Fräulein Öko, wie umweltfreundlich ist ein Camper?

Corona hat den Camping-Trend beflügelt. Die Verkaufszahlen für Camper & Co schnellten in die Höhe. Camping im Einklang mit der Natur ist eine der umweltfreundlichsten Arten, seinen Urlaub zu verbringen, davon ist Svenja Preuster überzeugt. Und sie muss es wissen, gibt sie doch als Fräulein Öko auf Youtube Tipps zu den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Und sie hat dazu auch ein Buch geschrieben: Green Camping. Wir sprachen mit Fräulein Öko über Nachhaltigkeit und Urlaubsfreuden.

Svenja Preuster beim Zähneputzen  im Camper. Bild: privat

Auf YouTube sind Sie schon lange unterwegs. Seit Sie 16 sind, posten Sie – zuerst über Mode und Schminken, inzwischen über Nachhaltigkeit. Was war Ihr „Erweckungserlebnis“?
Svenja Preuster. Ich habe mit 18 angefangen mich mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Angefangen mit Naturkosmetik, da ich viele
konventionelle Produkte nicht vertragen habe. Ein richtiges Erweckungserlebnis war der Film „Plastic Planet“ von Werner Boote. Danach hatte ich das Bedürfnis, etwas zu ändern und auch andere damit anzustecken.

Inzwischen sind Sie 26 Jahre alt und als Fräulein Öko unterwegs. Können Sie das Thema Nachhaltigkeit in Ihren Alltag als Erzieherin
integrieren?
Preuster. Ja sehr gut, da ich in einer Waldorfkrippe gearbeitet habe. Dort ist Nachhaltigkeit stark im Konzept verankert.

Die Küche im Camper von Fräulein Öko. Bild: privat

Nun haben Sie auch ein Buch geschrieben unter dem Titel „Green Camping“. Was ist darunter zu verstehen?
Preuster. Ich möchte damit Menschen inspirieren, ihren Campingalltag nachhaltiger zu gestalten. Gerade wer mit dem Fahrzeug unterwegs ist neigt dazu zu denken „Jetzt ist eh alles egal, das Wohnmobil ist ja schon nicht so nachhaltig.“ aber das stimmt nicht. Auch mit dem Fahrzeug können viele nachhaltige Entscheidungen getroffen werden z.B. bei der Fahrweise, der Campingausrüstung, der Wahl der Lebensmittel, der Pflegeprodukte, dem Verhalten in der Natur und vielem mehr. Wenn ich mir die vollgemüllten Stellplätze ansehe, weiß ich wie wichtig und unpopulär das Thema leider noch ist.

Sie haben sich für einen Camper entschieden und gegen Zelten, das ja eigentlich Ressourcen schonender ist. Warum?
Preuster. Ja, der Camper ist mein unnachhaltiges Laster. Ich habe ausprobiert, länger mit dem Zelt, dem Fahrrad und/ oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. Für kürzere Urlaube ist das für mich möglich. Für eine längere Reise so den Wetterbedingungen ausgesetzt zu sein ist das einfach nicht mein Ding.

Das  gemütliche Zuhause auf Zeit.  Bild: privat

In Corona-Zeiten scheint sich die Zahl der Wohnmobile  und Camper verdreifacht zu haben. Sie stehen überall herum und sorgen für Unmut bei den Anwohnern. Man kann ja nicht ständig unterwegs sein. Haben Sie einen Stellplatz für Ihren Camper?
Preuster. Wir wohnen sehr ländlich, und hier steht der Camper niemandem im Weg. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass dies in größeren Orten problematischer werden kann.

Haben Sie Tipps für andere, wo sie möglicherweise einen Stellplatz für ihr Wohnmobil oder ihren Wohnwagen finden können?
Preuster. Ich denke das Wohnmobil muss nicht direkt vor der Haustür stehen. Vielleicht ist ein paar Straßen weiter mehr Platz oder man findet mit Hilfe eines Aushangs jemandem mit einem großen Hof, wo das Wohnmobil günstig geparkt werden kann.

Sie plädieren für den Kauf eines gebrauchten Campers und den – umweltfreundlichen – Eigenausbau. Wie lange haben Sie denn für
Ihren Ausbau gebraucht?
Preuster. Ein gebrauchtes Fahrzeug muss nicht extra produziert werden und verbraucht so weniger wertvolle Ressourcen. Wir haben für den Grundausbau neben der Arbeit/dem Studium sechs Monate gebraucht. Ich würde sagen, es ist wie bei einem eigenen Haus, so richtig fertig ist man nie, es gibt immer etwas zu verbessern.

Auch draußen sollte alles passen. Bild: privat

Wenn Sie dann tatsächlich losfahren, wie suchen Sie sich Ihre Ziele aus – nach schöner Landschaft oder nach der Umweltfreundlichkeit
der Campingplätze?
Preuster. Eine schöne Landschaft kann man sich auch anschauen, ohne direkt dort zu nächtigen. Nachhaltige Campingplätze findet man mittlerweile sehr häufig. Meist achten diese auch darauf, dass der Platz besonders natürlich bleibt und sehr naturnah ist. Daher gibt es bei umweltfreundlichen Plätzen die schöne Landschaft meist inklusive.

In Ihrem Buch listen Sie 15 besonders umweltfreundliche Plätze auf. Welche Kriterien muss denn ein Platz erfüllen, um vor Ihren Augen Gnade zu finden? Der vom ADAC ausgezeichnete Campingplatz Hopfen am See tut es offensichtlich nicht…
Preuster. Die 15 Plätze stehen exemplarisch für über 200 Anlagen in sechs Ländern, die das „Ecocamping“ Label tragen. Diese Plätze
zeichnet aus, dass sie eine nachhaltige und naturverträgliche Energieerzeugung fördern, Wasser sparsam verwenden, sanfte Mobilität
fördern, Belastungen von Böden und Gewässern gering halten, Abfälle vermeiden und Stoffkreisläufe optimieren, Produkte und Dienstleister aus der Region bevorzugen, umweltfreundlich reinigen und einiges mehr.
Das Label ist eine sehr gute und wichtige Auszeichnung, es gibt aber noch ein paar mehr, die ich im Buch beschreibe.

Sie zeigen in Ihrem Buch auch Wege zur Müllvermeidung auf. Aber ganz lässt sich Abfall wohl nicht vermeiden. Wie viel Müll fällt denn bei Ihnen in einer Urlaubswoche mit dem Camper an?
Preuster. Genau, Müll zu 100 Prozent zu vermeiden ist in unserer Welt aktuell nicht möglich. Was bei uns anfällt, ist meist nur eine Handvoll Plastik, gar kein Restmüll, ein paar Einweggläser, ein Täschchen Papier, und das meiste ist Biomüll.

Auch beim Einkauf kann man die Umwelt schonen. Bild: privat

Sind Sie denn immer konsequent oder unterlaufen Ihnen auch mal kleine
Umweltsünden? Wenn ja welche?
Preuster. Ich bin kein perfekter Mensch, und das ist auch kein gesunder Anspruch. Wir kaufen gerne Spezialitäten des jeweiligen Landes, auch mit Verpackung. Viele Dinge die es unverpackt nur selten gibt, kaufen wir trotzdem, z.B. Chips. Meine größte Sünde ist das Fahrzeug.

In Corona-Zeiten haben viele die eigene Umgebung entdeckt, Wandern und Campen boomen. Die Folgen sind nicht nur Müllberge in der
Natur, sondern teilweise auch unappetitliche Hinterlassenschaften. Was raten Sie Outdoor-Fans, die draußen „müssen“?
Preuster. Am besten eine Schaufel mitnehmen und tief (!) vergraben. Wo das nicht geht wie Hundekot mitnehmen und entsorgen. Das Toilettenpapier bitte auch mitnehmen oder tief vergraben, es verrottet langsamer als man denkt. Wer ein Fahrzeug hat kann eine kleine Trockentrenntoilette bauen oder kaufen.

Sie schreiben in dem Buch, dass Sie an Ihren Stellplätzen oft Müll aufsammeln. Es gibt ja den Outdoor-Trend Plogging – Joggen und
Müllsammeln. Was halten Sie davon?
Preuster. Finde ich super, alles was nicht weiter in der Natur rumliegt, wird nicht zu Mikroplastik und landet nicht über Flüsse im Meer.

Selbst gemachte und umweltfreundliche Pflegeprodukte. Bild: privat

Der Umstieg vom normalen zum umweltfreundlichen Camping ist nicht ganz einfach. Womit sollten Einsteiger am besten anfangen?
Preuster. Super starten kann man mit dem täglichen Trinkwasser. Wir haben einen Wasserfilter installiert, damit wir das Wasser aus dem Tank bedenkenlos trinken können. Statt vieler kleiner Flaschen ist es aber auch schon toll einen größeren Kanister zu kaufen und eine Mehrwegtrinkflasche immer wieder zu füllen. Sehr einfach ist auch statt Flüssigseife ein festes Stück zum Hände waschen zu kaufen sowie eine Seife für die Körperpflege. Für die Haare gibt es Shampoo ist fester Form, die Auswahl in Drogerien wird immer größer. Bei der Wahl von Naturkosmetik kann man nicht nur Müll sparen, sondern es werden auch
Gewässer weniger belastet. Beim Einkaufen immer eine eigene Tasche dabeizuhaben sowie kleinere Netze/ Beutel für Obst und Gemüse
spart auch viele Plastiktüten. Vielleicht kann ja auch ein nachhaltiger Campingplatz angefahren werden.

Sie sind ja noch jung und Sie werden hoffentlich noch viele Urlaube machen. Haben Sie ein Traumziel für die Zukunft?
Preuster. Sogar mehrere. Meine Traumziele sind Kroatien, Slowenien Griechenland, Polen und Schweden.

Info: Das Buch von Svenja Preuster „Green Camping“ wurde bei Graefe & Unzer  mit ADAC und PinCamp veröffentlicht, hat 192 Seiten und kostet 22 Euro
Besprechung auch unter www.lilo-liest.de/umweltfreundlich-campen/

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