Wiener Kostbarkeiten

Die Albertina lockt mit neuem Prunk

Sie ist eines der wichtigsten Museen der Welt und ­ nach der langjährigen Renovierung ­ auch eines der schönsten. Zehn Jahre mussten die Wiener warten, ehe sie das Kunstpalais, ehemals Wohnsitz des Albert von Sachsen-Teschen und seiner Frau Marie Christine, Lieblingstochter der Kaiserin, wieder in Besitz nehmen konnten. Es hat sich gelohnt. Der lang gezogene klassizistische Bau erstrahlt im Äußeren wie im Inneren in neuem Glanz, adäquat zu den Kostbarkeiten, die er birgt. Mit rund einer Million druckgrafischer Werke und etwa 65 000 Zeichnungen verfügt die Albertina über eine der größten Kunstsammlungen der Welt.
Nach der aufwändigen Renovierung ­ Kostenpunkt rund 100 Millionen Euro
­ stehen insgesamt 2500 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.
Doch damit nicht genug, erstmals ist die Flucht der Prunkgemächer für
die Öffentlichkeit zugänglich, die lange Zeit als Magazin- und
Büroräume dahindämmerten. Sie glänzen dank zweieinhalb Kilo
"Albertina-Gold" ­ eine kühl-elegante Goldlegierung aus 23 Karat reinem
Gold und einem Karat Silber und Kupfer ­ in nie gesehenem Schimmer. In
den frisch polierten Spiegeln gefallen sich die teuren Tapisserien und
wunderbaren Intarsien der Parkettböden der Damen- und der Herrenzimmer.
Großformatige Bilder von Baselitz kontrastieren aufregend mit dem Dekor
aus der Kaiserzeit.
Zum ersten Mal seit 80 Jahren ist die imposante
Pfeilerhalle wieder geöffnet. Bis 8. Juni ist hier noch der aufwühlende
Bilderzyklus von Robert Longo "The Sigmund Freud Drawings" zu sehen
nach Fotografien, die Edmund Engelmann in dem von der Gestapo
umstellten Haus machte. Der minimalistische White Cube im Tiefspeicher
der Bastei bildet den perfekten Rahmen für die Ausstellung "Auge und
Apparat ­ Eine Geschichte der Fotografie". Doch die Hauptattraktion
derzeit befindet sich nahe den Prunkräumen im Piano Nobile. Die
Propter-Homines-Halle wurde zur Gänze aus privaten Sponsormitteln
finanziert und schmückt sich mit "einer der größten je gezeigten
Edvard-Munch-Ausstellungen", so Albertina-Direktor Klaus Albrecht
Schröder. 20 Blätter aus dem eigenen Bestand werden von 70 bedeutenden
Gemäldeleihgaben aus zahlreichen Museen und Sammlungen ergänzt. Bis 22.
Juni sind in der Propter-Homines-Halle so auch Meisterwerke wie "Der
Schrei" oder "Madonna" in verschiedenen Variationen zu sehen.
Warum
Munch und nicht Dürer, fragen sich nicht nur die Wiener, die zu Ostern
am liebsten Dürers Feldhasen gesehen hätten. Der Direktor sieht Munch
als Wegbereiter für die Auflösung zwischen den Gattungen, zwischen
Malerei und Grafik und damit ist die Munch-Ausstellung programmatisch
für sein Bestreben, das "verstaubte Image eines Kupferstichkabinetts
mit knarrenden Böden" abzulegen. Die Dürer-Freunde vertröstet er auf
den Herbst: "Wenn jemand den Hasen, Dürers Bravourstück der
Wirklichkeitsbeobachtung, sehen will, dann kann er das heuer vom 4.
September bis 30. November. Er sieht ihn nicht vorher, er sieht ihn
nicht nachher."
Dann wird vielleicht auch das Hollein-Segel aus
Titan fertig sein. Das 64 Meter lange Flugdach soll das Wahrzeichen der
neuen Albertina sein.

Albertina-golden glänzt das Goldkabinett
auf der "Herrenseite" der Prunkräume. Hierhin zog sich Hten erzog
Albert von Sachsen-Teschen, Gründer der Albertina, gern zurück.
Die
letzte Baumaßnahme fehlt noch: Den markanten "Soravia-Wing" von Hans
Hollein im Außenbereich des neuen Zugangs wird ein Flugdach aus Titan
krönen, das ab Herbst über dem Eingangsbereich der Bastei schweben
soll. Schon jetzt aber lockt die neue Albertina Besucher aus aller Welt
nach Wien.

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