Zu Reise noch ein Mountainbike

Ryanair-Chef
Michael Leary provoziert gerne die Branche mit flotten Sprüchen. Dass
die Zukunft den Gratisflügen gehört, ist so ein Spruch. Allerdings ist
die Ryanair-Realität nicht weit entfernt: Derzeit sind Tickets zu 45
Cent auf dem Markt. Wer dann noch bei Marko Markt, dem
Unterhaltungsdiscounter, der jetzt auch die Touristik-Branche
aufmischen will, die Türkei bucht, bekommt den Urlaub tatsächlich
(fast) geschenkt. Denn eine Woche Ferien im Fünfsterne-Hotel werden
samt HP und Ausflugsprogrammen für einen Euro offeriert. Da kommt nicht
einmal Neckermann mit „Turbo-Abschlägen” und „Hammerpreisen” mit. Bei
der Touristischen Runde in München diskutierten Experten das Thema
„Wann gibt’s die Reise umsonst?”


„Nie,” sagt Gunther Träger für
Neckermann. „Die Reise umsonst wird’s bei uns nicht geben.” Allerdings
werde der Veranstalter weiter preisaggressiv planen, „weil sonst der
Kunde gar nicht bucht”. Für Robin Zimmermann sind Preise „eigentlich
nicht unser Thema”. Der TUI-Sprecher räumt aber ein, dass auch der
Branchenführer mit Rücksicht auf die Kunden auf den Preis achten müsse:
„Wir schweben nicht allein im Weltall ­ auch unsere Gäste schauen
gelegentlich hin.” Trotzdem: Für die TUI stehe die Qualität im
Mittelpunkt. Mit der Gästebewertung, die „ungeschminkt in den
Katalogen” stehe und mit dem Reiseleiter-Wettbewerb setze man
selbstbewusst Akzente und rücke die Wertigkeit des Reisens wieder in
den Vordergrund.

Zurück zu den Ursprüngen führt der Weg des Münchner
Reiseveranstalters FTI, nachdem der „alte” Chef Dietmar Gunz wieder
zurück ist. In Italien und Malta glaubt Kurt Uebachs, Geschäftsführer
Marketing und Vertrieb, ein besonders günstiges
Preis-Leistungsverhältnis anbieten zu können. Allerdings warnt Uebachs
davor, das „Frühbucher-Tool” zu überreizen ­ also den
Frühbucher-Zeitraum in die Länge zu ziehen ­, weil sonst die
Planungssicherheit leide. Eher setzt der FTI-Manager auf die
„Verbesonderung” der Pauschalreise mit „Goodies”. Da gibt es dann schon
mal ein Golf-Paket mit sieben Schlägern, ein Mountainbike oder ein
Wellness-Paket obendrauf.
Bei Studiosus erschöpfen sich solche
Dreingaben in einer Lektüre-Auswahl. Aber der Münchner
Studienreise-Spezialist sieht sich auch nicht in einem Preiswettbewerb.
„Wir reagieren im Grunde gar nicht auf Billigheimer,” stellt Klaus
Dietsch fest. Laut einer Umfrage achteten 60 Prozent der Deutschen bei
der Reisebuchung auf den Preis. Dietsch:„Wir nehmen die restlichen 40
Prozent”. Der Studiosus-Mann warnte vor der Austauschbarkeit von
Reisezielen und vor einem ruinösen Ausverkauf der Ware Reise. Seiner
Meinung nach ist die Branche, was Preise angeht, an der Grenze
angelangt.
Als Fehler wertetem auch seine Kollegen die Preisrutsche
der Vergangenheit, die auf die Überkapazitäten der Jahre 2001 und 2002
zurückgingen. In den fetten Jahren habe die Branche es versäumt, die
Preise nach oben anzupassen, merkten sie selbstkritisch an. Jetzt müsse
man trotz aller Super-Schnäppchen darauf achten, dass „am Ende des
Tages noch was rumkommt”. Dank früher Planungssicherheit hätten die
Preise für den Winter „knallhart kalkuliert” werden können, erklärt
Zimmermann und Träger ergänzt: „Wir werden heuer kein Geld in den Sand
setzen.” Die Superangebote seien schließlich „keine Hexerei”. So habe
Neckermann die Zahl der Hotels um 15 Prozent reduziert und gleichzeitig
die Zimmerzahl aufgestockt.
Einig sind sich alle, dass
Preissenkungen nicht auf Kosten der Qualität gehen dürften. Träger
weist auf das „strenge Verbraucherrecht” hin: „Wir haben doch gar keine
Chance, ein schlechtes Produkt abzuliefern.” Wichtig für alle
Veranstalter ist immer noch die Beratung im Reisebüro ­ FTI erzielt
beispielsweise 97 Prozent der Umsätze im Reisebüro. An eine
Nullprovision, wie sie derzeit von den Airlines durchgesetzt wird,
denken sie deshalb nicht. „Nie ein Thema bei FTI,” wiegelt Kurt Uebachs
ab. „Nicht die Spur eines Plans,” sieht Gunther Träger und weder bei
TUI noch Studiosus ist die Nullprovision in der Diskussion: „Die
Reisebüros sind unsere Partner.”

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