Eifel: Maare und mehr

Sie haben Dichter und Maler inspiriert und ziehen bis heute Wanderer und Naturliebhaber in ihren Bann: die Eifel-Maare. „Die Augen der Eifel“ nannte die Dichterin Clara Viebig die meist kreisrunden Maar-Seen, die so malerisch ins Grün der Wälder und Felder eingebettet sind. In diesen Tagen leuchten viele Bäume herbstlich bunt, die Wiesen sind gemäht, in den Apfelbäumen hängen noch ein paar vergessene Früchte. Und doch finden Ziegen und Esel auf den grünen Höhen um die Dauner Maare noch genügend würzige Kräutlein.

Letzte Äpfel in der Streuobstwiese

Da war die Hölle los

Spaziert man durch diese sonnenbeschienene Landschaft kann man kaum glauben, dass hier einmal die Hölle los war. Damals, als die Maare entstanden sind und es zum Kampf der Elemente Feuer und Wasser kam. Geopark-Gästeführerin Irene Sartorius – schmal, kurze graue Haare, Brille – kann darüber ganze Referate halten. Zur Unterstützung hat sie Bilder und Grafiken im Rucksack. Denn, was sie erzählt, ist nicht leicht zu verstehen. Auch ein Maar, lernen wir, ist ein Vulkan, ein nach innen gestülpter. 75 Maare gibt es in der Vulkaneifel, nur zehn enthalten einen See.

Das Gemündener Maar gilt als eines der schönsten

Die Folge der Wasserdampfexplosion

Entstanden ist sie so: Aufsteigende Magma traf auf wasserführende Schichten. Das Wasser verdampfte, es kam zu Wasserdampfexplosionen. Das umgebende Gestein wurde aufgebrochen, nach oben geschleudert und ausgeworfen. So bildete sich ein Trichter, umgeben von einem ringförmigen Wall aus dem Urgestein, Tuff. Füllt er sich mit Grund- oder Regenwasser, entsteht ein Maarsee – wie die Dauner Maare. Weniger faszinierend sind die Trockenmaare, die man auch nicht so leicht erkennen kann. Neben dem Schalkenmehrener Maar etwa liegt nicht nur ein Trockenmaar, sondern auch ein Flachmoor, das ebenfalls auf eine Vulkaneruption zurück geht.

Das Kirchlein auf der gegenüberliegenden Seite hat auch den Eifelmaler inspiriert.

Wallfahrt zur Kapelle

Nach dieser Exkursion in die Erdgeschichte sehen wir die Landschaft mit anderen Augen, die begrünten Schlackenkegel, das ockerfarbene Flachmoor, die blauen Maarseen. Mit 51 Metern ist der Weinfelder See der tiefste der drei Dauner Maare – und wahrscheinlich der meist fotografierte. Auch der Landschaftsmaler Fritz von Wille, der als Eifelmaler bekannt wurde, hat sich immer wieder von diesem kreisrunden, tiefblauen Maar mit der kleinen Kapelle am Kraterrand inspirieren lassen. Das Kirchlein ist bis heute Ziel frommer Pilger, die auf Hilfe in der Not hoffen – und sie hin und wieder auch erfahren haben, wie die Votivtafeln bezeugen. Wer mag, kann die Glocke im Vorraum läuten, der Klang weht weit übers Land und erinnert die Menschen vielleicht an Zeiten, in denen sie noch auf göttliche Hilfe hofften.

Rund um das Kirchlein am Weinfelder Maar ist der Friedhof angelegt

Pest und Totenmaar

Zu Pestzeiten etwa. Das Dorf Weinfeld gibt es seither nicht mehr. Die meisten Bewohner starben an der Pest, andere flohen nach Schalkenmehren, zuletzt der Pfarrer, erzählt die Geopark-Führerin. Übrig blieb nur das Kirchlein – und der Friedhof, auf dem auch die Menschen aus Schalkenmehren ihre letzte Ruhe finden. Womöglich heißt das Weinfelder Maar auch deshalb Totenmaar.

Sagenhaftes Schloss

Der Name könnte allerdings auch auf eine alte Sage zurückgehen, die Irene Sartorius noch lieber erzählt: Wo heute Wasser ist, stand vor langer Zeit ein Schloss, in dem eine böse Schlossherrin mit ihrem guten Mann lebte. Er wusste nicht, dass seine Frau eine Hexe war. Doch er sah wohl, dass sie übrig gebliebenes Essen lieber den Tieren gab als den armen Menschen. Als der Schlossherr eines Tages ausritt, fiel ihm ein, dass er einen Handschuh verloren hatte. Er schickte seinen Knecht zurück und der fand statt des Schlosses nur Wasser – und einen Weidenkorb mit seinem kleinen Sohn darin.

Hier schmeckt das Quellwasser nach Eisen

Dreese und Wallender Born

Eine schöne Geschichte mit optimistischem Ausblick auf die Zukunft. Zukunftsorientiert ist man auch in der Vulkaneifel. 2015 hat der Natur- und Geopark die Anerkennung als Unesco Global Geopark erhalten. Feuer und Wasser haben hier nicht nur Maare hinterlassen, sondern auch Quellen mit mineralhaltigem Wasser, Dreese genannt – aus dem Keltischen für „sprudelnde Quelle“. So eine ganz besondere Quelle will Irene Sartorius uns zeigen. Sie ist erst seit kurzem erfasst und liegt ganz versteckt im Wald. Ein paar Tuffsteine rahmen das sprudelnde Wasser ein. Es ist eisenhaltig und wirkt im Grün ringsum fast goldfarben. Der Geschmack ist metallisch aber auch erfrischend. Es gibt viele solcher Dreese in der Vulkaneifel, kleine und große, bekannte und unbekannte und sogar einen Kaltwasser-Geysir, den Wallenden Born in Wallenborn.

Die Aussicht vom Dronketurm lohnt die Mühen des Aufstiegs

Auf und ab entlang der Maare

Da kommen wir heute nicht mehr hin auf unserer Tour entlang der Dauner Maare. Dafür besteigen wir den elf Meter hohen Dronketurm, von dem aus wir einen weiten Blick übers Land haben – auf Vulkankegel und Maare. Wir wandern auf schmalen Pfaden, mal über die Höhen, mal am Maar entlang, entdecken Fliegenpilze und Pfifferlinge, Salbei und Lupinen, sogar noch ein paar gelbe Blüten im Ginster. Es ist ein angenehmes Auf und Ab auf weichem Waldboden, über Wurzelstränge und steinige Pfade mit immer neuen Ausblicken auf die herbstliche Berg- und Tallandschaft der Vulkaneifel.

Auf der Wanderung bieten sich immer wieder neue Ansichten

Gipfelkreuz über Schalkenmehren

Wir gönnen uns noch eine Einkehr Waldcafé KuliMaarik und entschließen uns frisch gestärkt zum Gipfelsturm. Über dem Schalkenmehrener Doppelmaar steht auf der Anhöhe ein Gipfelkreuz. Von da oben schaut man hinunter auf die blaue Wasserfläche des Schalkenmehrener Maars und die weißen Häuserwürfel des Örtchens. Irene Sartorius deutet auf ein goldbraunes Rund neben der Wasserfläche, das Trockenmaar. Ja, jetzt sehen wir‘s auch. Die Wanderung mit der Geopark-Führerin hat uns die Augen geöffnet.

Kurz informiert

Geopark Vulkaneifel 77 Maare gibt es im Geopark, das älteste entstand vor 44 Millionen Jahren, das jüngste vor gerade mal 10.900 Jahren. Nur zehn der Maare sind mit Wasser gefüllt: www.geopark-vulkaneifel.de

So muss man sich die Schalkenmehrener Maare vorstellen.

Wandern Ausgangspunkt der Wanderung ist das Örtchen Schalkenmehren, das zur Verbandsgemeinde Daun gehört. Anfahren über die Eifelautobahn A48/A1 Koblenz-Trier bis zu der Abfahrt Manderscheid, weiter nach Daun und von da nach Schalkenmehren. Übernachten Schalkenmehren ist ein beliebtes Ausflugs- und Touristenziel mit den unterschiedlichsten Übernachtungsmöglichkeiten und Gastronomiebetrieben. Wir sind in der Nähe untergekommen, in Kucher‘s Landhotel in Darscheid: www.kucherslandhotel.de Hier haben wir auch sehr fein gespeist.

Einkehren Im Hotel Schneider am Maar gibt es Bodenständiges wie Zwiebelkuchen zum Federweißen aber auch feine Kuchen und Torten: www.hotelschneider.de Großen Wert auf regionale Kulinarik legen die Betreiber des Waldcafés KuliMaarik über dem Gemündener Maar: kontakt@kulimaarik.de

Informieren Natur- und Geopark Vulkaneifel, Tel. 06592/933-202, geopark@vulkaneifel.de, www.naturpark-vulkaneifel.de

Hinweis Die Recherche wurde unterstützt von Eifel Tourismus

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