Quasselstrippe: Salman Rushdies „Luka und das Lebensfeuer“

Ein begnadeter Märchenerzähler ist Salman Rushdie, aber diesmal hat er den Bogen doch etwas überspannt. Bei dem Buch, das er seinem jüngeren Sohn widmet, ist der indische Autor zur Quasselstrippe mutiert und das nervt auf die Dauer.

Dabei ist das Märchen Luka und das Lebensfeuer“ voller genialer
Einfälle. Ein schriller Stilmix aus Computerspiel, Mythen, Fantasy.
Rushdie bedient sich aus dem Herrn der Ringe, aus Harry Potter, der
Unendliche
n Geschichte, aus Alice im Wunderland und den griechischen
Mythen, er nimmt Anleihen bei Voltaires Candide und bei Bulgakows „Der
Meister und Margarita
“, und er schafft ein mythenbe- ja überladenes
Paralleluniversum, in dem Luka, der zwölfjährige Sohn des genialen
Geschichtenerzähler Rashid Khalifa auf die Hilfe vieler Freunde
angewiesen ist, um das rettende Lebensfeuer für seinen im Koma liegenden
Vater zu erobern.
Diese Welt, natürlich eine Fantasie des Vaters, ist Heimat abgehalfteter
Götter ebenso wie Zitadelle der Zeithüter und Heimat eines
kriegerischen Rattenvolks, das inquisitorisch ist wie die Taliban oder
auch das Regime unter Chomeini, das gegen Rushdie die Fatwa
ausgesprochen hatte – und dem die Freunde mit Juckpulver den Garaus
machen.
Begleitet wird Luka von dem windigen Nobadaddy, einer Art Blaupause
seines Vaters. Je schwächer Rashid wird, desto plastischer wird
Nobadaddy. Und desto gefährdeter ist die Welt der Magie. Bis Luka, das
allzu kluge Kind, die Mechanismen durchschaut und sich ihrer bedient.
Immer unterstützt natürlich von Hund, dem Bären und Bär, dem Hund, die
ihm am Ende noch aus der letzten Patsche helfen. Denn auch sie sind
nicht nur nicht das, was ihr Name verheißt, sondern auch mehr als sie
scheinen.
So fantasiert sich Rushdie durch 267 Seiten und eine Überfülle von
Abenteuern und Fantasiefiguren. Manche Einsichten sind überraschend
aktuell wie die, dass man sich „nicht an die Spitze schummeln kann“ und
„die Höhen des Wissen“ nur der erreicht, „wer sich das Recht dazu
verdient“. Aber viele Dinge blieben besser Vzsze – Vorgänge zu schwierig
zu erklären. Statt dessen überschüttet Rushdie die Leser mit
mythologischem Lexikonwissen, bis sie ganz wirr im Kopf sind.
Schade, eigentlich wäre das Märchen von Luka und dem Lebensfeuer, die
späte Fortsetzung von „Harun und das Meer der Geschichten“, eine
wunderbare Parabel auf unsere von einer Informationsflut bedrängte Zeit.
Aber auch Rushdie erliegt der Versuchung, zu viel Input in seine
Geschichte zu packen.

Info: Salman Rushdie, Luka und das Lebensfeuer, Rowohlt, 267 S., 19,95 Euro

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