Die touristische Runde auf königlichen Spuren

Hatten wir ein Glück mit dem Wetter! Es war ja schon lange angesagt, dass das Wochenende eher verregnet sein könnte. Doch wir haben den Ausflug ins Allgäu trotzdem gewagt – und gewonnen! Auch dank der tollen Vorbereitung durch Christa Fredlmeier – und weil alle pünktlich und engagiert dabei waren.
Los ging’s in Füssen mit dem Allgäu-Shuttle, der uns hinauf brachte zum Burghotel Falkenstein. Von da war die Aussicht zwar ein bisschen vernebelt aber schon schön. Noch besser wurde sie auf der Burgruine, wo Julian Knacker, in Pfronten zuständig fürs Marketing, eine kleine Erfrischung vorbereitet hatte. Der Heugäuer, eine Art Bionade mit Bergheu, schmeckte in der roten und der goldgelben Variante ebenso wie die Brezen dazu. Wir erfuhren einiges über Pfronten mit den 13 Gemeindeteilen und der langen Handwerkstradition, über die Burgenregion und natürlich über König Ludwig, der gerne an der Ruine Falkenstein die Zeit verträumte.
Die Ritterburg, die der Märchenkönig hier bauen wollte, gibt es nur als Zeichnung. Ludwig starb, bevor der die Pläne verwirklichen konnte. So blieb die Ruine stehen, von der man weit hinaus sehen kann ins Pfrontner Tal und hinein in die umstehen Berge – sofern nicht ein Nebelvorhang die Aussicht verdeckt. „Vom Zirmgrat aus genießen Sie weite Blicke ins seenreiche Voralpenland, auf die Zugspitze und viele andere Alpengipfel“, verheißt die Website der Wandertrilogie. Wir sind froh um jedes Sonnenloch, das die Nebelwand zerreißt. Dann können wir uns vorstellen, warum der Kini hier so gerne war.
Der guten Stimmung tut das Wetter keinen Abbruch und beim Wandern kommt man so wenigstens nicht ins Schwitzen. Der Steig hinunter von der Burgruine und den Kamm entlang ist schmal, ein Wegkreuz erinnert an den „Falkensteinsepp“, der im 19. Jahrhundert 40 Jahre als Einsiedler auf dem Falkenstein lebte. Im Nebel wirken die toten Bäume mit ihren knorrigen Ästen wie Gespenster. Eine Bank lädt dazu ein, die Aussicht auf das österreichische Vils zu genießen, auch wenn gleich daneben der Kalksteinbruch die Optik etwas stört. Doch auch er gehört zur Geschichte der Gegend wie die Grenzsteine, die daran erinnern, dass hier einmal die Grenze zwischen Deutschland und Österreich verlief und in alten Zeiten Schmuggler auf diesen Pfaden ihre Waren transportierten. Dass es zwischen Bayern und Österreich immer noch Differenzen gibt, zeigt ein Wegweiser weiter unten. Eine Stunde dauert der Weg zum Benken auf dem österreichischen Wegweiser, eine dreiviertel Stunde auf dem deutschen…
Auch wir sind von der schnellen Truppe. Doch wenn’s bergab geht, werden die feuchten Wurzeln auf dem Weg zu Stolpersteinen und so mancher rutscht mehr als er bergab läuft. Doch von solchen Unbilden lässt sich kein Wanderer beeindrucken und unser Grüpplein bleibt standfest bis zur Salober-Alm, wo die schönen braunen Allgäuer Kühe erstmal fotografiert werden wollen, ehe wir uns zur Brotzeit niederlassen. Mittlerweile sind dunkelgraue Wolken am Himmel aufgezogen, eine davon lässt mehr als ein paar Tropfen fallen. Auch dagegen sind wir gerüstet. Das Regenzeug fehlt heute in keinem Rucksack.
In der Salober-Alm stärken wir uns mit Festtagssuppe oder Germknödel, mit sauren Knödeln oder einer Brotzeitplatte. Wirt Magnus spendiert eine Runde Marillen-Schnaps, ehe wir uns wieder auf den Weg machen. Das Ziel, der Alatsee, liegt verführerisch grün unter uns, und von der „Schlossbank“ in Form einer edlen Chaiselongue, schweift der Blick bis hinüber nach Schloss Neuschwanstein. Ein märchenhafter Ausblick, bei dem man am liebsten verweilen würde, wenn diese grauen Wolken nicht wären, die ganz offensichtlich noch mehr Regen in ihren dicken Bäuchen tragen.
Also nichts wie hinunter zum verwunschenen Alatsees, der im Kluftinger-Krimi „Seegrund“ zu literarischen Ehren kam, aber schon in grauer Vorzeit als Kultstätte galt. Purpur-Schwefelbakterien, erzählt Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier, bilden in 15 Meter Tiefe eine blutrote Wolke – ein einzigartiges Phänomen, das ebenso zur Legendenbildung rund um den See beitrug wie der Goldschatz, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs angeblich im See versenkt wurde. Tatsächlich führten Luftwaffentechniker auf und im Alatsee Versuche mit Unterwassermodellen durch und hin und wieder findet man im See Eisenstangen oder –Gestelle, die dafür benutzt wurden.
Wir wären gerne tiefer eingetaucht in den See und seine Geschichte. Aber auf dem Parkplatz wartet schon Manuel Kößler mit dem Allgäu-Shuttle. Der europaweit erfolgreiche Rallyefahrer bringt uns zurück nach Füssen, wo wir im Baumpark noch einen kleinen Trilogierundgang machen, ehe wir unsere Autos aus der Tiefgarage holen, um weiter zu fahren zum Museum der bayerischen Könige in Schwangau.
Die Fahrt wäre selbst für Rallyefahrer Kößler eine Herausforderung, so groß ist der Andrang rund ums Märchenschloss. Busse aus ganz Europa füllen die Parkplätze. Scharen von Asiaten, die unentwegt sich selbst und die anderen fotografieren, bevölkern die Straßen. Dazwischen schwarz verschleierte Frauen, Inderinnen in farbenfrohen Saris, Amerikaner in Lederhosen. Die ganze Welt scheint sich hier einzufinden.
Das hätte dem Kini sicher gefallen. Oder vielleicht auch nicht. Denn in seinem späteren Leben war Ludwig II., der ja gerne als schöner junger Mann dargestellt wird, eher menschenscheu. Warum, auch das erfahren wir im Museum der Bayerischen Könige, wo Vanessa Desing jede Menge Wittelsbacher Geheimnisse ausplaudert. Dass Ludwig bei seinem Tod nur mehr vier Zähne im Mund hatte, zum Beispiel. Und dass er seine fauligen Zähne immer hinter einem parfümgetränkten Spitzentaschentuch verbarg. Dass der König gegen die wahnsinnigen Schmerzen viele Tabletten schluckte, die wenig halfen. Die Führerin mit dem Pferdeschwanz und dem netten Lächeln erzählt aber auch, wie fortschrittlich Ludwig II. war: „Neuschwanstein war eine Ritterburg mit Stahlträgern und Telefonanschluss“. Doch vollendet wurde die Neuschwanstein nie. Wie das fertige Schloss ausgesehen hätte, kann man nur im Museum sehen – auf einem Schaubild.
So rundet sich unser Tag, der auf der Burgruine Falkenstein begann, wo Ludwig noch eine Ritterburg bauen wollte, und zu Füßen von Neuschwanstein, dem in aller Welt berühmten Märchenschloss, endet. Doch, bevor wir Abschied nehmen von unseren Allgäuer Begleitern, kehren wir noch im Kräuterhotel Steiger ein, wo wir den Ausflugstag bei Allgäuer Spezialitäten nochmal Revue passieren lassen.

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