Weihnachtliche Reisen im Kopf

Echte Reisen werden wohl noch länger ein Wunschtraum bleiben. Es sieht nicht so aus, als würde sich Corona pünktlich zum Weihnachtsfest zurückziehen. Das Virus ist anhänglich, es wird uns auch im Neuen Jahr nicht loslassen. Aber vom Reisen träumen dürfen wir wenigstens. Und vielleicht lassen sich ja sogar kleine Trips verwirklichen. Wer weiß. Doch mit diesen Weihnachtsbüchern kann man auch jetzt Reisen im Kopf machen, dem tristen Corona-Alltag in ferne oder sogar in Fantasy-Welten entfliehen. Hier sind ein paar Tipps für außergewöhnliche weihnachtliche Buchgeschenke:

Für Fantasten

Die reale Welt ist grau und trüb, der Alltag langweilig? Wie schön, wenn man da mit einem Buch in der Hand in fantastische Welten reisen kann. Den kleinen Prinzen besuchen, per Anhalter durch die Galaxis reisen, Station bei den Mumins machen, die Nebelberge von Mittelerde erkunden oder in 1001 Nacht in einen märchenhaften Orient eintauchen: „Wonderlands“ heißt das reich illustrierte Zauberbuch, das solche fantastischen Reisen möglich macht.
Aber Vorsicht, es geht nicht immer friedlich zu: Bei Dante warten Höllen- und Fegefeuer auf die Sünder, Kafkas Schloss entpuppt sich als seelenlose, kalte Welt und in Lovecrafts „Cthulhu-Mythos“ entfaltet sich ein ganzes Alptraum-Universum.
„Literatur ist wie ein Zaubertrank“ heißt es im Klappentext. Dieses Buch mit seinen 100 Porträts ist ein wahrer Zaubertrank, der durch 3000 Jahre Fantasiewelten führt – vom Gilgamesch-Epos bis zu Harry Potter, von der Edda bis zum Wolkenatlas. Fantastisch!
Info: Laura Miller (Hrsg). Wonderlands, wbgTheiss, 310 S., 28 Euro

Für Sternengucker

Für die Menschen früherer Zeiten war der Sternenhimmel ein großes Versprechen. Die „himmlischen Sphären“ waren voller Geheimnisse, die ihnen erst durch die moderne Astrophysik entrissen wurden.
Wie es dazu kam und was unsere Altvorderen am Himmel zu finden glaubten, erzählt Edward Brooke-Hitching in dem schön aufgemachten „Atlas des Himmels“. Die ebenso informative wie unterhaltsame Reise beginnt bei den prähistorischen Sternbildern und führt über die ägyptische Astronomie und den Kosmos des Ptolemäus zur islamischen Astronomie und weiter nach Europa, wo das christliche Weltbild lange auch die Sicht auf den Himmel beherrscht.
Kein Wunder, dass Kopernikus, Giordano Bruno oder Galileo Galilei als Ketzer verfolgt, ja verbrannt wurden, nachdem sie das bis dahin geltende geozentrische Weltbild auf den Kopf gestellt hatten. Doch trotz aller Forschungserfolge schossen auch noch im 19. Jahrhundert Gerüchte über Mondmenschen und Fabelwesen auf anderen Sternen ins Kraut.
Inzwischen sind zwölf Männer auf dem Mond herumspaziert, planen Unternehmer bereits touristische Reisen ins All. Dieses Buch kann mehr: Lesend kann man nicht nur zu den Sternen reisen, sondern auch zurück in die Vergangenheit der Astronomie.
Himmlisch!
Info: Edward Brooke-Hitching. Der Atlas des Himmels, Knesebeck, 255 S., 35 Euro

Für Träumer

Anderswelten muss man nicht auf dem Mond oder in Märchen suchen. Auch in unserer Welt gibt es noch magische Orte, die von einer anderen Wirklichkeit erzählen. Martin Ruepp und Astrid Amico führen die Leser in ihrem Buch „Mystische Orte in Südtirol“ zu Kultorten und Heilquellen, zu Wallburgen und Wallfahrtskirchen, zu Orten also, die – so die Autoren – „die Seele berühren“.
Menhire und Felszeichnungen, Steinkreise und Fruchtbarkeitsrutschen werden als Zeugnisse früherer Kult- und Kraftplätze präsentiert. Die Autoren stellen aber nicht nur solche Orte vor, auf denen heute vielfach Kapellen und Kirchen thronen, sie erinnern auch an Sagen und Märchen, die von einer Zauberwelt und verwunschenen Wäldern künden, wo Hexen und Feen, Zwerge und Drachen zu Hause waren – auch die sagenumwobenen Saligen, die Hüterinnen der Natur.
Wer selbst die Magie der stimmungsvoll in Szene gesetzten Orte erleben will, findet in dem Buch auch Kurzbeschreibungen möglicher Wanderungen. Am Ende noch ein Blick über die Provinzgrenze ins Trentino und auf San Romedio, einer Wallfahrtskirche, die aus fünf übereinander gestapelten Kapellen aus unterschiedlichen Epochen besteht und auf einem Felssporn thront.
Traumhaft!
Info: Martin Ruepp/Astrid Amico. Mystische Orte in Südtirol, Raetia, 367 S., 29,90 Euro

Für Realisten

Im „Zeit-Magazin“ hat die Karte über Besonderheiten oder Kurioses in Deutschland einen festen Platz. Der „Atlas für Neugierige“ weitet das Konzept auf die Welt aus. Autor Ian Wright kam über seine Website „Brillant Maps“ auf die Idee dieses Buches.
Im Vorwort erzählt er von seiner Liebe zu Karten und seiner Vorliebe für Überraschendes und Interessantes. So machen die Karten „Reisezeiten ab London im Jahr 1914“ und „Reisezeiten ab London im Jahr 2016“ seiner Meinung nach „auf geradezu fantastische Weise“ deutlich, „wie das Flugzeug unsere Fähigkeit verändert hat, in andere Teile der Welt zu gelangen und somit unseren Horizont zu erweitern“.
Auf 210 Seiten kann man sich über so unterschiedliche Fakten wie die Durchschnittsgröße der Männer weltweit, die Geburtsorte religiöser Anführer oder Länder ohne McDonald‘s-Filiale informieren. Man kann nachschauen, welche Länder in Nordkorea Botschaften haben, wo die sieben Weltwunder der Antike zu verorten wären und wer wo die Geschenke an Weihnachten bringt. Auf einen Blick sieht man die Länderflaggen weltweit und die Länder mit den meisten „Miss World“-Gewinnerinnen.
Kurios!
Info: Ian Wright. Der Atlas für Neugierige, Blanvalet, 240 S., 24 Euro

Für Schneeprinzessinnen

Ein Kinderbuch von Reinhold Messner! Da müssen natürlich die Berge eine wichtige Rolle spielen! Layla – „auf dem Berggipfel“ – heißt das kleine Mädchen, das diese Geschichte erzählt.
Mit seinem Papa, der mit dem weltberühmten Bergsteiger nicht nur die ungestüme Haarpracht gemeinsam hat, sondern auch die Leidenschaft für die höchsten Gipfel der Welt, reist es ins Reich des Schneekönigs. Dort lernt Layla eine andere Welt kennen, eine Welt ohne Luxus und Rundumversorgung, eine Welt der Stille.
Als die Kleine einmal nicht weiter will, weil ihr die Anstrengung in den Bergen zu viel wird, sagt der Papa: „Layla, in das Reich des Schneekönigs geht man entweder ganz hinein oder man bleibt gleich draußen.“ Layla kann die Magie der Berge spüren, der ihr Papa verfallen ist. Sie wird eine andere sein, wenn sie in ihr altes Leben zurückkehrt.
Er habe versucht, die Aufmerksamkeit der Kinder auf die Möglichkeit zu lenken, „friedvoll und mit Freude in einer anderen Welt zu leben“, sagte Reinhold Messner über sein Kinderbuch, das auch dabei helfen soll, Respekt vor der Natur zu entwickeln: „Der Verzicht, nicht der Konsum, ist der Schlüssel zum Glück.“ In Szene gesetzt hat das Ganze der Trentiner Davide Panizza.
Magisch!
Info: Reinhold Messner. Layla im Reich des Schneekönigs, Bergwelten, 16 Euro

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