Großfamilien im Schnee

Es fällt auf: Immer mehr Deutsche buchen gemeinsam mit den Großeltern und den Kindern Urlaub so wie es Italiener und Engländer schön längst machen. Vor allem im Winter ist der Großfamilien Urlaub beliebt. Da sind die Wintersportorte gefordert. Sie müssen ihre Angebote noch mehr differenzieren als ohnehin schon. Denn auch der einzelne Urlauber will heutzutage im Winterurlaub mehr als „nur“ Skifahren, wie Urlaubsforscher Martin Lohmann skizziert: „Neben dem Sport geht es zum Beispiel in die Saune oder ins Schwimmbad – oder in ein Konzert. Auch der Sport selbst wird vielfältiger: Ich gehe mal einen Tag Schneeschuhwandern, fahre einen Tag Snowboard, einen Tag Ski oder gehe auf Skitour. Außerdem gibt es ein großes Potenzial für Entspannung im Winterurlaub; man muss gar nicht sporteln.“
Damit hat Lohmann auch schon die Vielfältigkeit möglicher Angebote umrissen, mit denen Wintersportorte ihre Gäste locken. Die Touristische Runde München wollte wissen, wie das im Einzelnen aussehen könnte – im Gasteinertal, am Ifen im Kleinen Walsertal und in Nesselwang im Allgäu.

„Made my day“ im Gasteinertal

Vielfältiges Angebot im Gasteinertal. Bild: (c) Gasteinertal -Tourismus-GmbH-Marktl

Stephanie Gschwandtner von der Gasteinertal Tourismus GmbH verweist auf das neue Package des Verbunds Ski amadé. „made my day“ verspreche „die höchste Erlebnisdichte“ und werde in den drei Orten unterschiedlich interpretiert. Hinter „Abheben in Bad Gastein“ etwa verbergen sich ein Gipfelfrühstück, Freeriden und ein „Flug“ mit dem Flying Fox. Ganz anders das Angebot in Dorfgastein. Hier sei „Aufladen“ aktuell mit Yoga beim Skifahren und einer Schneeschuh-Wanderung zu Kraftplätzen. „Aufleben in Bad Hofgastein“ schließlich könnten die Gäste bei der längsten Abfahrt in den Ostalpen, einem Besuch der Hängebrücke und bei der Entspannung in der Alpentherme. Die Pakete kosten zwischen 50 und 133 Euro und richten sich vor allem an Erwachsene. Für Großfamilien empfiehlt Gschwandtner die Minis‘ Week von Ski amadé. Zwischen dem 13. und dem 27. Januar sind Kinder unter sechs Jahren für 100 Euro für sieben Nächte im Zimmer der Eltern dabei – samt Skikurs, Leihski und Skipass.  Und zusätzlich gebe es von Montag bis Freitag ein – kostenloses – Kinderprogramm.

Der Hohe Ifen als Familienberg

Ein Berg für Jung und Alt: Der Hohe Ifen. Bild: (c) Bergbahnen Oberstdorf

Auch die Region Oberstdorf Kleinwalsertal hat den Trend der Zeit erkannt, wie Augustin Kröll, Leiter der Bergbahnen Oberstdorf darlegt. Rund ein Viertel der Gäste sind nach eigenen Zahlen Familienurlauber, das heißt, sie reisen mit Kleinkindern und fast erwachsenen Sprösslingen gemeinsam. Für diese  Großfamilien, davon ist Kröll überzeugt, sind die Bergbahnen Oberstdorf Kleinwalsertal „extrem gut aufgestellt“. Man habe sowohl an eine Alten- als auch an eine Kinder gerechte Infrastruktur gedacht und beim Unterhaltungs- und Freizeitangebot alle Altersgruppen berücksichtigt. Ob Schneeschuhwandern oder Pferdeschlittenfahren, ob Langlaufen oder Skifahren, Sportevents oder Hüttenspaß: Es gehe nicht um Remmidemmi, sondern darum, das Natur- und Gemeinschaftserlebnis zu vertiefen. Das gelt vor allem für den Hohen Ifen im Kleinen Walsertal mit seiner „Traumlandschaft“. Hier habe man in den letzten Jahren „ein komplettes Skigebiet erneuert“ und komme jetzt mit weniger Stützen, Drähten und Seilen aus, wobei man dem Gast modernsten Komfort mit drei neuen Seilbahnen biete. Den Ifen selbst sieht Kröll als „Familienberg“ mit den flachen Pisten für Anfänger, mit „Burmis Winterwelt“, den aussichtsreichen Winterwanderwegen am Gottesackerplateau, den Freeride-Hängen und den schwarzen Pisten für Könner. Außerdem gebe es in der Gegend ausreichend Möglichkeiten zum Rodeln und Langlaufen und für Genießer eine regionale Schmankerlküche im neuen Bergrestaurant „Tafel&Zunder“.

Übersichtliches Nesselwang für Skizwerge

Klein und übersichtlich: Nesselwang zieht Familien an. Bild: (c) Tourismus Nesselwang

Auch für Pirmin Joas, Geschäftsführer der Nesselwang Marketing GmbH, ist „multioptional“ Gastgeberpflicht. Die Marktgemeine „an der Schnittstelle zwischen Voralpenland und Bergen“ sei zwar „ein Gartenzwerg“ im Vergleich mit dem Gasteinertal und den Bergbahnen Oberstdorf, habe aber dafür viel zu bieten, zum Beispiel einen der besten Snowparks im Allgäu und eine Biathlon-Anlage, auf der schon Olympiasieger trainierten.. Mit dem Alpspitz-Badecenter, dem Spielhaus im Feriendorf Reichenbach und einer Flutlicht-Piste spreche Nesselwang alle Altersgruppen an. Vor allem die Skizwerge seien in dem kleinen, übersichtlichen Skigebiet gut aufgehoben und könnten ihre ersten Schritte im Schnee „ohne Trubel“ machen. Auch die Preisfrage sieht Joas als wichtiges Argument für Nesselwang. Für Preisbewusste sei die KönigsCard interessant, bei der ein dreistündiger Skipass inklusiv ist.

Ein Herz für Großfamilien

Einig sind sich alle drei Referenten darüber, dass Skiurlaub auch eine Preisfrage ist und man Familien,  auch den Großfamilien,  den Einstieg in den Wintersport erleichtern müsse. Vom „Zaubermittel Schnee“ spricht Augustin Kröll. Kinder entdeckten die weiße Winterwelt über Schneeballschlachten, Schneemann bauen, Schlitten fahren. Von da sei es nur noch ein kleiner Schritt zum Skifahren. Und für Familien, die sparen müssten, würden sich die kleinen Skigebiete empfehlen. Pirmin Joas wirbt in dem Zusammenhang für die KönigsCard, Stephanie Gschwandtner für die Gastein Card. Damit gebe es Ermäßigungen auf einige Attraktionen und manche seien sogar kostenlos. Zudem stärkten solche Karten die Bindung der Urlauber an ihren Ferienort.
Wenn Jugendliche dabei sind, die auf Freeriden stehen,  dann ist Vorsicht angesagt. Denn viele unterschätzen das Lawinenrisiko und stürzen sich voller Abenteuerlust in gefährliches Gelände. Der Deutsche Alpenverein hat dazu unter checkyourrisk.com Tipps zusammengefasst, die der Sicherheit beim Freeriden dienen. Ein kleiner Film soll allzu Abenteuerlustige zum Nachdenken bringen:  https://youtu.be/lky0aRtcmIw

Spartipps aus erster Hand

Stephanie Gschwandtner: Im Gasteinertal gibt es neben der Mini’s Week noch mehr Vergünstigungen für Familien. Zum Beispiel den Family Skipass/Family Bonus. Dabei fahren  Kinder unter 6 Jahren gratis. Bei einer Familie mit drei Kindern fährt das dritte Kind gratis. Die Aktion ist nur gültig beim Kauf von mindestens einem Erwachsenen-Skipass. Für Gäste mit Kleinkindern (ab Jahrgang 2015) empfehle ich die Jungfamilienkarte, die wahlweise von einem der beiden Elternteile genutzt werden kann. Aber auch für die Großeltern gibt es Vergünstigungen, z.B. Sixty Plus, ein Sieben-Tage-Programm, bei denen die teilnehmenden Unterkunftsbetriebe den Sechs-Tage-Skipass gratis dazu geben – allerdings nur in den Aktionswochen bis 24. Dezember und vom 31. März bis 8. April. Noch ein Tipp: Für Kinder und Jugendliche gibt es am Wochenende immer ermäßigte Skipasspreise mit bis zu 35 Prozent Rabatt gegenüber dem Normaltarif.

Elmar Müller aus dem Kleinwalsertal: Familien empfehle ich die Osterferien für einen erlebnisreichen Skiurlaub. Abwechselnd Skifahren und die Kinder betreuen – die neue Elternkarte macht´s möglich! Sie ist eine Mehrtagekarte für Eltern von Kindern Jahrgang 2012 und jünger, die zwischen beiden Elternteilen übertragbar ist. Den ganzen Winter können Familien mit günstigen Familienpreisen rechnen, ab 11. März fahren Kinder zusätzlich immer sonntags in Begleitung der Eltern frei. Und auch die Großeltern sind willkommen – vielleicht keine aktiven Skifahrer mehr, aber mit unseren speziellen Fußgängerkarten können sie die Sonne auf über 2000 Metern genießen oder auf dem Panorama-Winterwanderweg am Gottesacker durch die Winterlandschaft spazieren. Zahlreiche Gastgeber bieten während unseren Aktionsskiwochen die Unterkunft inkl. Skipass zu günstigen Preisen an.

Pirmin Joas: Ich empfehle preisbewussten Großfamilien heuer in der ersten Woche der Weihnachtsferien zu verreisen, weil es bis zum 30.  Dezember mehr Spielraum gibt als über den Jahreswechsel. In diesem Zeitraum gibt es aber für alle Gäste schon geführte Wanderungen, Busausflüge zum Beispiel zur Wildfütterung und weitere Programmpunkte. Den Tages-Skipass für die Eltern und ein sieben-jähriges Kind gibt es für 68 Euro. Zudem gibt es auch Stundenkarten, was gerade mit kleineren Kindern attraktiv ist. Für Senioren gibt es eine Berg- und Talfahrt mit der Alpspitzbahn für 17 Euro. Und Kleinkinder erhalten die Berg- und Talfahrt bis sechs Jahre kostenlos. Im Alpspitz-Bade-Center gibt es eine Tages-Familienkarte für Eltern und zwei Kinder für 29,50 Euro.

Infos im Internet:
www.gastein.com
www.ok-bergbahnen.com
www.nesselwang.de

Ein Kommentare
  • Ida
    Juni 13, 2018

    Ich hätte es damals, als ich noch kinderlos war, selbst nicht geglaubt, dass Skifahren aus mehr besteht als nur Apre-Ski und Skifahren. Seitdem wir zwei Kinder haben, sind wir ebenfalls mit Yoga, Schneeschuhwanderung und co beschäftigt und lieben es. Kinder halten einen eben doch gesund und jung.

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