Social Media – ein schönes Hobby?

Social Media ist das Thema unserer Zeit, nicht erst seit dem Film „ The Social Network“ über Facebook-Gründer Marc Zuckerberg. 750 Millionen Menschen tummeln sich mittlerweile auf seiner Plattform. Dann gibt es ja auch noch Xing und LinkedIn, nicht zu vergessen Twitter. Und derzeit geht mit Google + ein neues Netzwerk an den Start, das einen Frontalangriff auf Facebook verspricht. Doch was bringen all die schönen sozialen Netzwerke? Wie sozial sind sie? Wo liegt der Mehrwert für die Journalisten, der Königsweg für die PR? In der Touristischen Runde, die Götz A. Primke (Legourmand.de) moderierte, gab es dazu die unterschiedlichsten Antworten.

„Wir nutzen fast alles von Facebook über Twitter bis zu Blogs“, sagt
Christine Sevdas
vom Hotel Monaco. „Richtig Gäste hat uns das in den
letzten Jahren vielleicht drei gebracht.“ Trotzdem möchte die
Hoteldirektorin nicht auf Social Media verzichten. Die indirekte Werbung
könne Vertrauen schaffen, ist sie überzeugt. Für ganz wichtig hält sie
die Bewertungsplattformen für die Hotellerie wie holidaycheck oder
trustyou. „Keiner kauft doch noch höherwertige Sachen, ohne sich im
Internet zu informieren.“ Vor allem die amerikanischen Gäste seien da
„super-aufgeschlossen“. Angefangen hat die Hoteldirektorin in den Social
Media
wegen der Suchmaschinen-Optimierung. Heute weiß sie: Ganz so
einfach ist es nicht. „Es ist halt viel Arbeit, man muss täglich was
machen.“ Zwischen zwei und fünf Stunden am Tag kalkuliert sie für die
Arbeit im Netz – ein Fulltime-Job.
Bianca Keybach sieht das alles gelassen. Die junge Kurdirektorin von
Oberstaufen, das vor kurzem mit einer Duz-Aktion in allen Medien war und
sich bei Google Street View als Pionier profiliert hat, spielt gern mit
dem Bereich Social Media. „I glaub‘, mir sin teilweise ganz schön
blauäugig“, sagt sie lächelnd. „Das macht angstfrei.“ Die Arbeit im Netz
sei „Leidenschaft, egal ob Samstag, Sonntag oder auch nachts“.
Schließlich sind  Social Media „ein wichtiges Instrument für die PR“.
Auf die Frage eines Journalisten, ob Oberstaufen „aufmerksamkeitsgeil“
sei, habe sie mit einem klaren Ja geantwortet, räumt Keybach ein. Ihr
kommt es darauf an, dass über Oberstaufen gesprochen wird. Deshalb kommt
auch Kritisches auf die website. „Es gibt schließlich auch Menschen
(und Journalisten), die Oberstaufen blöd finden.“ Und nichts sei
gefährlicher als durch zu viel Lob übersteigerte Erwartungen zu wecken.
Birgitt Hölzl, Chefredakteurin des Online-Magazins Monte, hat zumindest
keine übersteigerten Erwartungen, was die die
Refinanzierungsmöglichkeiten für Online-Medien angeht. „Es möchte doch
keiner für Inhalte bezahlen“, klagt sie. Dabei erfordere das Medium viel
Arbeit. Derzeit sieht sie es eher sportlich, als „professionelles
Hobby“. Positiv sind für die Journalistin die Layout-Möglichkeiten. „Wir
müssen uns an keine Seitenlänge halten. Das macht das Ganze dynamisch.“
Hölzl bedient sich für Monte der Social Media wie Facebook und Twitter,
um „Themen der eigenen Seite anzuteasern, aber auch um relevante Themen
von anderen Medien zu sharen“. Beruflich nutzt sie diese und Xing aber
auch zur – eher zeitaufwändigen – Recherche und lobt die „oft kurzen
Wege, um auf komplizierte Fragen mal eine schnelle Antwort zu bekommen“
oder über Kontakte auf Themen aufmerksam zu werden. Auch auf Twitter ist
das „Magazin für alpine Lebensart“ vertreten.
Vor allem auf Suchmaschinenoptimierung (SEO) im Sinn ihrer Kunden hat
sich Bigmouthmedia spezialisiert. Claudia Gunkel nennt Facebook und
Blogs
als erfolgversprechende Plattformen, „wenn es um Vertrauensbildung
und Markenaufbau geht“. Ein Verkaufsinstrument ist Facebook ihrer
Meinung nach allerdings eher nicht. Und was Journalisten angeht, hält
sie es eher mit Bloggern. „Im Social Web geht es vorrangig um Vertrauen,
Transparenz und Authentizität – diese Werte können durch Blogs
aufgebaut und realisiert werden.“
Marcel Brunnthaler, Social Media Manager bei Hansmann PR sieht das nicht
ganz so. Die Agentur versteht sich primär als Mittler zwischen Kunden
und klassischen Journalisten. Aber: „Wir nehmen auch Blogger sehr ernst,
sofern ihr Blog authentisch ist und interessante Inhalte hat.“
Brunnthaler betrachtet Blogs auch als "Riesenchance" für Journalisten. Er
weiß aber auch, dass die Herausforderungen in diesem Beruf wachsen.
„Jeder soll alles können.“ Grundsätzlich ist er der Meinung, dass die
Journalisten und die klassischen PR-Agenturen das Thema Social Media
lange Zeit „verschlafen“ haben. „Jetzt endlich haben wir begriffen, dass
wir uns dem neuen Kanal stellen müssen.“ Es funktioniere nicht mehr,
einfach zu sagen, da mache ich nicht mit. „Wir müssen mindestens
verstehen, was Sinn macht und wie’s geht.“ Dazu seien auch Ressourcen
nötig, „sonst stößt man schnell an die Grenzen“. Immerhin generiert
Hansmann PR schon 10 bis 15 Prozent des Umsatzes über Social Media.
Am Ende dieser Runde bleiben noch viele Fragen offen. Auch die
grundlegende, was soziale Netzwerke eigentlich sind. Bei Wikipedia sind
es „digitale Medien und Technologien, die es Nutzern ermöglicht, sich
untereinander auszutauschen und mediale Inhalte einzeln oder in
Gemeinschaft zu gestalten.“ Social Media unterstützen demnach „die
Demokratisierung von Wissen und Information und entwickelt den Benutzer
von einem Konsumenten zu einem Produzenten. Es besteht weniger oder kein
Gefälle mehr zwischen Sender und Rezipienten.“ Wäre noch zu ergänzen: Der Sender kann je nach
Werkzeug die Empfängerkreise eingrenzen oder seine Ausführungen allen
zur Verfügung stellen, die sich im Internet tummeln. Unbeantwortet
bleibt auch die immer drängendere Frage nach der Bezahlung, die online
noch problematischer scheint als offline.
„Es gibt keine online– und offline-Welt“, resümiert der Moderator,
zumindest nicht für Journalisten und PR-Leute. Das journalistische
Handwerk sei auf beiden Kanälen wichtig, ebenso, dass im Zentrum eine
spannende Geschichte stehe. Online allerdings müsse man darauf achten,
„bei Google ganz oben“ zu stehen etwa durch „unique content“ oder
entsprechende "key words". Einen Königsweg sieht auch Primke nicht. „Das
Internet hat eine Konstante, nämlich die, dass sich alles ständig
ändert.“

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