Nachlese von der ITB

Die Umtriebe des IS können die Reiselust ebenso wenig bremsen wie die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine. Auf der Berliner Tourismusbörse präsentierte sich die Reiseindustrie in glänzender Form. Das liegt auch an den sinkenden Energiepreisen, an der geringen Inflationsrate und den positiven Konjunkturaussichten für die Eurozone und Nordamerika. Auch die Deutschen sind so richtig in Urlaubslaune, haben sie doch nach positiven Tarifabschlüssen mehr Geld in der Tasche. Die sinkenden Lebenshaltungskosten und die Null-Zinspolitik motivieren überdies dazu, das Geld auszugeben – oft für eine Urlaubsreise. Und da gibt es einige Trends.

Großzügiger reisen: Laut den neuesten Zahlen der Reiseanalyse waren die Ausgaben für Urlaubsreisen (fünf Tage und länger) noch nie so hoch wie 2014. Sie stiegen gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf über 67 Milliarden. Dazu kommen die Ausgaben für Kurzurlaubsreisen von knapp 20 Milliarden. Mit 958 Euro pro Person und Reise haben die Deutschen so viel für Reisen ausgegeben wie nie zuvor. Und der Optimismus hält an. Die meisten Deutschen sind jetzt schon in Urlaubsstimmung. 55 Prozent haben feste Urlaubspläne, nur elf Prozent wollen gar nicht verreisen.

Mobil ist Trumpf: Smartphones machen es möglich: Immer mehr buchen ihre Reisen über mobile Endgeräte. Reisewebsites werden attraktiver, schneller und sind auch fürs Smartphone perfekt. Selbst im Hotel ist man mit dem mobilen Endgerät gut dran: Hotelschlüssel werden immer öfter durch Funktionen auf Smartphones ersetzt. Und natürlich gibt es immer mehr touristische Apps, die auch vor Ort bei der Orientierung helfen. Aktuellen Studien zufolge, die der Verband Internet Reisevertrieb e.V. (VIR) auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vorstellte, hatten die Urlauber 2014 bei 45 Prozent der Haupturlaubsreisen ihr Smartphone oder Tablet dabei und waren auch unterwegs online. Über 30 Prozent der Deutschen, die auf Reisen auf das mobile Internet zugreifen, gehen demnach mehrmals täglich ins Web oder sind sogar ständig online. Rund 84 Prozent aller Mobilnutzer im Urlaub rufen ihre E-Mails ab, über drei Viertel holen online Wetterinformationen und –vorhersagen ein und etwa 65 Prozent wollen auf Reisen auf Instant Messaging Dienste wie What’s App nicht verzichten.

Mehr Nachhaltigkeit: An Nachhaltigkeit führt kein Weg vorbei. Das zeigen die Ergebnisse einer Online-Befragung der mascontour GmbH in Kooperation mit der ITB, wobei flächendeckend deutsche Tourismusdestinationen zum Nachhaltigen Tourismus untersucht wurden. 86 Prozent der befragten Tourismusdestinationen sind davon überzeugt, dass nachhaltiger Tourismus in den kommenden fünf Jahren an Bedeutung gewinnen wird. Dabei wird der Politik die Hauptverantwortung zugeschrieben.
Die Tourismusdestinationen selbst konzentrieren sich derzeit vor allem auf den Erhalt und die Förderung von Traditionen, Brauchtum und kultureller Identität sowie den Schutz und die verantwortungsvolle Nutzung kultureller Sehenswürdigkeiten und Attraktionen. Die Befragten messen der Einführung von verbindlichen Umwelt- und Sozialstandards im Tourismus mehr Bedeutung bei als freiwilligen Standards. Zertifizierungen halten sie für durchaus wichtig, aber nicht für erstrangig. Wichtig sind Bildung und Qualifizierung aber auch die Finanzierung. Eine klare Absage erteilen sie der Einführung von Abgaben und Gebühren für die Gäste zur Finanzierung von nachhaltigem Tourismus. Mehr Infos unter www.mascontour.info/befragung

Deutschland boomt: Das liebste Urlaubsland der Deutschen ist und bleibt Deutschland, wo Bayern und Mecklenburg-Vorpommern um die höchste Gunst der Urlauber rangeln. Mit 75,6 Millionen Übernachtungen kann das Land ein Plus von drei Prozent verbuchen, bei den Ausländern sind es sogar fünf Prozent. Im europäischen Wettbewerb hat Deutschland seinen zweiten Platz hinter Spanien und vor Frankreich nicht nur verteidigt, sondern noch ausgebaut. Der wichtigste Quellmarkt, betonte die Vorstandsvorsitzende Petra Hedorfer, bleibe Europa, allen voran die Niederlande, gefolgt von der Schweiz und Großbritannien. Immerhin blieben 80 Prozent aller europäischen Reisenden innerhalb der europäischen Grenzen. Erfreulich findet Hedorfer den Zuwachs von zwölf Prozent bei längeren Reisen und die Tatsache, dass auch immer mehr jüngere Gäste in Deutschland reisen.

Bayern königlich: Das Wappenzeichen Bayerns kennt jeder. Dass die weiß-blauen Rauten aber auf die Grafen von Bogen zurückzuführen sind und von den Wittelsbachern übernommen wurden, wissen nur wenige Urlauber. Das prägnante Stammwappen aus dem 13. Jahrhundert ist nur eines von vielen Relikten aus der historischen Blütezeit. Wie ein roter Faden zieht sich das blaublütige Erbe durch das weiß-blaue Ferienland. Und das sollen Urlauber künftig noch besser erleben können –unter dem Motto „Herrschaftliches Bayern“. Erben von namhaften Adelsgeschlechern öffnen ihre Anwesen für Besucher und machen es möglich, dass Urlauber im festlichen Rittersaal edel speisen oder in einer feudalen Unterkunft residieren können. Begegnungen mit Blaublütigen Gastgebern, die heutzutage noch Brauereien oder Handwerksmanufakturen führen, sollen das „Herrschaftliche Bayern“ zum einzigartigen Erlebnis machen. Mehr Infos unter www.bayern.by

Griechenland auf Rekordkurs: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen in Griechenland ist ausgesetzt. Finanzminister Yanis Varoufakis will es bei sechs Prozent belassen und dafür sorgen, dass der Tourismusboom trotz der Krise mit der EU anhält. Mit einem Buchungsplus von knapp 13 Prozent ist Griechenland auf Rekordkurs. Denn schon 2014 sind die Besucherzahlen nach oben geschnellt, wobei die Deutschen mit 2,5 Millionen eine wichtige Rolle spielten. Mit Einnahmen aus dem Tourismus von 13,4 Milliarden Euro ist der Tourismus für das immer noch von der Staatspleite bedrohte Land ein wichtiger Faktor.

Eurowings mit Kampfpreisen: Mit Eurowings geht die Lufthansa-Gruppe unter die Billigflieger. Auf der ITB stellte Karl Ulrich Garnadt nicht nur das neue Konzept vor, sondern auch gleich noch die Kampfpreise, die den Markteintritt bewerben sollen. Ab 99,99 Euro geht es beispielsweise im Winterflugplan nach Dubai, ab 229,99 nach Punta Cana und Bangkok ist für unter 200 Euro oneway erreichbar – ab Köln/Bonn, der Basis von Eurowings. Mit Eurowings will Lufthansa „neue Wege gehen, um Wachstum zu realisieren”. Die Airline reagiert damit auf das veränderte Kundenverhalten und ein verändertes Wettwerbsumfeld vor allem in der Golfregion. Eurowings soll das Point-to-Point-Konzept auf die Langstrecke übertragen und mit den Erfahrungen von Germanwings „Qualitätsführer” im Preiswertsegment werden.

Indonesien wird maritim: Indonesien, der mit über 13 000 Inseln weltgrößte Inselstaat, hat 2014 einen Besucherrekord verzeichnet und die Einnahmen aus dem Tourismus auf 10,69 Milliarden US-Dollar gesteigert. Auch in diesem Jahr rechnet das im letzten Jahr etablierte Tourismusministerium mit steigenden Einreisezahlen. Angestrebt werden mindestens zehn Millionen internationale Touristen sowie Deviseneinnahmen von 12,05 Milliarden US-Dollar. Tourismusminister Arief Yahya hat sich für seine Amtszeit ambitionierte Ziele gesetzt: Er möchte die internationalen Gäste in seiner Amtszeit bis 2019 von 9,43 Millionen auf 20 Millionen verdoppeln, im Travel and Tourism Competiveness Index des World Economic Forums von Rang 70 auf 30 aufsteigen und den Beitrag des Tourismus zur indonesischen Wirtschaft von acht auf zwölf Prozent erhöhen. Im Vordergrund steht dabei der maritime Tourismus mit Kreuzfahrten aber auch mit Aktivitäten wie Tauchen, Segeln oder Surfen. Wobei auch unbekanntere Ziele wie die Komodo-Inseln im Fokus stehen. Mehr Infos unter www.tourismus-indonesien.com

Noch eine Nachlese:  Über freundliche Menschen aus aller Welt, die größten Ärgernisse und schönsten Überraschungen berichtet Kollege Horst Schwartz auf www.schwartzaufweiss.wordpress.com

 

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