Outdoor vor der Haustür

Spielberg steht nicht auf der Bucket List des Lonely Planet. Die wenigsten werden wissen, wo der kleine Ort sich überhaupt befindet. Wir mussten unser Ziel auch erst auf der Karte suchen – und haben es in der Nähe von Wassertrüdingen an der Grenze des Naturparks Altmühltal gefunden. Hier bleibt die Kirche noch im Dorf, auf den Feldern steht hoch und golden das Korn, Bauern holen die Ernte ein. Landleben fast wie aus der „Landlust“.
Und über dem Örtchen thront – weithin sichtbar auf einem Ausläufer des Höhenzuges Hahnenkamm – Schloss Spielberg, dessen Geschichte bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreicht.

Fast filigran wirken diese Steinacker-Figuren im Schlosspark

Auch die Fürsten von Oettingen-Spielberg sind Teil der wechselvollen Geschichte der Burg. Heute ist Schloss Spielberg ein Hort der Kunst, denn 1983 vertraute Fürst Albrecht von Oettingen-Spielberg die Anlage der Künstlerfamilie Steinacker an. Sie sanierte die Anlage und machte sie zum Gesamtkunstwerk. Den Park bevölkern die Skulpturen Ernst Steinackers (1919 – 2008). Der christlich geprägte Maler und Bildhauer hat auch jeden einzelnen Raum des Schlosses umgestaltet, aber während der Woche ist das Haus geschlossen. Nur am Sonntag öffnet der aktuelle Schlossherr, Veit Steinacker, die Türen. Aber auch der Skulpturenpark mit den großen Köpfen und den schmalen Engelsgestalten lohnt den Aufstieg auf den Schlosshügel – und der großartige Rundblick auf die sanfte, hügelige, grüne Landschaft.

Wandern durch dunklen Tann zum Kloster

Hier kann man wunderbar wandern durch dunklen Tann, über Felder und Wiesen bis hinüber zum Markt Heidenheim mit dem imposanten Kloster aus dem achten Jahrhundert.

Imposant ist die gotisch-romanische Klosterkirche in Heidenheim

Heute ist die romanisch-gotische Kirche mit den Doppeltürmen und dem Sarkophag der heiligen Walburgis evangelisch. Sehenswert ist auch der Kreuzgang mit den leider nur noch in Resten erhaltenen Fresken. Und dann wäre da auch noch ein Heimatmuseum, das zu einer kleinen Zeitreise einlädt mit Stuben, Werkstätten und altem Klassenzimmer. Doch das Wetter ist zu schön, um länger drinnen zu verweilen. Die Wanderer lockt das Naturbad, ein einfaches Becken mit Quellwasser – herrlich erfrischend. Am Kiosk gibt‘s frischen Kaffee oder Eis, aber auch Brotzeiten. Hilfsbereit erklärt der alte Pächter den Rückweg nach Spielberg.

Zur Steinernen Rinne bei Wolfsbrunn

Überhaupt die Menschen. Hier, wo Touristen selten sind, fühlt man sich willkommen, geradezu herzlich aufgenommen. Die Wirtin im Gasthof Gentner in Spielberg hat auch für den nächsten Tag einen Ausflugstipp: Die Steinerne Rinne bei Wolfsbrunn, einem 130 Meter langen Kalktuffdamm, der bis zu 1.60 Meter hoch ist – eine geologische Besonderheit aber typisch für die Frankenalb.

Zwischen Moospolstern rinnt das Quellwasser in der Steinernen Rinne.

Das stark kalkhaltige Quellwasser gräbt sein Bachbett nicht in den Untergrund, sondern lässt es in die Höhe wachsen. Treppen führen entlang der bemoosten Rinne, durch die glasklar das Quellwasser plätschert, im Wald nach oben. Kein Mensch weit und breit, nur das Zwitschern der Vögel. Natur pur. Oben dann ein Maisfeld mit Windrädern im Hintergrund. Unten zwei Paare mit E-Bikes, die an der Straße Brotzeit machen, um ihre – teuren – Räder zu bewachen. Die Steinerne Rinne werden sie nicht zu sehen bekommen, der Weg ist auch mit E-Bikes nicht zu befahren.

Die Magie der Katharinenkapelle

Hechlingen hat die Wirtin noch empfohlen und die Ruine der Katharinenkapelle auf der Kuppe des Kapellenbergs. Man kann den Hechlinger Hohlweg hinauf wandern vorbei an dem schön gemauerten alten Bierkeller oder vom Parkplatz aus über die Wiese zu dem alten Gemäuer laufen, das so manchem hier in den Gegend als „Kraftplatz“ gilt. Zwischen den Mauerresten steht ein Kreuz unter freiem Himmel. Durch die Fensterhöhlen sieht man die Wolken ziehen. Stimmt schon, der Platz hat etwas Magisches. Und der Ausblick ist einfach schön. Nichts Spektakuläres, keine schroffen Felsen. Eine in sich ruhende Landschaft mit runden Graskuppen und dazwischen gestreuten Dörfern.

Ein einfaches Holzkreuz lädt zum Innehalten ein.

Weit hinten glitzert der Hahnenkammsee. Mit dem Auto ist man in ein paar Minuten am Parkplatz. Still liegt der See, die Tretboote und Bretter für Standup-Paddler liegen noch am Ufer. Im weichen Sand spielen ein paar Kinder, im Kneipp-Becken hat eine Kröte Schutz gesucht. Das Wasser ist angenehm kühl, am Himmel zwischen den Federwolken kreist ein Rotmilan. Auf der Liegewiese ist reichlich Platz für alle, auch im Schatten. Eine Umkleide gibt es auch und sogar eine Dusche – alles kostenlos. Hier lässt es sich auch bei größter Hitze aushalten.

Frisch und köstlich: Poulardenbrust mit Kartoffelbaumkuchen

Am Abend dann zurück in Spielberg mundet das regionale Viergänge-Menü, das Küchenchef Oliver Marschall frisch zubereitet hat – ohne Schnickschnack, aber mit besten Zutaten und viel Geschmack. So ein Wochenende vor der Haustür kann ganz schön überraschend sein.

Kurz informiert

Anreisen. Spielberg ist Teil des Markts Gnotzheim im Fränkischen Seenland. Markante Orte in der Nähe sind Oettingen, Nördlingen Wassertrüdingen oder Gunzenhausen.
Wohnen. In Spielberg lädt der Gasthof Gentner zu Wohlfühltagen ein. Übernachten im traditionellen Ambiente mit Genuss regionaler Spezialitäten, Mi – Fr 160 Euro pro Person im DZ, Fr – So 180 Euro: www.gasthof-gentner.de
Baden. Sowohl das Freibad in Heilbronn als auch der Hahnenkammsee sind frei zugänglich.
Informieren. Tourismusverband Franken e.V., Pretzfelder Str. 15, 90425 Nürnberg, Tel. 0911/941510, www.frankentourismus.de

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