Am Ende die Liebe: Hélene Gremillons „Das geheime Prinzip der Liebe“

Als die Lektorin Camille eines Tages einen Brief bekommt, der ihr von einem fremden Schicksal erzählt, ahnt sie nicht, dass dies der Beginn einer Geschichte ist, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen wird. Sie hat gerade ihre Mutter durch einen Unfall verloren und ist schwanger von einem Mann, der keine Kinder will. Was sie anfangs als Versuch abzutun versucht, ihr Interesse als Lektorin zu wecken, wird für sie zu einer Achterbahnfahrt in die eigene Geschichte.

Über die Briefe, hinter denen eine große Liebe steht, erfährt sie von Annie, einem begabten Mädchen, das sich aus Mitleid bereit erklärt, für seine reiche aber unfruchtbare Gönnerin Madame M. ein Kind zu bekommen, das Kind von Monsieur M. Und damit beginnen die Probleme, die letztendlich in einer Tragödie münden. Einer Tragödie, die von Madame M. bewusst herbei geführt wird, weil sie Angst davor hat, dass Annie ihre Entscheidung bereuen und das Kind zurückfordern könnte. Während in der Welt draußen Krieg herrscht, ringen die beiden Frauen hinter verschlossenen Türen um die Zukunft des Kindes.
Auch Camille muss sich entscheiden. Eine Abtreibung, die sie früher gut gefunden hätte, kommt nicht mehr infrage. Sie wird das Kind bekommen. Vielleicht auch wegen der Lektüre der Briefe, die sie immer mehr gefangen nehmen und schließlich dazu führen, dass sie sich auf eine Spurensuche begibt – mit unerwartetem Ausgang.
Zwei Epochen, zwei Frauenschicksale, Freundschaft, Liebe, Hass und viele Gemeinsamkeiten, die sich nach und nach herausschälen und den anfänglichen Monolog zu einer Art Dialog machen. Fast unmerklich zieht Hélene Grémillon die Leser in ein Gespinst aus Lügen, aus dem sie sich ebenso wenig befreien können wie die Protagonisten. Kein Buch, das man so schnell wieder aus der Hand legt.
Info: Hélene Gremillon, Das geheime Prinzip der Liebe, Hoffmann und Campe, 256 S., 19,99 Euro

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