Deutscher werden ist gar schwer Hasnain Kazims „Grünkohl und Curry“

Er spricht deutsch wie du und ich, er isst gern Grünkohl und Apfelkuchen aber auch Currys, er ist in Hollern-Twielenfleth groß geworden und in die Schule gegangen. Hansi haben sie ihn genannt. Aber er heißt Hasnain. Niels noch dazu, weil die Nachbarin den Namen mit angegeben hat. Als Kind hätte er sich manchmal gewünscht, er wäre blond und blauäugig wie seine Freunde statt braun und dunkelhaarig.

Inzwischen hat der Spiegelkorrespondent Hasnain Kazim seinen  Frieden
mit dem eigenen Aussehen und seiner Geschichte gemacht. Und er hat ein
Buch darüber geschrieben, wie schwer es sein kann, Deutscher zu werden.
Grünkohl und Curry“ ist die Geschichte einer Einwanderung in den 70er
Jahren. Eine ungewöhnliche Geschichte. Kamen doch die Eltern Kazim aus
reichem Haus. Es war nicht die Flucht aus der Armut, die sie nach
Deutschland brachte, sondern der Beruf des Vaters: Hassan Kazim ist
Seemann.
Und dass sie bleiben wollten, war vor allem ein Verdienst der netten
Leute, die sie in ihrer neuen Heimat vorfanden. Die Nachbarn und
Freunde halfen über die ersten Schwierigkeiten hinweg. Sie
unterstützten die Familie, wenn die Bürokratie ihr wieder mal den Boden
unter den Füßen wegzuziehen drohte. Lange Jahre lebten die Kazims im
Ungewissen, die Ausweisung schwebte wie ein Damoklesschwert über Eltern
und Kinder. Und doch harrten sie aus, wehrten sich, so gut sie konnten,
klammerten sich an das bisschen Hoffnung, das ihnen der Pastor gab, der
Arzt, die Lehrerin. Und dann 1990, 16 Jahre nach den ersten Schritten
auf deutschem Boden, die Anerkennung als deutsche Staatsbürger.
„Ich glaube, meine Eltern sind das, was man gute Deutsche nennt“,
schreibt Hasnain Kazim. Er tut sich schwerer mit der eigenen Identität,
fühlt sich in Hollern-Twielenfleth als Deutscher und in Karachi als
Pakistani. „Wir feiern christliche Feste in Deutschland und islamische,
wenn wir in Pakistan sind. Wir essen an einem Tag Grünkohl mit Pinkel,
am anderen Curry… Wir leben in beiden Welten, mal mehr in dieser,
dann wieder mehr in jener. Wir sitzen nicht zwischen den Stühlen,
sondern springen von einem Stuhl zum anderen und dann wieder zurück.“
In einer Zeit der Globalisierung, in einem Land, das längst
Einwanderungsland geworden ist, hat Hasnain Kazim mit seiner
Familiengeschichte ein wichtiges Buch geschrieben, das die
Schwierigkeiten aufzeigt, die eigenen Wurzeln zu definieren aber auch
die Chancen, aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen zu schöpfen. Ein
anrührendes Dokument über interkulturelle Missverständnisse und
erstaunliche Gemeinsamkeiten.
Info: Hasnain Kazim, Grünkohl und Curry – Die Geschichte einer Einwanderung, dtv premium, 256 S., 14,90 Euro

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