Trotz Terror mit Optimismus ins Reisejahr

Der weltweite Terror, der sich neuerdings auch gezielt gegen den Tourismus richtet, überschattet die prognostizierten guten Aussichten für das Reisejahr 2016, die Prof. Dr. Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) auf der Stuttgarter Reisemesse CMT verkündete. „Wir sind betroffen von den Attentaten in Istanbul und Jakarta, von den schrecklichen Anschlägen in Paris und den Vorkommnissen in Köln“, sagte Montserrat Sierra, die Präsidenten des Corps Touristique bei der Eröffnungspressekonferenz. Allerdings ist auch sie überzeugt, dass die Menschen weiter reisen werden. „Wir dürfen uns nicht einschränken lassen“, mahnte die „überzeugte Europäerin“. Schließlich trügen Reisen auch zur Völkerverständigung bei.
Zuvor hatte Martin Lohmann erste Ergebnisse der Reiseanalyse verkündet, wonach 2015 wieder ein Rekordjahr war. Weltweit werde die Zahl der Ankünfte von internationalen Gästen bei rund 1,2 Milliarden liegen, ein erneuter Rekord. Auch der Deutschlandtourismus habe sich positiv entwickelt, vor allem dank der ausländischen Gäste. Insgesamt könne man für 2015 mit ca. 437 Millionen Übernachtungen in Deutschland rechnen. „Wir profitieren von der international positiven Entwicklung im Tourismus“, erklärte der Wissenschaftler. Auch Migranten trügen zu den positiven Zahlen in Deutschland bei, mit rund sechs Millionen Urlaubsreisen machten sie über acht Prozent der Nachfrage aus, wobei Deutschland unter den Top-Zielen auf Platz 4 stehe. „Auch als Urlauber sind die Migranten integriert“, stellte Lohmann fest.
Für 2016 erwarteten die Reiseveranstalter laut Lohmann ein weiteres Wachstum, und die Touristen könnten sich auf günstige Preise einstellen, die dem Wettbewerb ebenso geschuldet seien wie dem niedrigen Ölpreis. Allerdings fürchteten auch die Reiseveranstalter, dass wachsende Unsicherheitsgefühle angesichts von Krieg, Terror und Flüchtlingsströmen die derzeit noch große Reiselust dämpfen könnten. Noch allerdings rangiere die Urlaubsreise bei den Konsumprioritäten hinter den Lebensmitteln auf Platz zwei, auch vor dem Trendthema Wohnen. 53 Prozent der Deutschen hätten schon jetzt Lust auf Urlaub und 39 Prozent hätten sowohl Zeit und Lust wie auch das nötige Geld für Urlaubsreisen. Die wichtigsten Reiseländer blieben nach den Zahlen der Reiseanalyse Deutschland, Spanien, Italien, die Türkei und Österreich. Ob sich die Türkei-Nachfrage nach dem Selbstmordattentat in Istanbul langfristig ändere, könne man noch nicht sagen, warnte der Wissenschaftler vor zu schnellen Festschreibungen. „Innerhalb kurzer Zeit ist oft alles vergessen“, meinte auch Montserrat Sierra, die für die betroffenen Zielländer auf das bekannt kurze Gedächtnis der Touristen hofft. Die Regierungen, mahnte sie, müssten allerdings die notwendigen Maßnahmen für die Sicherheit der Besucher treffen.
Infos zur CMT (16. bis 24. Januar): www.messe-stuttgart.de
Mehr zur Reiseanalyse der FUR: www.nit-kiel.de

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