Wintergefühle nach Allgäuer Art

Die Allgäu GmbH hatte die Touristische Runde zu einem vorweihnachtlichen Treffen geladen. Aus gutem Anlass: Ist doch der Christbaum auf dem Marienplatz eine Weißtanne aus Weiler im Allgäu. „Der schönste Christbaum seit langem,“ begeisterte sich ein Rundenmitglied. Zwischen Weihnachtsbäumen mit blauen Allgäu-Kugeln und stimmungsvollen Bildern aus dem Allgäu zum Thema Bergwaldoffensive gab’s im Augustiner Garten heißen Grog zur Einstimmung, ehe man sich drinnen zur Gesprächsrunde versammelte.

Warum ein nordischer Kombinierer für den Winter wirbt

Es ging um die Bedeutung der Weißtanne im Bergwald, um die Bedeutung des Wintertourismus für das Allgäu und um die Bedeutung der Nachhaltigkeit für den Tourismus. Und leider gingen im Trubel der Weihnachtsfeiern einige Anmerkungen unter. Hier die wichtigsten Eckpunkte:
Zum Thema Wintertourismus im Allgäu machte Bernhard Joachim, Geschäftsführer der Allgäu Tourismus GmbH, klar, wie wichtig gerade der Wintertourismus als Wirtschaftsfaktor für die Region ist. Rund 40 Prozent der rund 17 Millionen Übernachtungen entfallen auf das Winterhalbjahr – und es werden immer mehr. Möglich mache das Ganze, so Joachim, die gute Zusammenarbeit über die Dorf- und Ortsgrenzen hinweg: „Wir haben gelernt, über den Kirchturm hinaus zu schauen.“ So hätten sich zehn Orte zu einer Winter-Werbegruppe zusammengeschlossen, die auch von den Bergbahnen und Hotels großzügig unterstützt werde. Mit diesem Budget habe sich die Allgäu GmbH erstmals eine TV-Werbe-Kampagne geleistet, für die man den jungen Allgäuer Doppelweltmeister Johannes Rydzek gewinnen konnte. Der nordische Kombinierer zeige im Film die sympathischen Seiten des Allgäus und habe auf jede Frage eine Antwort, auch auf die wichtigste, wie der Winter denn in diesem Jahr werde. „Im Allgäu hat’s halt immer an Schnee“ sage Rydzek nur dazu, erklärte Joachim schmunzelnd.

Vom Eisbär und dem Sunnyboy unter den Bäumen

Der Bergwald ist zwar nicht ganz so abhängig vom Schnee, verändert sich aber wegen der Klimaerwärmung, wie Dr. Sauter vom Amt für Landwirtschaft und Forsten darlegte. Eigentlich wäre Bayern ein „Buchenland“, aber als „Brotbaum Forstwirtschaft“ sei mittlerweile die Fichte vorherrschend. Gerade sie aber leide extrem unter dem Klimawandel. Mit ihren flachen Wurzeln sei die Fichte der „Eisbär unter den Bäumen“ im Gegensatz zur Weißtanne, dem „Sunnyboy unter den Baumarten“. Ein Baum mit Zukunft, dem seine bis zu fünf Meter tief reichenden Wurzeln Standfestigkeit verleihen und dessen Schösslinge unter dem Schirm der alten Bäume gedeihen könnten. Sauter, der sich als „Oberförster vom Amt“ sieht, plädiert für einen gesunden Bergwald-Mix aus Buchen, Weißtannen und Fichten. Dieses „geniale Trio“ könne die Zukunft sichern, glaubt Sauter und drängt auf einen möglichst schnellen Umbau auf „klimatolerante Mischwälder“. „Das können wir nicht unseren Enkeln überlassen“. Als größtes Problem dabei sieht Sauter die Vielzahl der privaten Waldbesitzer – 450 allein am Grünten. Sie müsse man überzeugen ebenso wie Jäger und Touristiker und aus Betroffenen Beteiligte machen. Das versuche die Bergwaldoffensive mit Bildern, die Lebensfreude ebenso transportierten wie die Gesichter des Waldes.

Weiler im Allgäu lieferte den Christbaum für den Marienplatz

Für die Gemeinde Weiler, aus der die Weißtanne auf dem Marienplatz stammt, ist ein gesunder Bergwald eine Investition in die Zukunft. Weiler hat kein Skikarussell und setzt im Winter auf sanften Tourismus. Doch auch dafür brauche man Schnee, wie Bürgermeister Karl-Heinz Rudolph betonte. Zwar könnten die Besucher im Winter auch in den vereisten Klammen und von Rauhreif glitzernden Wäldern wandern, aber grüne Loipen gäbe es halt nicht.
„Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist ein Winter ohne Schnee,“ fasste der grüne Landtagsabgeordnete Uli Leiner die Diskussion zusammen.

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