Wo Goethe gerne abtauchte

Wiesbaden bietet mehr als Heil-Wasser
"Ganz gegen meine Gewohnheit stehe ich in Wiesbaden rechtzeitig auf. Ich möchte der erste im Bade sein," notierte der Dichterfürst in sein Tagebuch.

Der 65-jährige Goethe kam 1814/15 nach Wiesbaden, um im Thermalwasser zu baden. Sein Diener Stadelmann begleitete ihn und kaufte auch ein. Damals mussten sich die Kurgäste selbst versorgen. Doch der geheime Rat scheint sich trotzdem in Wiesbaden wohl gefühlt zu haben. In einem Haus in der Langgasse schrieb er nachts an einem offenem Fenster bei Kerzenschein am West-Östlichen Diwan.
Goethe ist nur einer unter vielen berühmten Namen, mit denen sich die
Kurstadt Wiesbaden schmücken kann. Richard Wagner, der eine Zeitlang in
der Stadt lebte, wollte eigentlich sein Festspielhaus hier errichten.
Weil aber keine Gelder flossen, ging der Komponist im Zorn. Fjodor
Dostojewski dagegen, selbst ein leidenschaftlicher Spieler, versuchte
in der Spielbank sein Glück.

Damals soll der Roulettekessel
nicht nur eine sondern zwei Nullen gehabt haben. Heute können schon
18-jährige gegen einen Eintritt von fünf Mark von drei Uhr nachmittags
bis drei Uhr nachts im schönen Jugendstil-Ambiente des ehemaligen
Weinsalons Black Jack, Roulette und an einarmigen Banditen spielen.

Das
alte Kurhaus, in dem Dostojewski zu Gast war, steht schon längst nicht
mehr. Auf Wunsch Kaiser Wilhelms II. baute Friedrich von Thiersch
1904-1907 für satte sechs Millionen Goldmark das neoklassizistische
neue Kurhaus mit einer Jugendstilkuppel. Zusammen mit der Kurhaus
Kolonnade und der Theater Kolonnade, mit 129 Metern Europas längste
Kolonnaden, bildet das Kurhaus eine hufeisenförmige Anlage, die das
"Bowling Green" umschließt, ein von Platanen eingefasstes Rasenviereck,
in dem zwei Kaskaden-Brunnen sprudeln. 20 000 jubelten hier Sting bei
seinem Open Air Konzert zu.

Wie andere Stadtteile auch ist das
Herz der hessischen Landeshauptstadt auf Wasser gebaut. Europas
heißeste Quellen unterspülen das Innenstadtgebiet. Der Kochbrunnen,
1366 erstmals als "Brühborn" erwähnt, führt 15 Quellen zusammen.
Die
66 Grad heiße Natrium-Chlorid-Therme ist die bekannteste Quelle der
Stadt und liefert rund 350 Liter Heilwasser pro Minute. Aus der
Versinterungsschicht gewannen die Römer einst ein Öl, das unter dem
Namen "Mattiakische Kugel" der Schönheit diente. Die Römerinnen
blondierten sich damit die Haare. Aquarum mattiacorum nannten sie die
Stadt, die Wasser der Mattiaker, nach einem germanischen Stamm, der
hier zu Hause war. Einhard, der Chronist Karls des Großen, schrieb im
Jahre 829 dann erstmals von "Wisibada".
Ob der Name daher kam, dass
die Menschen damals in den von Quellwasser überfluteten Wiesen badeten
oder doch eher von wissi (altdeutsch: heilend, wissend), darüber
streiten sich höchstens die Chronisten. Um das heilsame Wasser zu
genießen, muss man nicht Kurgast sein. In der wunderbar restaurierten
Kaiser-Friedrich-Therme lässt sich nicht nur im Thermalbad sondern auch
in der Saunawelt herrlich entspannen.

Heute ist die Kurstadt
Wiesbaden nicht nur ein Freiluftmuseum des Historismus mit
wunderschönen klassizistischen und vom Jugendstil geprägten Fassaden,
sondern eine lebendige City mit eleganten Geschäften und einer
gemütlichen Altstadt, die ­ ihrer eigenartigen Form wegen ­ das
"Schiffchen" genannt wird. Kleine Weinstuben, Restaurants, Boutiquen
reihen sich zwischen Goldgasse und Schlossplatz aneinander. Auf dem
Platz, eingerahmt von altem und neuem Rathaus sowie dem ehemaligen
Wohnsitz der Nassauer, heute Sitz des Hessischen Landtags, ist immer
etwas los. Gerade erst wurde etwa die "längste Weintheke Europas"
abgeräumt, die zum Weinfest gedeckt worden war.

Zusatzinfo:
Touristeninformation
65183 Wiesbaden, Markstr. 6, Tel. 0611/1729780, Fax -798, e-Mail:
tourist@wiesbaden.de, www.tourist.wiesbaden.de
Wagner ging im Zorn, Dostojewski spielte
Auf Wunsch Kaiser Wilhelms II. 1904 neu gebaut: das Wiesbadener Kurhaus mit seiner weithin sichtbaren Jugendstil-Kuppel.

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