Reisen Frauen anders?

 „Reisen Frauen anders?“ fragte die Touristische Runde München am 1. April. Und die Antwort könnte fast auch ein  Aprilscherz sein: Ja und nein, sagten die Experten. Einig aber waren sie sich darin, dass Frauen immer mehr über die Urlaubsinhalte entscheiden – auch wenn sie mit Mann verreisen.
In ihrer Eingangspräsentation weist Gisela Sökeland, Geschäftsführerin von Thomas Cook Reisen auf die größeren und kleineren Unterschiede bei Männer- und Fraueninteressen hin. Während Frauen im Urlaub gern mit Kindern spielen und etwas für ihre Gesundheit und Schönheit tun wollen, wollen Männer vor allem unterwegs sein und viel erleben, wobei sie durchaus auch an Flirten und Erotik denken. Weil nun aber der Anteil der Frauen in unserer alternden Gesellschaft überproportional ansteige, so Sökeland, müsse die Branche Frauen auch beim Reisen als „Megatrend“ begreifen.

Dazu zitiert sie sechs Gründe, die Trendforscher Matthias Horx zusammengestellt hat: Frauen lösen sich aus alten Rollenbildern und entwickeln ein neues Selbstbewusstsein. Sie hängen in der Bildung die Männer ab und fühlen sich als Multitasker fähig, Kinder, Karriere und Partnerschaft zu bewältigen. Im Konsum haben die Frauen die Nase vorn, sie erobern auch klassische Männerdomänen wie Technik und Baumärkte und sie verlieren bei all den Herausforderungen die Arbeit am eigenen Ich nicht aus den Augen.
Beruflich hoch qualifiziert, selbstbewusst und mit einem gehörigen Schuss Egoismus, nehme frau ihr Lebensglück selbst in die Hand, fasst  Sökeland zusammen. Nicht mehr Statussymbole und Prestigeobjekte seien wichtig, sondern authentische Produkte und Angebote zur Steigerung des Wohlbefindens und der Lebensqualität. Dazu gehöre natürlich auch das Reisen, ist die Reisefachfrau überzeugt.
Peter Zimmer, Geschäftsführer der Umwelt-, Tourismus- und Regionalberatung Futour, räumt ein, dass Frauen auf Reisen Wert auf Sinnlichkeit, Sicherheit und Service legten, dass sie persönliche Ansprache und gesicherte Privatsphäre bevorzugten. Aber das, so der Fachmann, „wollen wir Männer alles auch“.
Gitta Brückmann, General Managerin des Münchner Marriott-Hotels, kann dem Tourismusberater nur zustimmen. Heute wollten Frauen auf Geschäftsreisen „keine Extrawurst“ wie Blumen auf dem Zimmer. Vor 15 Jahren, als Frauen gerade in die Management-Ebene aufrückten, sei das noch anders gewesen. „Damals haben wir viel Gas gegeben.“ Badezimmer wurden extra für Frauen mit Schminkspiegel und großem Duschgel ausgestattet, ein runder Tisch im Restaurant wurde für allein reisende Geschäftsfrauen konzipiert – und nie angenommen, so Brückmann.  Im Gegensatz dazu seien „Girls‘ packages“ im Freizeitbereich ein großer Erfolg. Wenn etwa ein London-Aufenthalt mit dem Besuch einer Tanzschule verbunden sei oder ein Paris-Wochenende mit einem Limousinen-Service fürs Shopping.
„Frauen haben klare Vorstellungen“, ist Silvia Mittelberger, Spa-Managerin im Golf- und Spa-Resort Adler Dolomiti überzeugt. „Sie wollen sich Gutes tun, Erfolg haben.“ Auch wenn die Männer im Spa-Bereich aufholten, bleibe das Körper- und Gesundheitsbewusstsein eine Domäne der Frauen
„Wir sind da schon gut aufgestellt“, freut sich Dr. Martin Spantig, Leiter Produktmanagement von Bayern Tourismus Marketing. Schließlich formten bei BayTM vor allem die Frauen das Angebot.  Von Sightsleeping Hotels, den Domizilen für Augenmenschen, oder WellVital fühlten sich denn auch vor allem Frauen angesprochen. „Frauen schauen genauer hin“, ist Spantig überzeugt. „Sie lassen sich nicht von intransparenten Schnäppchen täuschen.“
Glaubwürdigkeit und Authentizität seien gefragt. Das könne sich durch alle Bereiche im Urlaub ziehen, von der Küche bis ins Spa. In Bayern etwa werben immer mehr Hotels damit, dass im Restaurant regionale Produkte frisch auf den Tisch kommen. Auch bei Spa-Produkten werde immer mehr auf die Region geachtet etwa nach dem Motto Heublumenbad statt Stirnguss. Im Adler Dolomiti, so Spa-Managerin Mittelberger, komme die neue Produktlinie aus Edelweiß- und Himbeerextrakten gut an, während im Schwesterhotel in der Toskana Weintrauben und Olivenöl als Grundlagen dienten. Vor allem die weiblichen Kunden schätzten die regionale „Echtheit“.
 Peter Zimmer bringt die Lohas ins Spiel, eine Zielgruppe, die in ihrem Lebensstil Wert auf Gesundheit und Nachhaltigkeit (lifestyle of health and sustainability) legt. Auch da seien die Frauen federführend und machten die Angebote „weiblicher“.“ „Glaubwürdig“,  „ursprünglich“, „ehrlich“ sind die gewünschten Eigenschaften. Man wolle mit gutem Gewissen konsumieren.
Trotzdem sei dies keine grüne Bewegung, will Gisela Sökeland klar gestellt wissen. Im Vordergrund stehe der Genuss. Für die Reisebranche heiße das, die – zunehmend weiblichen – Kunden wollten noch mehr erleben, deshalb gebe es bei Thomas Cook  Angebote zum „bewusst genießen“, „kultiviert entdecken“ oder „aktiv erleben“.  Wie für Diana Jaffé, die Autorin des Buches „Der Kunde ist weiblich“ sind für die Thomas-Cook-Chefin Produkte, die mit einem Blick für die Bedürfnisse von Frauen entwickelt werden, die besseren Produkte – für Frauen und Männer.
Schließlich ermuntert Peter Zimmer die Branche, von speziellen Frauenreise-Veranstaltern und auch von Lesben-Reisen zu lernen. „Da wird’s auf den Punkt gebracht.“

2 Kommentare
  • Britta
    Februar 27, 2011

    Schade, dass unser Trackback nicht anzukommen scheint. Siehe Eintrag unter Homepage. Gibt es irgendein Problem hier oder liegt das an uns?

  • www.reise-berichte-24.de
    Dezember 17, 2011

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