Der Boom der Budgethotels

Sie sind eine junge expandierende Branche, die Budgethotels, die seit der Jahrtausendwende einen nahezu ungebremsten Aufschwung erleben, wobei die Grenzen zu Lifestyle-Hotels verwischen. Budget-Hotels – Boom ohne Ende? fragte die Touristische Runde und traf sich dazu im neuen Super 8 Munich City North. Hotel-Kennerin Maria Pütz-Willems moderierte die hochkarätig besetzte Runde und konstatierte gleich zu Anfang, dass es noch Luft nach oben gebe, denn in Deutschland hätten die Budget-Hotels gerade mal einen Anteil von zehn Prozent gemessen an der Zahl der Kettenhotels im gesamten Markt.

Super 8 beschreitet in Deutschland neue Wege

Das hörten die Referenten gerne, haben sie doch noch viel vor. So plant die mit 2600 Hotels weltweit größte Budgethotelmarke Super 8, die zur Hotelgruppe Wyndham Worldwide gehört und bislang vor allem in den USA und Kanada verbreitet ist, deutschlandweit weitere Standorte. Schon im April wird das dritte Super 8 in Freiburg eröffnet, es folgen Häuser in Hamburg, Mainz und Oberhausen. Exklusiver Franchisenehmer für die Marke ist die GS Star GmbH in Augsburg, Geschäftsführer Michael Bungardt stellte klar, dass die Häuser in Deutschland sich von denen in den USA deutlich abheben. „Ein Standard Super 8 wie in den Staaten ginge hier nicht.“ Statt dessen auffallendes Design in der großzügigen Lobby, im freundlichen Zimmer ein bequemes Bett unter einem riesigen München-Foto, ein 40-Zoll-Bildschirm und Wohlfühlatmosphäre im Bad durch Fußbodenheizung. Statt der sonst üblichen Bar hat man sich im Super 8 für deinen Coffee Shop entschieden, Kooperationspartner ist Dallmayr.

Bei Accor ist Ibis die Cashcow

Anders als Neuling Super 8 ist die Accor Hotelgroup schon lange auf dem deutschen Markt, auch mit ihrer Budget-Marke Ibis. Das erste Ibis in Frankreich eröffnete 1974, berichtete Eike Kraft, oberster PR-Mann der Accor-Hotels. Und bis heute ist das Economy-Segment mit über 50 Prozent des Umsatzes die „Cashcow“. In der Hotelgruppe werde gerne darüber gescherzt: „Ibis verdient, die anderen geben‘s aus.“ Allerdings habe die Konkurrenz dazu geführt, dass die Marke aufgehübscht wurde, räumt Kraft ein. Über 1000 Hotels der Marken ibis Budget, ibis Styles und ibis Standard gibt es weltweit, da sei die „Visibilität auf dem Markt“ wichtig. Mit ibis Styles und einem frischen Design hat der Zeitgeist auch beim Marktführer Einzug gehalten.

Motel One will noch wohnlicher werden

Design wird bei Motel One schon länger groß geschrieben und dafür verantwortlich ist Ursula Schelle-Müller, Ehefrau des Gründers und Chief Marketing Officer. Sie erinnerte daran, dass Design nicht von Anfang an Teil des Konzepts war. Im ersten Haus in Offenbach bei Frankfurt sei ein einfaches Konzept umgesetzt worden, angelehnt an die Accor-Tochter Etap (heute ibis Budget), der Zimmerpreis lag anfangs bei 35 Euro. 2006 kam die Wende: Mit der Farbe Türkis, Design-Möbeln, hohem Qualitätsanspruch und besten Lagen in den Innenstädten wurde Motel One zur Budget Design Marke und kreierte damit eine neue Hotelkategorie. Mittlerweile gibt es 55 Häuser mit 14.600 Zimmern in sieben Ländern. Doch, Zeit sich auf den Lorbeeren auszuruhen, gönnt man sich auch bei Motel One nicht.
Die Zimmer, so Ursula Schelle-Müller, werden noch wohnlicher, individueller und wertiger gestaltet. Neu sind beispielsweise Ledersessel der Manufaktur Freifrau, Tische von B&B Italia oder Safes. In den einladenden, multifunktionalen Lounges wird die Bar als optischer und kommunikativer Mittelpunkt inszeniert und – wie im Motel One nahe der Wiener Staatsoper, wo die Stühle auf Ballettschuhen stehen – werde mit individuellem Design lokale Geschichten erzählt.

Bei Cocoon erzählt jedes Hotel eine Geschichte

Gegen Ibis und Motel One ist die Cocoon Hotelgroup von Johannes Eckelmann mit gerade mal drei Hotels ein Winzling. Doch der Gründer ist selbstbewusst. „Bei uns erzählt jedes Hotel eine eigene Geschichte. Wer in einem Cocoon war, kann nicht sagen, dass er alle kennt.“ Um sich von anderen abzusetzen, holt Eckelmann zum Beispiel im neuen Cocoon am Münchner Hauptbahnhof die Berge ins Haus. An der Bar sitzen die Gäste auf Traktorsitzen, alte Milchkannen dienen als Lampen, und im Frühstücksbereich grasen dank einer Webcam Kühe auf der grünen Wiese.

prizeotels will kein „me-too-Produkt“ sein

Auch bei prizeotel geht es um Design, allerdings ganz anders als bei Cocoon. Gründer Marco Nussbaum hat dem Designer Karim Rasehid freie Hand für seine Vorstellungen gelassen. Herausgekommen sind poppig bunte Wände und amorphe Formen, die an die 1960iger Jahre erinnern und vor allem bei jungen Leuten gut anzukommen scheinen. So angesagt ist die noch junge Gruppe, dass sich Rezidor mit 49 Prozent eingekauft hat. Marco Nussbaum schaut entspannt in die Zukunft und plant fünf bis acht neue Häuser im Jahr. „Instagramig“ müssten sie sein, kein „Me-too-Produkt“, im Gegenteil: „Wir müssen uns immer wieder neu häuten.“ Denn die Konkurrenz käme nicht nur von den Hotels, sondern auch von AirBnB.

Von Sternen halten die Budgethotels wenig

Eine Tatsache, die wohl auch verantwortlich ist für die Aufrüstung im Budget-Segment. So verwischen die Grenzen zu den traditionellen Hotels immer mehr. Doch eine Auszeichnung mit Sternen halten die Referenten für veraltet.  „Auf der einen Seite haben wir zu viel, auf der anderen zu wenig“, sagte Ursula Schelle-Müller auf die Frage, warum Motel One nicht klassifiziert ist. „Wir haben die bessere Bettenqualität und Highspeed-Internet aber keinen zweiten Papierkorb“, zeigt sie die Problematik des traditionellen Kriterienkatalogs auf. „Zudem sind reale Gästebewertungen heute für eine Hotelentscheidung meist die bevorzugte Orientierung“.

Neuer Trend: Micro-Hotelzimmer

Während die Budget-Hotels nicht nur beim Komfort, sondern auch bei den Preisen nach oben streben, zeichnet sich bereits ein neuer Trend ab: Micro-Appartements bzw. Micro-Hotelzimmer. Johannes Eckelmann ist schon dabei – mit dem ersten Buddy Hotel, Motto „maximaler Komfort auf minimalem Raum“. Die Neun-Quadratmeter-Zimmer mit Nespresso-Maschine und iPod sind fast immer ausgebucht. Und schon haben andere Investoren aus Berlin Pläne, Hotels in Fertigbauweise auf Parkdecks zu setzen. Der Markt bleibt in Bewegung.

Im Internet:
Super 8: www.wyndhamhotelgroup.de/hotels/germany/munchen/super-8-munich-city-north/hotel-overview
Ibis:  www.ibis.com
Motel One:  www.motel-one.com
Cocoon: www.cocoon-hotels.de
prizeotel: www.prizeotel.com
Buddy Hotel: www.hotel-buddy.de 

 

 

 

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