TO DO! Tourismus mit Augenmaß

Alle drei Projekte liegen am Rande von oder direkt in Naturschutzgebieten, was für die Menschen vor Ort nicht immer einfach ist. Weil Einkommensmöglichkeiten fehlen, kam es in der Vergangenheit zu illegalen Waldrodungen und Wilderei. Und genau da setzen die ausgezeichneten Projekte an. Für die Touristen ist die geschützte Natur attraktiv, für die Bevölkerung – vor allem für die Frauen – bietet der Tourismus neue Einkommensquellen.

Das Chambok Community Based Ecotourism Project in Kambodscha umfasst neun Dörfer mit insgesamt 750 Familien und liegt etwa 120 Kilometer westlich von Phnom Penh in einem landschaftlich reizvollen Waldgebiet mit artenreicher Flora und Fauna. Das Projekt, an dem alle Dorfbewohner von Anfang an beteiligt waren, besteht seit 2003 und wurde in Kooperation mit der regionalen NGO Mlup Baitong entwickelt, inzwischen wird es von einem demokratisch gewählten Komitee, dem mindestens drei Frauen angehören müssen, selbstverwaltet und das, obwohl nur die wenigsten über einen Schulabschluss oder gar Englischkenntnisse verfügen. Der Erfolg der gemeinsamen Anstrengungen kann sich sehen lassen: über 70 Holzkohlenmeiler wurden stillgelegt, die Jagd auf Wildtiere wird reglementiert. Die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen wurde gestoppt, touristische Infrastruktur entstand. Das touristische Angebot umfasst Homestay-Unterkünfte und kleine Restaurants sowie naturbezogene Aktivitäten wie Wanderungen, Ausfahrten mit dem Ochsenkarren oder Baden am Wasserfall. 10 000 Gäste pro Jahr wissen das zu schätzen.
Info und Kontakt: http://www.chambok.org, www.mlup-baitong.org

Die Grupo Ecológico Sierra Gorda (GESG), der heute 75 Initiativen und Kleinstunternehmen angehören, will die Lebensbedingungen der Bevölkerung in der Sierra Gorda verbessern. Deshalb ist die Beteiligung der einheimischen Bevölkerung an touristischen Projekten wichtiger Bestandteil des Projekts. Die knapp 3900 Quadratkilometer umfassende Bergregion im Norden Mexikos im Bundesstaat Querétaro ist seit 1997 Unesco-Biosphärenreservat, und das Unesco-Programm „Man and the Biosphere“ zielt darauf ab, die Naturnutzung durch den Menschen in Einklang mit dem Erhalt der Ökosysteme zu bringen. Geschaffen wurden Unterkunftsmöglichkeiten und kleine Restaurants, gefördert wurden Kunsthandwerk, kleine Museen und historisch interessante Orte. So wurde auch die finanzielle Abhängigkeit von Geldüberweisungen abgewanderter Familienmitglieder verringert.
Die GESG ist heute nur noch beratend tätig – das operative Geschäft liegt in den Händen der örtlichen Bevölkerung. Unterstützung leistet die GESG vor allem durch Marketing, Weiterbildungsangebote oder die Vergabe von Kleinkrediten.
Info und Kontakt: http://sierragorda.net

Auch bei der Boomkolbeh- Turkmen Ecolodge am Rande des Golestan-Nationalparks im Norden des Iran war Partizipation von Anfang an wichtigster Teil des Konzepts. In Tootly Tamak bildet eine Gemeinschaft von sechs Großfamilien einen „Ältestenrat“: die Lodge wurde nach Beratungen dieses Rates und der Einwohner eingerichtet. Sie gehört einer einheimischen Familie und wurde von den Betreibern gepachtet. Das etwa 120 Quadratmeter große Lehmhaus verfügt über 20 Schlafplätze. Im Gemeinschaftsraum sind traditionelle Alltagsgegenstände, Kleidung und Kunsthandwerk ausgestellt – gelegentlich finden Konzerte statt. Regelmäßig werden naturnahe Ausflüge und Exkursionen in den Nationalpark angeboten. Spaziergänge im Ort selbst sind nur mit Begleitung erwünscht, um die Privatsphäre der Bevölkerung zu schützen. Die Lodge sorgt für alternative Einkommensmöglichkeiten und stärkt das Gemeinwesen. Ein wichtiges Anliegen der Lodge-Betreiber ist auch die Umweltbildung.
Info und Kontakt: http://www.turkmenecolodge.com

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