Die goldene Stadt: Luang Prabang

Sonnenuntergang bei Luang Prabang

Morgens um sieben ist die Zeit der Bettelmönche. Dann färben sich die Straßen von Luang Prabang safranfarben Aus allen Ecken der Stadt quellen Mönche, paarweise und in Grüppchen, gekleidet in orange Gewänder und mit einem Napf in der Hand. Die Mönche zu nähren gilt als Ehre bei den Laoten. Auch die Touristen sind schon da – und die Händler, die Reis für die Mönche verkaufen. Ein Althippie kniet am Straßenrand und meditiert in sich versunken. Ein Engländer drängt sich mit der Videokamera nach vorne, andere stehen einfach am Straßenrand und gaffen. Fast wie bei einem Karnevalsumzug am Rhein. Die Mönche achten nicht darauf, stoisch reihen sie sich in den safranfarbenen Zug ein, der die Straße hinunterzieht wie ein Fluss bei Sonnenuntergang.
Es liegt ein seltsamer Zauber über dieser alten Königsstadt, wo jeder
Quadratmeter Geschichte atmet. 650 Jahre ist es her, dass der legendäre
Reichsgründer Fa Nghum die Stadt am Zusammenfluss von Nam Khan und
Mekong zu seiner Residenz erkor. In diesen sechs Jahrzehnten haben die
Straßen von Luang Prabang viel erlebt: Könige wurden gekrönt und
wieder gestürzt, Intrigen geschmiedet, Tempel niedergerissen und wieder
aufgebaut, die Burmesen eroberten die Stadt und verloren sie wieder,
die Franzosen kamen und gingen ebenso wie die Revolutionäre und die
Konterrevolutionäre. Doch unerschütterlich fließt der Mekong und
in der Abenddämmerung glänzt er wie ein goldenes Band.
Die Stadt dahinter hat trotz der Stürme der Geschichte ihr bezauberndes
Gesicht bewahrt, auch wenn sie die Hauptstadtwürde längst an das
günstiger gelegene Vientiane abgeben musste. Jahrhunderte alte Pagoden
und Tempel reihen sich aneinander, dazwischen kleine offene Häuser und
pastellfarbene Villen aus der Kolonialzeit. In den einstigen Villen der
königlichen Familie residieren heute Touristen wie in der Villa Santi
oder im Le Grand, das dem ehemaligen Besitzer, Vizekönig Prinz
Phetsarath eine eigene Gedenkstätte einrichtete. Und der Phra Bang, der
Schutzheilige der Stadt, soll in Kürze eine neue Heimat bekommen: in
einem Schrein beim Nationalmuseum. Immer wieder wurde die 83 Zentimeter
große vergoldete Buddhastatue, ein Geschenk des Khmer-Königs von Angkor
an die neue Residenzstadt, geraubt, verschleppt und immer wieder ist
sie zurück gekehrt in die Stadt, die ihren Namen trägt. Vielleicht ist
es auch nur eine Kopie, die künftig im goldglänzenden Tempel zur
Rechten des ehemaligen Königspalasts stehen wird (das Original soll in
einem Tresor der Staatsbank von Vientiane wohl verwahrt sein). Wie auch
immer: Luang Prabang ist sich des Schutzes seines Namenspatron sicher.

Vor elf Jahren kam dann der Schutz der Unesco hinzu. 1995 wurde die
alte Königsstadt zum Weltkulturerbe erklärt und seither strömen die
Touristen.
Traveller aus aller Welt treffen sich auf dem Nachtmarkt in der
Phothisarath, wo ewig lächelnde Lao Abend für Abend auf Neue ihre
Schätze ausbreiten: wunderschöne gestickte Decken, selbst genähte
Taschen und Schuhe, Schnitzereien, Modeschmuck und Buddhas in allen
Größen und Formen. Ein Fest für die Sinne und den Geldbeutel. Denn die
Preise sind unglaublich niedrig. Wer mehr Geld ausgeben will, wird in
der Sisavanphong mit ihren kleinen Läden, den Bars und Restaurants
fündig. Antiquitäten und edle Stoffe, farbenfrohe Klamotten und alter
Schmuck füllen die Auslagen und so mancher Ladenbesitzer lässt gerne
mit sich handeln. In einem der schattigen Cafes könnte man stundenlang
sitzen, die Zeit verträumen und sich in laotischer Gelassenheit üben,
wäre da nicht der verfluchte Zeitdruck und die Angst, etwas zu
versäumen.
Den Phou Si etwa, den schönen Berg. 328 Stufen führen hinauf auf den
150 Meter hohen „Gipfel“, wo Buddha in einem Tempelchen einen
fantastischen Blick auf die Stadt und die sie umschlingenden Flüsse
hat. Zähnefletschende Drachen, Riesenschlangen und andere
Sagengestalten bewachen das Heiligtum, und die verrosteten Reste einer
Flak lassen ahnen, dass nicht alle sich auf den himmlischen Schutz
allein verlassen wollten. Der Königsfamilie half beides nicht. Ihr
Schicksal nach der Machtübernahme der Pathet Lao ist ungewiss. Im
„Goldenen Palast“, erst 1904 für König Si Savang Vong erbaut, heute
Nationalmuseum, kann man neben Kunstschätzen, Thronsaal und
Staatsgeschenken ausländischer Besucher auch die Privaträume der
königlichen Familie besichtigen, die im Vergleich zu den Nobelhotels
unserer Tage von eher bescheidenem Luxus zeugen.
Ganz anders die prachtvoll ausgestattete Begräbniskapelle im Wat Xieng
Thong mit dem Bestattungswagen der königlichen Familie, dessen
beeindruckende Ausmaße den Rahmen des Schreins zu sprengen drohen.
Wer zählt die Tempel, nennt die Namen? 30 sollen es noch sein, aber Wat
Xieng Thon ist der schönste und der älteste. Das Gold der Tempel
glänzt im Abendlicht, die Mosaike sprühen Funken und auf den Reliefs
werden alte Geschichten aus dem Ramayana lebendig. Ein Mönch in Safran
erzählt einem englischen Pärchen von Rama und seiner schönen Frau
Sita, vom Dämon Ravanna und dem Affengott Hanuman. In Luang Prabang
verschmelzen Geschichte und Gegenwart zu einem magischen Ganzen.

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