Tourismus mit Zukunft

Tourismus steht immer wieder in der Kritik, wenn es um Umwelt oder um Menschenwürde geht. Da ist die Rede von Umweltzerstörung, von Landschaftsversiegelung, gar von Vertreibung. Dass es auch anders geht, will der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung mit dem TO DO Award für sozialverantwortliche Projekte im Tourismus und mit dem To Do Award für Human Rights in Tourism zeigen. Mit den Preisen werden Menschen und Projekte ausgezeichnet, die für einen respektvollen Tourismus stehen, der die Umwelt schont und den Menschen in den Destinationen Teilhabe und ein würdevolles Leben ermöglicht – einen Tourismus mit Zukunft.

Preisträger in Ecuador und in Indien

Der Award für sozialverantwortlichen Tourismus geht zu gleichen Teilen an das Projekt „Community Tourism Yunguilla“ in Ecuador und an „Fernweh Fair Travel – Uplifting Communities“ in Indien.

Willkommen in  Yunguilla/ Foto: Comunidad Yunguilla

Community Tourism Yunguilla: Das Projekt in einer Nebelwald-Region in den Anden steht seit fast 30 Jahren für eine kontinuierliche Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen einer ganzen Dorfgemeinschaft durch touristische Angebote. Von Anfang an war der „verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen“ zum Kernanliegen erklärt. Den etwa 250 Ortsansässigen ist es in den zurückliegenden drei Jahrzehnten gelungen, den Raubbau an den umliegenden Wäldern zu stoppen und eine Aufforstung durchzuführen.

Destination für Ökotourismus

Hinzu kamen weitere Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und der Ressourcen, sodass sich das Gebiet inzwischen in eine attraktive Destination für Ökotourismus entwickelt hat. Darüber hinaus wurde sie Teil des Unesco-Biosphärenreservats „Chocó Andino de Pichincha“. Gäste können Exkursionen auf historischen Inka-Pfaden oder geführte Touren durch den Nebelwald unternehmen. Im Rahmen von Homestay-Programmen können sie in den Alltag der Dorfgemeinschaft eintauchen und den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen wertschätzen lernen.
Info: Comunidad Yunguilla, Rolando Collaguazo, E-Mail: corporacion@yunguilla.org.ec, www.yunguilla.org.ec/

Mittendring bei Fernweh Fair Travel /Foto: Fernweh Fair Travel

Fernweh Fair Travel – Uplifting Communities: Im indischen Bundesstaat Uttarakhand bietet Fernweh Fair Travel Reisen in den alpinen Vorbergen des Himalayas an, die von einer enormen Artenvielfalt in Flora und Fauna gekennzeichnet sind und verschiedene Schutzgebiete umfassen. Die Täler werden vor allem landwirtschaftlich genutzt. Die Gründerin von Fernweh Fair Travel stammt aus dieser traditionell geprägten Region, in der noch viel Armut und soziale Benachteiligung herrschen.

Lebensunterhalt durch Tourismus

Gründungsidee war, armen Menschen, vor allem alleinstehenden Frauen, Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen, durch die sie sich selbst versorgen können.  Der Überzeugungsprozess nahm einige Jahre in Anspruch, letztlich entschied die gesamte Region mit über die touristische Entwicklung. Kern des Angebots sind Homestay-Angebote für Einzelreisende und Gruppen. Mit einem Teil der Erlöse werden Schulen und gemeinschaftliche Projekte unterstützt. Inzwischen können mehr als 500 Personen, überwiegend Frauen, von den Einnahmen aus dem Tourismus ihren Lebensunterhalt bestreiten.
Info: Fernweh Fair Travel, Poonam Rawat-Hahne,E-Mail: info@fernweh-travel.com oder poonam@fernweh-travel.com, www.fernweh-travel.com/

Preisträger Michael Kajubi /Foto: McBern Foundation

Ein Herz für LGBTQIA+

Wie der TO DO Award sozialverträglicher Tourismus wird auch der TO DO Award Human Rights auf der Berliner Tourismusbörse ITB verliehen. Der Preis würdigt Initiativen, Projekte und Personen, die sich für die Einhaltung menschenrechtlicher Prinzipien im Tourismus einsetzen. Preisträger ist Michael Kajubi. Der Gründer der McBern Foundation in Uganda wird für sein Engagement für benachteiligte und verfolgte Bevölkerungsgruppen – insbesondere Jugendliche und ältere Menschen aus der LGBTQIA+-Community – ausgezeichnet.  Kajubi hatte 2013 den Reiseveranstalter McBern Tours & Travel gegründet, der Gästen aus aller Welt Zugang zu den Naturschönheiten des Landes ermöglichen will. Gleichzeitig sollen Arbeitsplätze und Schutzräume für ausgegrenzte Jugendliche und ältere Menschen geschaffen werden. Dazu hatte Kajubi eine Stiftung ins Leben gerufen, die sich u.a. aus den Erlösen seines Reiseunternehmens speist.

Probleme in Uganda

Uganda gehört weltweit zu den Staaten mit den schärfsten Gesetze gegen queere Menschen.  Der Anti-Homosexuality-Act von 2023 sieht in bestimmten Fällen sogar die Todesstrafe vor.  Claudia Mitteneder, Geschäftsführerin des Studienkreises für Tourismus, würdigt vor diesem Hintergrund das mutige Eintreten Kajubis für die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen. Mit seiner Unterstützung von benachteiligten Menschen – und gleichzeitig der Einladung an die LGBTQIA+-Community, sein Land trotz der unsicheren Lage zu bereisen, stehe er für die Werte einer humanistischen Gesellschaft.
Infohttps://mcberntours.com/personnel/michael-kajubi/

 

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