„Ich hätte Schloss Elmau nicht für den Gipfel umgebaut“

Die Gegner formieren sich zu Tausenden und drohen mit einem Sternmarsch auf Schloss Elmau, wo Angela Merkel am 7. und 8. Juni ihre Kollegen aus den USA und Japan, aus Kanada, Frankreich, Italien und Großbritannien zum Gespräch über die großen Fragen der Weltpolitik treffen wird. 17 000 Sicherheitskräfte sollen dafür sorgen, dass die Diskussionen ungestört stattfinden können. Wir sprachen mit dem 60-jährigen Gastgeber über seine Gefühle angesichts des Medien-Hypes.

Können Sie noch ruhig schlafen, Herr Müller-Elmau?
Müller-Elmau: Ja, natürlich.

Heiligendamm hat der Gipfel wenig Glück gebracht. Was wollen Sie anders machen?
Müller-Elmau: Wir machen nichts anders als sonst. Ein Gipfel bringt kein Hotel zum Funktionieren. Allerdings wird durch den G7 alles in ein neues Licht gestellt. Das führt zu einer Dimension von Exponiertheit, die ich sonst nicht kenne. Da kann ich mich manchmal nur wundern.

Das Haus musste für die illustren Gäste vorbereitet werden. Ein zweites Wassersystem war nötig, ein eigener Hubschrauberlandeplatz. Was noch?
Müller-Elmau: Das Bundespresseamt errichtet auf unserem Parkplatz ein Briefing Center für Journalisten. Die Natur wird dadurch in keinster Weise beeinträchtigt. Für die Hubschrauber wurde von der Bayerischen Regierung ein alter, schäbiger Wanderparkplatz als Ladeplatz geteert. Auch hier wird keine unberührte Natur beschädigt. Der Teer wird nach der Veranstaltung wieder entfernt und alles wird dann wesentlich schöner aussehen als vorher. Aber diese positive Seite hat noch niemand erwähnt. Für den Gipfel wurde Schloss Elmau aus Sicherheitsgründen auch an die öffentliche Wasser- und Abwasserversorgung angeschlossen und gleichzeitig die Stromleitung und eine zweite Internetverbindung in dem Kanal unter der anschließend neu geteerten Straße verlegt. Für Schloss Elmau entstehen dadurch zusätzliche Gebühren, da wir bisher mit unserer eigenen Wasserversorgung und modernen Biologischen Kläranlage völlig autark waren.
Die Gemeinden profitieren von den Zuschüssen für vorgezogene Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Infrastruktur wie die Modernisierung der Bahnsteige.

Schon seit zwei Wochen  ist die Kanzlerin Hausherrin auf Schloss Elmau. Wobei Mai und Juni zu den schönsten Jahreszeiten gehören. Wie vielen Stammgästen mussten Sie denn absagen?
Müller-Elmau: Die Bundesregierung hat Schloss Elmau für drei Wochen exklusiv reserviert. Die Bundeskanzlerin ist in dieser Zeit Gastgeber. Stammgästen mussten wir nicht absagen, sie wussten ja schon länger Bescheid und viele sind stolz darauf, dass „ihr“ Hotel Gipfel-Gastgeber ist.

Sie haben zehn Jahre nach dem Brand, der das Schloss Ihres Großvaters zerstörte, ein neues Haus hochgezogen, mit 47 Suiten, elf davon sind über 100 Quadratmeter groß. Hatten Sie bei dem Bau schon den Gipfel im Blick?
Müller-Elmau: Das Schloss Elmau Retreat ist eine Bereicherung für Schloss Elmau. Je fünf und sechs dieser elf Suiten haben den gleichen Grundriss. Ein G8-Gipfel in Schloss Elmau war ein Traum. Aber ich hatte bei dem Bau keine Ahnung, dass so ein Gipfel wirklich in Elmau je stattfinden würde.

Haben Sie denn keine Sorge, dass gerade die Abgelegenheit des Schlosses die Gipfelgegner zu extremen Aktionen anspornen könnte?
Müller-Elmau: Der Wille zu extremen Aktionen ist bei einem harten Kern von Extremisten wohl immer vorhanden. Aber Sabotageakte könnten ihnen hier schwerer fallen als anderswo. Über das Wettersteingebirge kommt man halt nicht so leicht.

Sie sind ja eher ein musisch interessierter Mensch, haben berühmte Autoren und Orchester nach Elmau geholt. Warum muss es denn jetzt die große Politik sein?
Müller-Elmau: Wieso muss? Ich bin doch glücklich, dass für uns so wichtige Politiker nach Schloss Elmau kommen. Der G7 ist eine große Auszeichnung für Schloss Elmau und seine Mitarbeiter. Bei den ersten Anfragen war ich allerdings sehr skeptisch, ob Schloss Elmau für so eine Großveranstaltung geeignet ist, da es doch ein Ferienhotel und Spa ist und kaum Tagungsgäste hat. Ich kannte die Anforderungen eines G8 Gipfels nicht. Deshalb hatte ich die Anfragen mehrere Wochen immer wieder abgelehnt. Doch als ich nach einer Inspektion erfuhr, dass weder innen noch außen irgendetwas zu ändern sei, habe ich nur zu gerne zugestimmt. Ich hätte Schloss Elmau nicht für einen Politik-Gipfel umgebaut. Das Schloss Elmau Retreat wurde ja bereits vor acht Jahren geplant. Mit Blick auf den Gipfel erhöhten sich allerdings nicht nur die Anforderungen, sondern auch die Baukosten erheblich.

Ihr Credo auch fürs Hotel ist, Freiheit fürs Ich. Stört Sie da nicht die Unfreiheit, die der Gipfel mit sich bringt?
Müller-Elmau: Nein, das sind ja alles nur kurzfristige Beeinträchtigungen und die stehen in keinem Verhältnis zu den Zuschüssen für die Region wie eine total runderneuerte Infrastruktur. Da kann man kleine Einschränkungen in der Mobilität schon verschmerzen. Demonstrieren kann man auch woanders, um in den Medien wahrgenommen zu werden. Allerdings sollte man dabei nicht die Wiesen zertrampeln. Und man sollte die Freiheit der Politiker, sich zu treffen und auszutauschen, auch akzeptieren.

Sie haben sich selbst als „Ruhstörer“ bezeichnet. Haben Sie da nicht auch Verständnis für die anderen Ruhestörer, die den Gipfel torpedieren wollen?
Müller-Elmau: Als Kind war ich Ruhestörer. Und ja, ich habe Sympathie für alle, die rebellisch sind. Aber die geht nie so weit, dass ich die Freiheit der anderen infrage stellen würde.

Was ist Ihr schlimmster Alptraum?
Müller-Elmau: Das irgendjemandem etwas passieren könnte. Egal wem.

 

 

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