Dolomiti Superski: Eine runde Sache

Seit 30 Jahren dreht sich das Ski-Karussell in den „schönsten Bergen“ der Welt. Zwölf Talschaften aus Südtirol, dem Trentino und Venetien haben sich zu der zukunftsweisende, grenzenlosen Kooperation zusammengetan und der Erfolg hat andere dazu gebracht, es ihnen nachzumachen. Aber bislang ist das Original unerreicht. Leise rieselt der Schnee. Im gelben Licht der Scheinwerfer tanzen die Flocken. Der Motorschlitten mit Anhänger gräbt eine einsame Spur in die weiße Schneedecke. Der Fahrer beschleunigt, und das Gefährt schießt durch die nächste Kurve, bestäubt die Bäume am Wegrand, braust an in weiße Watte verpackten Hütten vorbei. Am Horizont funkelt eine Lichterkette. Sie verheißt Wärme, Heimeligkeit: Die Fuciade Hütte.
Ein schwarzer Neufundländer wälzt sich im frischen Schnee vor der Tür. Drinnen knistert die Wärme, Kissen auf hellem Holz, einladend gedeckte Tische, Bilder an den Wänden, eine kleine Sammlung alter Dinge hinter Glas. Ein Stübchen, in dem ein Pärchen sich über Rotweingläser tief in die Augen schaut. Was könnte romantischer sein als ein genussvoller Abend in dieser Hütte mitten in der weißen Einsamkeit? Es sind Hütten wie diese, die das Skifahren in den Tälern und auf den Bergen von Dolomiti Superski zum Hoch-Genuss machen.
Zwölf Talschaften in Südtirol, Trentino und Venetien haben sich zu dem Ski-Karussell zusammengeschlossen, das sich um die „schönsten Berge der Welt” (Reinhold Messner), die Dolomiten, dreht. Eine Erfolgsgeschichte seit 30 Jahren. Und das, obwohl der Winter in letzter Zeit ein launischer Geselle ist. Mal wirft er geradezu verschwenderisch mit lockerem Pulverschnee um sich, dann wieder geizt er mit den weißen Flocken. Doch die Macher von Dolomiti Superski haben gelernt, mit ihm umzugehen. Sie sind Weltmeister im Schneemachen ­ und in der Pistenpflege. Und so kommt es, dass auch in schneearmen Wintern die Sonne auf makellose weiße Abfahrten scheint. Kein Steinchen, keine braune Stelle. Soviel Perfektion kostet: 500\x0e000 ¤ für die Bereitstellung der Beschneiung von einem Pistenkilometer, zwei bis drei Euro für einen Kubikmeter Schnee. 15 Prozent der Investitionen gehen in die weiße Pracht. 90 bis 100 Prozent der Pisten können beschneit werden.
Zum Beispiel Trevalli am Passo Pellegrino, wo zu Füßen der wild zerklüfteten Pala-Gruppe die Skitour dell Amore lockt. Zwölf Kilometer lang ist die Abfahrt vom Gipfel des Col Margherita hinunter nach Falcade, eingerahmt von den Wäldern des Naturparks der Dolomiten. Verliebte können bei entspanntem Schwingen auf der sanft geneigten Piste den Blick auf die Bergriesen genießen. Und wer nicht verliebt ist, der ist es hinterher ­ verliebt in ein zauberhaftes Skigebiet. 27 Lifte erschließen 100 Pisten verschiedenster Schwierigkeitsgrade. Zu den sechs schwarzen Abfahrten gehört auch die Direttissima an der Alpe Lusia oder die Piavac, die selbst Könnern den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Bei der Auffahrt mit dem bequemen Sessellift auf die Hochebene erscheint die schroffe Pala-Gruppe wie im Imax-Kino, so als ziehe sie ein unsichtbarer Regisseur in Breitwand hoch. Das erst drei Jahre alte Chalet Valbona überrascht mit raffinierten Schmankerln und guten Weinen. Wer allerdings die Abfahrt nach Moena machen will, sollte nüchtern bleiben. Die Pisten sind berauschend genug.
Einfach ist der Einstieg in die Liftanlagen des Ski-Karussells dank der neuen berührungslosen und pfandfreien Chipcard. Neun Millionen Euro haben die 138 Liftbetreiber von Dolomiti Superski für die Ausweise investiert, die praktisch alle Schranken in dem grenzenlosen Gebiet öffnen.
Zum Beispiel Skicenter Latemar-Obereggen. Von Predazzo aus gondelt man gemütlich hinauf zur Gardone-Hütte und steigt dann ein in den Skizirkus, in dem 17 Lifte surren bis unters felsige Reich des Zwergenkönigs Laurin. 41 Kilometer Abfahrten garantieren grenzenloses Skivergnügen zwischen Trentino und Südtirol. Noch fährt der alte Tellerlift hinauf zur kahlen, windigen Hochebene des Zanggen. Doch im nächsten Winter soll ein Sessellift mehr Skifahrer auf den Aussichtsberg mit den glatt gebügelten Steilhängen transportieren. Von oben schweift der Blick ungehindert bis zum Horizont, vor dem sich die weißen Alpengipfel stapeln. Drunten wagen Snowboarder tollkühne Sprünge im neuen Fun-Park. Und Hütten wie die traditionsreiche Meierlalm vereinen das Beste der italienischen und der Südtiroler Küche. Die Tris von Nudeln etwa zergeht auf der Zunge.
Auf Sterne-Niveau verwöhnen die Brüder Massimo und Paolo Donei seit 13 Jahren ihre Gäste im Restaurant Malga Panna außerhalb von Moena. Was einmal eine Alm war, ist heute ein Genießer-Tempel, wo im noblen Ambiente überraschende Kombinationen auf den Tisch kommen wie breite Nudeln mit Steinpilzen, Gambas und Kabeljau. Das Eissoufflé mit Waldfrüchten macht süchtig.
Malga Ces heißt die rustikale Hütte im Skigebiet von San Martino di Castrozzo und mitten im Naturpark Paneveggio. Die Familie Scalet legt Wert auf bodenständige Küche mit frischen Zutaten und feinen Details wie denfunghi porcini, den Steinpilzen, in der Kartoffelsuppe. Von der Terrasse fällt der Blick auf die senkrechten Wände der Pala-Gruppe, die das Tal dominieren. Bis hinüber zur majestätischen Marmolada sieht man von der Bergstation der Gondelbahn auf der Alpe Tognola mit ihren weitläufigen, sanften, perfekt präparierten Pisten inmitten eines fantastischen Dolomitenpanoramas. Hier oben surren einige Sessellifte, die nicht ganz dem neuesten Standard entsprechen: Im Naturpark sind Erneuerungen nicht einfach und Erweiterungen fast Utopie. Dennoch hofft man auf einen Verbindungslift zum Rolle-Pass, der das Almenkarussell von San Martino mit seinen elf Aufstiegsanlagen und 45 Kilometer Abfahrten um sechs Lifte vergrößern würde. Doch die schönste und steilste Abfahrt liegt im Herzen des Skigebiets und führt von der Cima Tognola rasant zu Tal.
Nach so viel sportlicher Herausforderung tut Entspannung gut. Wellness wird auch in Italien groß geschrieben. Im Hotel Garden in Moena beispielsweise, wo ein Schokoladenguss die müden Glieder wohlig wärmen soll. Wer lieber in der Sauna schwitzt oder im Dampfbad, muss die Badehose einpacken ­ und für den Pool auch noch die Bademütze. Da sind die Italiener eigen.
Draußen hat es aufgehört zu schneien. Ein halber Mond steht über den Zacken des Latemar. Die Eisskulptur im Avisio glitzert im Licht der Straßenlampen. Im Restaurant Tyrol ist der Tisch schon gedeckt. Die Versuchung zum Schlemmen ist einfach zu groß.

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