Städtereisen abseits der Metropolen am Beispiel von Augsburg

Die meisten waren
noch nie in Augsburg, aber von der Puppenkiste hatten fast alle gehört.
Die Touristische Runde München hatte einen Ausflug in die Fuggerstadt
gemacht, umsich über die Bewerbung zur Kulturhauptstadt zu informieren
und über Städtereisen zu diskutieren. Die laufen nämlich „wie
geschnittenes Brot”, so Claudia Schiese, Bereichsleiterin Marketing und
Vertrieb bei Ameropa.
Die Bahntochter hat Augsburg mit zwei Hotels
im Programm ­ mit wachsendem Erfolg. Was die Gästezahl angeht, liegt
die schwäbische Metropole vor Hannover und Münster und knapp vor
Zürich. „Was mit dem ICE zu erreichen ist, ist bei Ameropa in
Selbstläufer”, sagte Schiese und verwies auf den Last-Minute-Bahnurlaub.

Auch
bei Dertour, dem Marktführer für Städtereisen, entwickelt sich das
Segment „genial”, wie Frank Götze, Bereichsleiter Städtereisen,
bestätigte. Zur Abrundung des Programms würden kleinere Städte würden
immer wichtiger ­ auch im Deutschland-Katalog. Unter dem Stichwort
„Stadtlichter” finden sich hier innovative Stadtprogramme. Augsburg
bescheinigte Götze eine „kontinuierliche positive Entwicklung”.
Soweit
ist die Stadt in den Katalogen anderer Veranstalter noch nicht.
„Schamhaft” habe er feststellen müssen, dass Augsburg gar nicht im
Studiosus-Programm sei, sagte Frano Illic vom Münchner
Studienreise-Spezialisten. Nach einer kurzen Stadtrundfahrt vom Charme
der Schwabenmetropole überzeugt, wünschte er Augsburg Glück bei der
Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt.
Obwohl er Augsburg von
einem längeren Aufenthalt her gut kennt und schätzt, wollte sich
Gunther Träger, der für Neckermann sprach, nicht aufs Glatteis begeben
und sich für eine Kulturhauptstadt aussprechen. Aber er stellte klar,
dass Neckermann Augsburg gern im Programmhätte. Das sei auf der einen
Seite eine Frage des Geldes: „Ein neues Ziel aufzunehmen ist ein
Risiko, das auf mehrere Schultern verteilt werden muss”. Auf der
anderen Seite spiele die Erreichbarkeit eine wichtige Rolle. Träger:
„Wir sind unheimlich scharf auf den Flughafen Augsburg. Der könnte
enorm viel bewegen.”
Dem stimmte Mario Köpers von der TUI zu. „Baut
einen vernünftigen Flughafen und sorgt dafür, dass Low Cost Carrier
hinfliegen,” ermunterte er die Augsburger Touristiker. 40 bis 50
Prozent Wachstum bei den Billig-Airlines kämen vor allem Städtzielen zu
gute, betonte Köpers, der Städterreisen eine „ausgezeichnete Zukunft”
prophezeite. Bei der TUI hätten sie sogar der boomenden Wellness den
Rang abgelaufen. „Die Leute geben nicht mehr so viel aus,” gab Köpers
zu bedenken. Aber „was sie beim Billigflug sparen, kommt oft den
Städten zugute”.
Das veränderte Reiseverhalten sprach auch Claudia
Schiese an. „Das Geld sitzt nicht mehr so locker und die Leute wollen
nicht mehr so lange vom Arbeitsplatz wegbleiben.” Kurzreisen seien
deshalb der Hit. Für Frank Götze hat sich der Kunde verändert: „Er ist
mündiger geworden.” Auch ein vernünftiges Stadtmarketing bringe heute
Kunden. Bei einem Städtereisen-Test der Stiftung Warentest hätte
immerhin ein Drittel der Befragten erklärt, eine Städtereise machen zu
wollen.
Mit emotionalisierten Programmen und neuen Profilen will
Götz Beck von der regio Augsburg mehr Touristen für Augsburg
begeistern. Als Beispiele nannte er Mozart, Brecht, die Römer und vor
allem das Konzept der Fuggerstadt Augsburg, für das die regio 2002 den
bayerischen Innovationspreis erhielt. Manchmal seien allerdings die
Interessen von Kultur und Touristik nur schwer auf einen Nenner zu
bringen, wie das Beispiel der Puppenkiste beweise. Dort sei es schier
unmöglich, Karten für Augsburg-Touristen zu bekommen. Dabei
identifizieren immer noch die meisten Gäste Augsburg mit der
Puppenkiste. Wie Mario Köpers, der als Kind die Filme mit den
Marionetten verschlang oder wie Claudia Schiese, die „Urmel aus dem
Eis” so geliebt hat, dass sie ihren Vogel Urmel nannte.

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