Die fabelhafte Welt des Nicholas Christopher: Das verlorene Bestiarium

Dieses Buch ist eine Wundertüte prallvoll mit Leben und Legenden,
Entwicklungs-, Abenteuer- und Reiseroman in einem. Der Autor Nicholas
Christopher
nimmt die Leser mit auf eine surreale Reise durch die Welt
der Fabeltiere und auf eine höchst reale Reise von den USA über das alte
Europa bis ins ferne Vietnam und in den Orient – immer auf der Suche
nach dem „Karawanenbuch“ und damit nach dem verlorenen Bestiarium.

In diesem Bestiarium sind all die Tiere versammelt, die in der Arche
Noah
keinen Platz mehr gefunden hatten – weil sie anders waren. Die
Zerberusse und Hippogreifen, die Schimären und Perytone, die nur in den
Fabeln und Legenden überlebt haben. Oder in den Erzählungen von Xenos
Großmutter. Sie infiziert den mutterlosen Jungen, der seinen Vater als
Bestie empfindet, schon früh mit dem Virus des Forschers. Xeno träumt
davon, dieses seltsame Buch zu finden, und der Traum hilft ihm über
viele Enttäuschungen im wirklichen Leben hinweg. Letztlich führt er Xeno
weit weg von seiner Heimat und endlich zu sich selbst.

Das klingt nach einer Neuauflage von Indiana Jones und ist tatsächlich
ebenso spannend. Aber der enzyklopädisch bewanderte Christopher will
mehr. Er findet in der Grauzone, wo sich Mythos und Realität begegnen
und der Verstand versagt, Antworten auf existenzielle Ängste und stößt
in einem fantastischen Kontext die Leser auf die Sünden unserer Zeit:
„Die Menschheit war dabei, sich selbst auszulöschen, und vielleicht war
das mit den Tieren nur so etwas wie ein Probelauf,“ heißt es da
hellsichtig. (Das englische Original wurde 2007 veröffentlicht.) In der
fabelhaften Welt des Nicholas Christopher ist eben nichts unmöglich. 

Info: Nicholas Christopher, Das verlorene Bestiarium, dtv premium, 270 S. mit Fabeltiere-Glossar, 15,40 Euro

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