Verwandlungskünstler: Martin Suters „Der Koch“

Ein echter Sutor mit würzigen Beilagen: Ein tamilischer Koch, eine lesbische Kellnerin, halbseidene Geschäfte, eine schöne Exotin, ein Mord und eine zarte Liebesgeschichte. Fast zu viel für einen einzigen Roman. Doch Sutor schafft es, das alles auf schlanken 308 Seiten unterzubringen samt Rezepten. Da ist Lesegenuss garantiert.

Dabei fängt alles gar nicht gut an – zumindest für Maravan, den Koch
aus Sri Lanka, der als Hilfskraft in einem Züricher Sternelokal weit
unter seinem Niveau arbeiten und sich fremdenfeindlicher Attacken der
lieben Kollegen erwehren muss. Als er aus nichtigen Gründen gefeuert
wird, überredet ihn seine Kollegin Andrea zu einem gemeinsamen Catering
„Love Food“ – sie war die erste, die sich von der Wirkung überzeugen
konnte. Und auch bei anderen Paaren funktionieren die aphrodisiaischen
Rezepte von Maravans Großmutter.
Maravans Liebesessen macht aber nicht nur Ehepaare und Verliebte
glücklich. Andrea hat eine andere Klientel im Auge, eine
zahlungskräftigere aber auch eine gefährlichere. Das bekommt vor allem
Maravan zu spüren, der ohnehin Magenschmerzen hat oder
Gewissensbisse, weil das alles nicht in sein Weltbild passt. Die
Quittung für das „unanständige Geschäft“ folgt auf dem Fuß…
„Ich möchte weitergehen. Das Verwandelte weiterverwandeln. Das Weiche,
zu dem das Harte verwandelt ist, in etwas Knuspriges. Oder in etwas
Schaumiges. Oder in etwas Schmelzendes. Verstehen Sie? Ich will – er
suchte nach den richtigen Worten – ich will aus dem Vertrauten etwas
Neues machen.“

So wie sein Koch verwandelt auch Martin Sutor die vertraute Welt der
Restaurants in etwas Neues – eine Bühne für Gesellschaftskritik. Suter
zeigt auf höchst unterhaltsame Weise, wie das Kleine mit dem Großen
zusammenhängt. Das macht ihm so schnell keine(r) nach.
Info: Martin Sutor, Der Koch, Diogenes, 308 S. , 21,90 Euro

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