Laptop: So wird das Hotelzimmer zum Arbeitsplatz.  Foto: Lindner Hotels

„Hotel Office“ heißt das Konzept bei Accor. Möglich ist es in 200 Häusern. „Hotel Office ist wie Home-Office, nur besser“, sagt dazu James Wheatcroft, zuständig für Marketing Accor Northern Europe. „Mit einem professionellen Arbeitsplatz, der auch Raum für Entspannung und Privatsphäre bietet.“ Die Tagesgäste könnten je nach Hotel und lokalen Vorgaben sogar alle Annehmlichkeiten wie Sauna oder Fitnessräume nutzen. Die Tagesraten sind meist zwei bis vier Euro günstiger als normale Zimmertarife.

Die Lindner Hotels haben ein Standard-Paket fürs Hotel-Office geschnürt. Dazu gehören im Zimmer kostenfreies, schnelles WLAN, ein Schreibtisch zum Arbeiten, eine Flasche Wasser und ein Bett für einen kurzen Power-Nap. Je nach Hotel auch Kaffeemaschine oder Frühstück/Lunch to go. „Wir möchten den Nachbarn unserer Häuser gerne im neuen Alltag des Home-Office, des digitalen Lernens und der Home-Kita mit einem ruhigen Rückzugsort unterstützen, der im eigenen häuslichen Umfeld nicht unbedingt gegeben ist“, erklärt Otto Lindner, Vorstand der Lindner Hotels AG, das Angebot. Die Preise variieren je nach Hotelstandort und -Angebot zwischen 49 und 79 Euro pro Tag.

In ausgewählten Häusern bietet auch die NH Group die Möglichkeit, ein Hotelzimmer mit Arbeitsbereich stunden-, tage- oder wochenweise zu mieten. Das Drucken von bis zu 20 Seiten sowie ein Snack auf dem Zimmer sind im Preis ebenso enthalten wie Kaffee und Tee in der Mittagspause. 49 Euro kostet ein NH Hotelzimmer für acht Stunden, eine komplette Woche 225 Euro. In einem NH Collection Hotel muss etwas mehr hingelegt werden: ab 59 Euro für acht Stunden und 259 Euro für eine Woche.

Viel Platz zum Arbeiten und Entspannen.  Foto: NH Hotel Group

Auch im Allgäu kann man Angebote zu Workation oder Bleisure finden, wenn denn die Hotels wieder öffnen dürfen. „Optimale Work-Life-Balance“ verspricht etwa das Hotel Restaurant Adler in Oberstaufen. Und das Biohotel Mattlihüs am Oberjoch in Bad Hindelang lädt nicht nur dazu ein, „seelen-ruhig“ den eigenen Kraftplatz im Zirben-Zimmer zu finden, sondern auch dort zu arbeiten.
Mit Lockdown-Zimmern, die „etwas Abstand vom Alltag“ bieten sollen und ab 25 Euro zu buchen sind, locken die A & O Hostels. Marketingleiter Phillip Winter: „Ob durchschlafen oder durcharbeiten – wer eine kurze Pause vom Corona-Alltag und den eigenen vier Wänden braucht, kommt zu uns.“
Dumm nur, dass inzwischen  Baden-Württemberg das Homeoffice in Hotels verboten hat.

Infos im Internet:
Robinson Club www.robinson.com/de/de/workation/
Barbados https://barbadoswelcomestamp.bb
Bermuda www.bda.bm/work-from-bermuda/
Aruba www.aruba.com
Mauritius www.edbmauritius.org/premium-visa
Malediven www.thenautilusmaldives.com/offers/the-nautilus-workation-package
Olimar www.olimar.de/portugal/madeira

Accor https://all.accor.com/
Allgäu www.allgaeu-top-hotels.de/tagung-events/workation.html
A & O Hostels www.aohostels.com/de/lockdown/
Best Western www.bestwestern.de/homeoffice.html
Lindner Hotels www.lindner.de
NH Hotels www.nh-hotels.de

 

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