Blogs: Geld verdienen mit dem Web

Er ist
Journalist und als Blogger einer der erfolgreichen. Franz Neumeier
(„Cruisetricks“) ließ in Bad Kissingen die Kollegen von der VDRJ  in seine Karten schauen.
Dass es „um die Entwicklung einer eigenen Marke“ gehe, macht er klar, um den
Aufbau von „Reputation und Bekanntheit“, aber auch um den Nachweis von
Kompetenz, um die Präsentation von Inhalten. Und auch darum, über den eigenen
Inhalt selbst verfügen zu können („own your content“). Denn damit, so Neumeier,
läge das Erstverwertungsrecht beim Autor.
Für
Journalisten bedeutet Bloggen eine Umstellung. Plötzlich steht der Autor im
Focus, wird im Web sichtbar – zur „Marke“. „Die Leute wollen mich lesen“, hat
Neumeier erfahren, der mit seinem Expertenwissen zur Kreuzfahrt zum gesuchten
Interviewpartner wurde. Texte aus seinem Blog hat er gebündelt als Buch im
Eigenverlag herausgegeben und auch damit Geld verdient. Auch für Zeitungen und
Zeitschriften stellt der Journalist seine Texte zur Verfügung – gegen
Bezahlung. Nur hin und wieder („drei bis vier Mal im Jahr“) gibt er Texte
gratis an große Web-Anbieter, die ihm im Gegenzug wertvolle Links verschaffen.
„Und die sind mehr wert als mögliche Zeilengelder“, erklärt er.
Neumeiers
Geschäftsmodell basiert auf der Positionierung in der Nische, sie baut auf
Qualität auf und der Betonung der individuellen Stärken, also seines
Expertenwissens. Sein Erfolg kommt im Gegensatz zu anderen Blogs nicht aus
„Massentraffic und optimierter TKP“. Denn, davon ist der Journalist überzeugt,
„das klassische Online-Business-Modell funktioniert für Journalisten nicht“.
Wer nur auf die Optimierung von Suchmaschinen (SEO) achtet, läuft Gefahr,
Qualität und Glaubwürdigkeit zu vernachlässigen.
Für
Neumeier ist sein journalistisch anspruchsvolles Blog deshalb nur die Basis für
andere Einnahmemöglichkeiten. „Das Ziel kann nicht sein, ausschließlich mit
online den Lebensunterhalt zu verdienen. Das können andere besser.“ Trotzdem
ermuntert er die Kollegen, sich an ein eigenes Blog zu wagen, auch um das
eigene Profil zu schärfen „nach innen und nach außen“. Bewusst sein müsse man
sich allerdings der Tatsache, dass die Konkurrenz groß ist. Nicht nur durch
private Blogger, sondern auch durch bloggende Reisebüros und Reiseunternehmen,
aber auch durch Trittbrett fahrende SEO/Affiliate Marketeers und andere
bloggende Journalisten.
Für sich
und sein Blog „Cruisetricks“ hat Neumeier daraus die Lehren gezogen, dass er
die Themen tief und detailreich recherchiert, auf Subjektivität verzichtet und
sich intensiv Spezialthemen widmet. Dazu kommen hochwertige Bildergalerien,
Podcasts und Panorama-Bilder. Mit seiner Content-Strategie, die sowohl Aufträge
als auch Traffic generiere, kommt Neumeier auf 300 000 Seitenzugriffe und 1200
Euro Einnahmen im Monat (über google adsense Anzeigen, eine Kooperation mit dem
Reisenetzwerk von DuMont „4trips“, direkte Anzeigenkunden und Kooperationen,
Amazon-Provisionen und VG Wort). All das bedarf einer ständigen Pflege, auch um
nicht zum Opfer von „Trollen und Hackern“ zu werden. Als Lohn der Mühe sieht
Neumeier einen „langfristigen Wert-Aufbau“, seine Sichtbarkeit als Spezialist
und die Tatsache, dass er als Autor seine eigenen Leser mitbringe.
An die
Kollegen appelliert er, sich auch von Software-Problemen nicht abschrecken zu
lassen („Die Technik ist kein Zauberwerk“) und darauf zu vertrauen, in der
Praxis dazuzulernen. 

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