Hotel Altstadt Vienna: Ein Zuhause außerhalb des eigenen Heims

Der Aufgang ist schmucklos, ein ganz normaler Hauseingang eben. Nur der rote Baldachin außen mit dem Schriftzug Hotel Altstadt Vienna weist darauf hin, dass dieses Patrizierhaus aus der Gründerzeit nahe dem Biedermeierviertel Spittelberg ein Hotel beherbergt. Und was für eines: Auf fünf Stockwerke verteilen sich die 42 individuell ausgestatteten Zimmer und Suiten, einige mit Dachgarten und spektakulärem Blick über die Dächer von Wien. Mittendrin die Privatwohnung einer ehemaligen Hausbesorgerin. Typisch Wien eben.

Eigentümer Otto Ernst Wiesenthal, Kosmopolit und Kunstmäzen, ein
kleiner Mann mit grauem Haar und Intellektuellen-Brille, hat sein Hotel
so eingerichtet, dass er sich selbst darin wohlfühlen würde. Großzügig
hat der Sammler die Räume mit Kunst ausgestattet, sorgfältig ausgesucht
sind die ausgefallenen Lichtobjekte. Biedermeiermöbel paaren sich in
den Suiten mit Designerstücken. Wer zu Fuß die Treppen hochsteigt statt
sich dem winzigen Aufzug anzuvertrauen, entdeckt einen echten Helnwein
an der Wand. Und Kunstwerke sind auch die Zimmer des italienischen
Stardesigners Matteo Thun, die mit Lüstern überm roten Bett an die Zeit
der Josephine Mutzenbacher erinnern. Zwei weitere Räume hat Wiesenthal
dem jungen Designer-Duo Polka anvertraut, das mit witzigen Details wie
Fadenvorhängen, einer Recamiere oder ineinander verschachtelten
Lampenschirmen eine ganz und gar unkitschige Wohnlichkeit geschaffen
hat.
Herz des Ganzen ist der „Rote Salon“ gleich neben der Rezeption mit
Kamin und kleiner Bar, wo der Hausherr selbst auch gerne mal zu finden
ist – bei Lesungen etwa, bei Weinverkostungen oder einfach nur bei
Gesprächen mit den Hausgästen, die aus aller Welt anreisen. Hier kann
man beim reichhaltigen Frühstück schon mal auf Harald Krassnitzer
stoßen, für den das Altstadt „einer der liebsten Plätze“ ist oder auf
Martina Gedeck, die von Tobias Moretti auf sein Lieblingshotel
aufmerksam gemacht wurde – und mir am Morgen mit dickem Schal gegenüber
saß.
90 von 100 möglichen Punkten erhielt das Viersterne-Hotel im Conde Nast
Magazin
für „ausgezeichneten Service, beste Lage und Design-orientierte
Ausstattung“. Doch Otto Ernst Wiesenthal ist noch längst nicht fertig. Im
September 2011 will er im Erdgeschoss eine Bar eröffnen. Die großen,
staubigen Schaufenster verkünden auf einem Plakat schon die Neuigkeit:
„The Hall – Projekt des Altstadt Vienna 2010“. Dann braucht man auch am
Abend das Haus in der Kirchgasse 41 nicht mehr zu verlassen – nicht mal
zum Kulturgenuss: Im Untergeschoss residiert seit 2006 ein
ambitioniertes kleines Theater. Hier hat das Bernhard Ensemble eine
Heimat gefunden.

Info: Hotel Altstadt Vienna, Kirchengasse 41, 1070 Wien, Tel.
0043/1/522 6666, E-Mail: hotel@altstadt.at, www.altstadt.at, DZ (mit
Frühstück und Nachmittagskaffee) ab 139 Euro, Matteo-Thun-Zimmer ab 169
Euro.

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