TODO!: Mehr Mitmenschlichkeit im Tourismus

Er ist der Vater aller Nachhaltigkeitspreise: Mit dem TO DO! werden alljährlich im Rahmen der ITB Tourismusprojekte prämiert, die auf herausragende Weise eine sozialverantwortliche Tourismusentwicklung umsetzen und ein Bewusstsein dafür wecken, wie wichtig es ist, die Bevölkerung vor Ort zu beteiligen. In der 20. Wettbewerbsrunde wurden Projekte aus zehn Ländern eingereicht, erstmalig auch aus Usbekistan.
Die drei gleichrangigen Gewinner des TO DO! 2014 kommen aus Costa Rica, Indien und Usbekistan. Und trotz aller Verschiedenheit haben sie eines gemeinsam: Auf beispielhafte Weise beteiligen sie die lokale Bevölkerung an einem nachhaltig praktizierten Tourismus, schaffen alternative Einkommensquellen und stärken das Bewusstsein für die eigene Kultur und Traditionen.
Costa Rica: ACTUAR ist die Vereinigung für ländlichen Gemeindetourismus in Costa Rica. Das Netzwerk besteht aus 33 im ganzen Land verstreuten Gemeinden, die ihre Tourismusprojekte gemeinsam vermarkten und somit für ihre Bewohner alternative Einkommensquellen schaffen. Der Reisende erlebt beim Besuch der bäuerlich geprägten oder indigenen Gemeinden ein authentisches Costa Rica mit seiner Kultur und Tradition und tritt in direkten Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. „Alle diese 33 Gemeinden liegen in Außenbezirken und wären allein gar nicht fähig, Tourismus zu generieren,“ begründet ACTUAR-Vorstandsmitglied Lillian Martinez Gonzales den Zusammenschluss. Gemeinsam wollten die Kooperationspartner dazu beitragen, das ländliche Leben zu stärken und für Touristen erfahrbar zu machen.
Info: www.actuarcostarica.com
Indien: Reality Tours & Travel organisiert Touren in die unterprivilegierten Stadtteile Mumbais, die Slums. Weil dabei die Bevölkerung eng eingebunden ist und ein wesentlicher Teil der Einnahmen den Bewohnern direkt zugutekommt, seien diese Touren alles andere als ein „Slum-Voyeurismus“, betont Manager Asim Shaikh. Bei den geführten Besuchen gehe es vor allem darum, die positiven Seiten des Lebens in den Slums aufzuzeigen, Vorurteile abzubauen und durch persönliche Begegnungen das Selbstwertgefühl der Slumbewohner zu stärken. Deshalb sei auch Fotografieren generell untersagt. Als eine Bestätigung des Projekts sieht Shaikh es, dass immer mehr Inder an diesen Touren teilnähmen.
Info: www.realitytoursandtravel.com
Usbekistan: Silk Road Destinations ist eine Reiseagentur in Usbekistan, die in dem abgelegenen Dorf Mitan ein gemeindebasiertes Projekt auf die Beine gestellt hat.
Grund dafür, so Geschäftsführer Ravshan Turakulov, sei nicht nur die schöne Landschaft rund um seinen Geburtsort, sondern auch die traditionelle Lebensart der Bewohner und ihre große Gastfreundschaft. So kämen die Gäste in direkten Kontakt mit den Familien und ihrer muslimisch geprägten Kultur und Tradition. Mitan, sagt Turakulov, hätte ohne das Projekt nie eine Chance gehabt, auf die touristische Landkarte Usbekistans zu kommen. Massentauglich sei das Projekt zwar nicht, aber es könne für andere kleine Orte beispielhaft sein, weil es den Dorfbewohnern ein zusätzliches Einkommen verschaffe und zur Verständigung zwischen Menschen mit unterschiedlichem sozialem und religiösem Hintergrund beitrage.
Info: www.silkroaddestinations.com
Der internationale Wettbewerb TODO!, veranstaltet vom Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e. V., hat eine ganze Reihe von Unterstützern: das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst, forum anders reisen e. V., ITB Berlin, Studiosus Reisen München. Dazu gehört auch die Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus, die auch die Preisgelder zur Verfügung stellt.

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