„Der Bus ist die Lösung“

“ Der Reisebus müsste mit wehenden Fahnen empfangen werden“, sagte Benedikt Esser beim 38. Tag der Bustouristik in Augsburg. Der Präsident des Internationalen Bustouristik-Verbands (RDA) machte keinen Hehl aus seinem Ärger über Städte, die Busse aussperren wollen. Der Bus sei nicht das Problem, betonte er, „der Bus ist die Lösung“.  Und Markus Ferber, Mitglied des Europäischen Parlaments und CSU-Bezirksvorsitzender in Schwaben, assistierte: „Unter dem Deckmantel der Ökologie wird versucht, heimische Anbieter zu bevorzugen.“

Experten beim Tag der Bustouristik in Augsburg v. links: Regiochef Götz Beck, Johannes Hintersperger MdL, Markus Ferber, Veranstalter Dieter Gauf, Prof. Dr. Ralph Ütz und RDA-Präsident Benedikt Esser

Augsburg ist nicht Rom

Dabei ging es vor allem um Rom, das Reisebussen die Einfahrt in die Altstadt verweigert und die Insassen mit eigenen Bussen zum Ziel bringt. Das mache Augsburg anders, warf Tourismusdirektor Götz Beck ein. Man lasse die Busreisenden z.B. zum Christkindlesmarkt in die Innenstadt fahren, um die Busse danach im Außenbereich zu parken. Der Busfahrer werde mit einem Shuttle ebenfalls zum Weihnachtsmarkt gebracht. Schließlich wisse man, dass der Tourismus ein „ungeheuer wichtige Wirtschaftsfaktor ist“. Touristen brächten Leben in die Innenstädte, weil sie Zeit und Muße zum Shoppen und Genießen hätten.

Der Augsburger Christkindlesmarkt ist Ziel vieler Busreisen.

Klimaschutz und Blinde Kuh

Bei der Pressekonferenz stand aber vor allem der Klimaschutz im Fokus und da die von der EU diktierte „Green Vehicle-Richtlinie“, nach der ab 2025 45 Prozent der Busse im öffentlichen Nahverkehr einen alternativen Antrieb besitzen müssen. „Ein Irrsinn“, urteilte Ralph Pütz, Professor für Nutzfahrzeugtechnik und Verbrennungsmotoren an der Hochschule Landshut, und verwies darauf, dass diese Umstellung Hunderte von Milliarden Euro verschlingen werde. Und das, obwohl Diesel mit Abgasnachbehandlung konkurrenzfähig, ja umweltfreundlich seien. Elektro-Antrieb als emissionsfrei zu bezeichnen sei „Blinde-Kuh-Spielen“ ärgerte sich der Experte.

Die Batterie  und das überlastete Netz

CSU-Mann Ferber gab zu bedenken, dass die Batterie-Lebenszeit beim Bus fünf Jahre betrage. „Da bleiben viele Fragen offen“. Er plädierte für „Insellösungen“ und „Technologie-Neutralität“. Das gelte vor allem für Gas- und Wasserstoff-Antrieb. Dass Brüssel die klimaneutrale Busflotte in Augsburg, die seit Jahren mit Biomethan unterwegs ist, mit der Umweltschutzrichtlinie ausbremsen will, missfällt Ferber, und Professor Pütz warnte davor, dass bei einer maximalen Elektrifizierung das Netz zusammenbrechen werde.

Die Lounge im VIP-Shuttle von MAN Truck & Bus AG

Bus gegen Bahn

Kritisiert wurde auch der reduzierte Mehrwertsteuersatz für die Bahn. Natürlich habe man für den Bus eine Gleichstellung gefordert, erklärte RDA-Präsident Esser. Aber die Bahn habe „eher einen besonderen Status in der Politik“ und das, obwohl jeder zehnte Zug mit Atomstrom fahre „soweit ich weiß“. Auf jeden Fall habe der Bus die besseren Werte. Außerdem mache der Bus die Menschen mobil – auf dem Land und im Tourismus. Trotz aller Kritik ist Esser überzeugt davon, dass der Klimaschutz, der den Bus ins Rampenlicht brächte, eine „epochale Chance“ bietet. Noch habe der Bus ein Image-Problem. Aber das lasse sich mit neuen Ideen und Angeboten lösen. Der Bus, in dem die Pressekonferenz stattfand, ein VIP-Shuttle mit Lounge, Küche und Infotainment System zeigte, wohin die Reise in der Bustouristik gehen könnte.

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