Kreuzfahrt: Dickschiffe im Legobaukasten-Prinzip

Weltweit gibt es derzeit 25 Millionen Kreuzfahrtgäste, mehr als doppelt so viele Menschen steigen jährlich in Las Vegas ab.  Kreuzfahrt ist noch immer ein Nischengeschäft, auch wenn die Kreuzfahrtgäste in vielen Städten und auf so mancher Insel wie eine Invasion wirken.

Bei der Meyer Werft sind die Auftragsbücher voll

Die  Kreuzfahrt Branche boomt und ein Ende dieses Booms ist nicht abzusehen. Das freut natürlich die Reeder und die Werften. Bei der Meyer Werft in Papenburg etwa sind die Auftragsbücher bis 2024 voll. Bernhard Meyer, der zusammen mit zwei Söhnen das Familienunternehmen in der siebten Generation leitet, setzt in Papenburg erfolgreich auf das Prinzip der kurzen Wege. Auf dem 75 Hektar großen Werftgelände stehen zwei Schiffsbauhallen. Die größere ist mit 504 Metern Länge, 125 Metern Breite und 75 Metern Höhe die größte der Welt.

Auch Disney-Dampfer kommen aus Papenburg

40 Luxusliner für Kunden aus aller Welt haben bisher die Werft in dem beschaulichen Städtchen Papenburg verlassen, darunter Disney-Dampfer und die imposante Quantum of the Sea mit Aussichtsgondel, Autoscooter und Fallschirmsimulator an Bord. Derzeit werkeln die 3400 Beschäftigten an der Fertigstellung der Virgin Bliss.

Die  Kreuzfahrt wird umweltfreundlicher

Als nächstes wird mit der Aida Nova das weltweit erste Kreuzfahrtschiff die Werft verlassen, das sowohl auf See als auch im Hafenbetrieb mit emissionsarmem Flüssigerdgas betrieben werden kann, ein baugleiches Schwesterschiff folgt. Der Vorrat in den drei Gastanks sollte für einen 14-tägigen Törn reichen. Zusätzlich wird allerdings auch Diesel gebunkert, weil es bislang noch kein flächendeckendes Tankstellennetz für Liquefied Natural Gas (LNG) gibt. Mit LNG sollen die Emissionen von Stickoxiden bis zu 80 Prozent und der CO2-Ausstoß um weitere 20 Prozent reduziert und damit der Vorwurf, Kreuzfahrtschiffe seien Dreckschleudern, entkräftet werden.

Ein eigener Anbau für den Kussmund

Dass Aida nach Papenburg zurückgekommen ist, nachdem zwei Schiffe bei Mitsubishi Heavy Industries in Auftrag gegeben worden waren, ist für die Meyer Werft nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch ein milliardenschwerer Auftrag. Für den charakteristischen Kussmund wurde deshalb sogar ein eigener Anbau erstellt. Im August 2018 soll der 337 Meter lange und 42 Meter breite Rohbau die Werfthalle im Emsland verlassen und ab Dezember 2018 zu einwöchigen Kanaren-Kreuzfahrten ablegen. Die Aida Nova ist allerdings nur eines von vielen neuen Kreuzfahrt Schiffen, die künftig auf den Weltmeeren unterwegs sein werden. Zwischen 2017 und 2016 erwartet die Branche die „Indienststellung“ von 97 neuen Luxus-Linern.  Das Gesamtinvestitionsvolumen liegt bei 53 Milliarden US-Dollar.

Die Luxusliner haben ein kompliziertes Innenleben

In der Halle 2 der Meyer Werft wird derweil die Aida Nova aus 90 Blöcken zusammengesetzt, die bis zu 800 Tonnen schwer sind. Die 250 000 Besucher, die alljährlich das Werftgelände in Papenburg besuchen, können durch große Fenster dabei zusehen, wie die Dickschiffe nach dem Lego-Baukastenprinzip konstruiert werden. Sie können das komplizierte Innenleben studieren, das die Ingenieure vor immer neue Herausforderungen stellt und sich in den Schaukabinen wie Kreuzfahrtgäste fühlen. Sie können die ersten und die letzten Schiffsmodelle bewundern und die Zeichnung, die Disney-Chefzeichner Carl Barks der Meyer Werft geschenkt hat. Schließlich erfahren sie auch, dass so ein Luxusliner gerade mal ein Jahr auf Dock liegt. Voraus gehen Design- und Konstruktionsplanung, den ersten Wasserkontakt hat das Schiff 30 Monate nach der Unterschrift, im 35. Monat schließlich findet die spektakuläre Emsüberführung statt, die von den Größenverhältnissen her an Gullivers Reisen erinnert. Denn gegen die Mega-Liner wirkt die ohnehin puppenstubenhafte Papenburger Umgebung wie eine Liliput-Welt.

Die alte Seeschleuse ist längst zu klein geworden

Längst haben die Bedürfnisse der Neuzeit die bisherigen Schranken gesprengt. Da, wo einstmals die alte Werft – die letzte von 24 – ihren Sitz hatte, steht heute ein Hotel, das die ehemalige Schiffbauhalle integriert hat. Denn die Seeschleuse war trotz mehrfacher Vergrößerung zu klein für eine Überführung geworden. Dass die Schiffe in Zukunft noch größer werden – die Aida Nova hat Platz für 6000 Passagiere – bezweifeln Experten. Die natürliche Begrenzung durch die Ems wie in Papenburg gäbe es zwar sonst nicht, aber womöglich eine gefühlte Grenze, was die Stimmung der Passagiere angehe – an Bord und beim Landgang. Wichtiger als immer mehr Kabinen sei schließlich die Wohlfühlatmosphäre – vor allem bei der Kreuzfahrt.
Infos im Netz:  www.meyerwerft.de, www.papenburg.dewww.cliadeutschland.de

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