In letzter Minute: Bildbände für den Gabentisch

Nur noch ein paar Tage bis Weihnachten.  Jetzt wird’s Zeit für die allerletzten Geschenke. Mit den folgenden Bildbänden können Sie eigentlich nichts falsch machen. Es sei denn, Sie beglücken den Seefahrer mit einem Dolomitenbuch, den Bergsteiger mit der Poesie des Meeres und den Computerfreak mit den alten Bildern aus der Alb.

Dolomiten mal zwei: Die Dolomiten faszinieren nicht erst seit sie
Weltnaturerbe
sind. Die zerklüfteten Felsen des einstmaligen
Korallenriffs sind auch nicht nur für Reinhold Messner die schönsten
Berge der Welt. Aber der Ausnahmebergsteiger und Philosoph der
Grenzgänge hat in dem dicken Bildband „Dolomiten – Weltnaturerbe“ (BLV,
285 S., 49,95 Euro, ISBN 978-3517086019) eine sehr persönliche Hommage
an seine geliebten Berge geschrieben, in der man auch lesen kann, dass
die Dolomiten für den inzwischen 66-jährigen Messner „von Jahr zu Jahr
höher und steiler werden“. Und Messner geht auf Spurensuche zurück bis
in die Zeit seines Großvaters. Zwischen traumverlorenen Bildern aus
einem Reich der Mythen – die Dolomiten sind ja auch Heimat von
unzähligen Sagen und Legenden – kommen Dante und Oswald von Wolkenstein
zu Wort, Ulrich Ladurner schreibt über den Dolomitenkrieg, Ursula
Demeter
über Künstler in den Dolomiten und die englische Autorin Amelia
B. Edwards
über ihre Erfahrungen 1872 in den Dolomiten.
Auch wenn die Dolomiten längst zum Spielplatz für Bergsteiger und
Skifahrer geworden sind, haben sie bis heute ihren ganz eigenen
Charakter bewahrt. Dem Schweizer Landschaftsfotografen Ulrich Ackermann
ist es gelungen, in seinen hochformatigen Fotos genau diesen Charakter
zu erfassen mit all den Ecken und Kanten, mit den Schrunden und Narben,
mit den tiefen Schatten und den dunklen Seen, im Schneemantel und vom
Sonnenlicht übergossen. So nahe kommen dem Betrachter diese Berge, dass
er sie kaum wieder erkennt. Es ist eine Welt, in der die Menschen nur
Spuren hinterlassen haben – in Form von Almen, Bergstraßen oder
Liftstützen. Die Rolle der Menschen darin beschreibt Ingrid Rungaldier
Moroder
(Ulrich Ackermann, Dolomiten Vertikal, Tyrolia, 111 S., 29,95
Euro, ISBN 978-3702230852)

Kanadische Vielfalt: Was Kanada an Geschichte fehlt, das macht es mit
seinen Landschaften wett. So unberührt, fern von jeder Zivilisation wie
im Norden des riesigen Landes ist die Welt höchstens noch in den Wüsten
Afrikas. Dabei haben wir, wie Autor Karl Teuschl weiß, Kanada auch
einige Dinge zu verdanken, ohne die unser Alltag ärmer wäre, das Telefon
etwa oder die Waschmaschine, auch den Reißverschluss oder die
Einteilung der Welt in Zeitzonen. Und dann die Städte wie Montreal oder
Vancouver
mit ihrem gelebten Multikulti. Teuschl, längst Wahlkanadier,
beschreibt seine zweite Heimat so kenntnisreich und liebevoll, dass man
gerne mal mit ihm tauschen würde. Fotograf Karlheinz Raach steuert dazu
einladende Bilder bei, die mit der Vielfalt des Landes Schritt halten,
auch wenn sie manchmal farbig etwas überzeichnet wirken: Vom Karneval in
Quebec bis zu den Goldgräberhütten am Yukon, vom farbensatten Indian
Summer
zum Gletscherweiß, vom Hundeschlitten bis zur Schmalspurbahn und
von First Nations bis zu den Mennoniten (Karl Teuschl/Karlheinz Raach,
Kanada, Stürtz, 224S., 49,95 Euro, ISBN 978-3800317028).

Meeresrauschen: Das Meer in seiner Unergründlichkeit, seiner Weite und
auch seiner Ungezähmtheit hat schon immer die Menschen angezogen und
abgestoßen. Unzählige Dichter haben sich mit dem Meer, aus dem alles
Leben kommt, beschäftigt – und mit dem, was es für die Menschen
bedeutet. In „Poesie des Meeres“ (Edition Maritim, 287 S., 19,90 Euro,
ISBN 978-3892256373) hat Nathalie Couilloud zusammengestellt, wie sich
Autoren von Homer bis Joseph Conrad, von Brecht bis Poe, von Stevenson
bis Proust und von Rabelais bis Rimbaud mit der Faszination und dem
Schrecken des Meers auseinander gesetzt haben. Auch in diesen Texten
spiegelt sich der Gegensatz zwischen solchen, die das Meer lieben und
jenen, die es fürchten: „Du freier Mensch, das Meer liebst du für alle
Zeit “, schrieb Baudelaire, bei Ringelnatz aber heißt es: „Herzlos ist
die See und sind ihre Wetter.“ Dass das Meer trotz seiner
Launenhaftigkeit immer auch fasziniert, zeigt dieses Buch in vielen,
lesenswerten Texten und unterschiedlichsten Bildern.

Zeitreise: Schon mit dem Vorgängerbuch „Steine im Brot“ hat Eberhard
Neubronner
dazu eingeladen, eine Zeitreise im Ländle zu machen. Das
Büchlein stellt Fotografien von 1850 bis 1950 vor, die dokumentieren,
wie die Menschen in dieser Zeit auf der Alb lebten. Jetzt hat Neubronner
nachgelegt mit „Nägel am Schuh“(Silberburg Verlag, 159 S., 24,90 Euro,
ISBN 978-3874078900) und Fotografien von 1890 bis 1950 – ein Abgesang
auf eine Zeit, in der das Leben noch in Balance war. Die
Schwarz-Weiß-Fotografien erinnern in ihrer oft strengen Komposition ein
bisschen an Michael Hanekes Film „Das weiße Band“. Aber auf den
Aufnahmen im Buch lächeln die Menschen, dieser Unterschied ist
Neubronner wichtig, auch wenn er die alte Zeit nicht nostalgisch
verklären will. In seinen ausführlichen Bildunterschriften können die
Betrachter Bekanntschaft mit den abgebildeten Menschen machen und
Parallelen zum eigenen Alltag ziehen. Das macht sich besonders gut in
der mollig warmen Stube, von der manche Kleinbauern nur träumen konnten…
 

Ein Kommentare
  • Simone
    Dezember 15, 2010

    Richtig toll ist auch der Bildband „Die Erde von oben“ von Yann Arthus-Bertrand. Die Luftbilder sind beeindruckend, teilweise auch erschreckend und regen zum Nachdenken an. Dieses Jahr ist die Jubiläumsausgabe erschienen. Nicht ganz günstig, aber es lohnt sich.

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