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Nächste Woche findet in Berlin wieder die weltgrößte Reisemesse ITB statt, und Ausstellungsleiterin Deborah Rothe konstatiert schon jetzt eine dynamische, positive Stimmung. Die großen Veranstalter TUI und die Dertour Gruppe jubeln über Rekordumsätze. Der Umsatz beim Marktführer TUI kletterte 2024 im Vergleich zum schon erfolgreichen Vorjahr noch einmal um zwölf Prozent. Bei der Dertour Gruppe waren es sogar 33 Prozent. Wobei beide Unternehmen von der Pleite des bis dahin drittgrößten Veranstalters, FTI, profitierten. Beflügelt durch rekordverdächtige Buchungen rechnen sie allerdings auch mit einem „bombastischen Sommer“ (Dertour-Geschäftsführer Mark Tantz).
Exzellente Ausgangslage
Eine „exzellente Ausgangslage“ für dieses Jahr konstatierte auch Ulf Sonntag von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), der die ersten Ergebnisse der Reiseanalyse im Vorfeld der ITB und „so früh wie noch nie“ präsentierte. Die Zahlen beweisen, dass das Reisen den Deutschen auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten wichtig ist Demnach waren 2024 mit über 56 Millionen so viele Urlaubsreisende unterwegs wie nie zuvor. Auch die Gesamtausgaben für Urlaubsreisen erreichten einen neuen Rekordwert von über 90 Milliarden Euro. Würde man noch die Kurzurlaubsreisen (2 bis 4 Tage) dazu rechnen, käme man sogar auf rund 127 Milliarden Euro. Im Gegensatz zu anderen Branchen scheint der Tourismus allen Krisen, Kriegen und dem Klimawandel zum Trotz immer weiter zu wachsen.
Das Ausland ist gefragt
Das Gesamtvolumen der deutschen Urlaubsreisen ab fünf Tagen stieg 2024 auf 68 Millionen, zwei Millionen weniger als 2019. Dabei ist allerdings die Zunahme der Kurzurlaubsreisen nicht berücksichtigt. Bei den Reisezielen dominierte weiter das Ausland mit einem Marktanteil von 76 Prozent. Deutschland konnte mit einem Zuwachs von knapp zwei Millionen Reisen leicht von 22 auf 24 Prozent Marktanteil zulegen und war mit Abstand das wichtigste Reiseziel.
Bayern rutscht auf Platz 2
Im Ausland festigte Spanien mit 15 Prozent seine Dominanz vor Italien, der Türkei, Griechenland und Österreich. Im Inland verdrängte Schleswig-Holstein erstmals Bayern von Platz eins, Platz drei belegt Mecklenburg-Vorpommern vor Niedersachsen und Baden-Württemberg.(Bei den Kurzurlauben sieht es anders aus, da blieb Bayern Spitze.) Die Reisedauer war 2024 mit durchschnittlich 13 Tagen fast so lang wie 2023, auch die Reiseausgaben waren mit durchschnittlich 1.319 Euro ähnlich hoch wie im Vorjahr (1.337 Euro).
Organisierte Reisen und Online-Buchungen
Bei den Transportmitteln bleibt das Flugzeug mit 44,6 Prozent dominant, gefolgt vom Auto mit 42,2 Prozent. Zugreisen legen um 1,3 Prozent auf 6,3 Prozent zu. Als Unterkunft wählten 56,3 Prozent der Reisenden Hotels; Ferienhäuser und Wohnungen folgten mit 23,5 Prozent. Camping blieb nahezu stabil. Mit 47,5 Prozent machten organisierte Reisen fast die Hälfte aller Buchungen aus, Online-Buchungen legten um knapp drei Prozent auf 54,2 Prozent zu.
Die Urlaubsreise gehört zum Leben
Trotz der ungewissen wirtschaftlichen Lage lassen sich die Deutschen ihre Urlaubslust offenbar nicht nehmen: Nur neun Prozent wollen in diesem Jahr auf eine Urlaubsreise verzichten. 75 Prozent planen, mit Sicherheit zu verreisen. Bei 43 Prozent steht das Ziel schon fest, 32 Prozent sind noch unentschlossen. Das sind mehr als vor einem Jahr und auch mehr als vor der Corona-Pandemie. Für die meisten Deutschen, bilanziert Ulf Sonntag, „gehört eine lange Urlaubsreise im Jahr zum Leben dazu.
Ärger über hohe Preise
2024 gaben sie 7,2 Prozent des Nettoeinkommens dafür aus. Wenn es finanziell eng werde, gäbe es die unterschiedlichsten Strategien, um doch noch eine Urlaubsreise zu ermöglichen. Gespart werde eher in anderen Bereichen als am Urlaub selbst. 17 Prozent der Befragten wollen sogar mehr ausgeben als im Vorjahr. Wobei der Ärger über zu hohe Preise seit dem Vorjahr von 32 auf 43 Prozent gestiegen ist. Bei den Urlaubsformen dominieren Entspannungs- und Badeurlaub vor Familien- und Natururlaub. Das Interesse an Aktivurlaub oder Kulturreise ist dagegen eher abgeflacht.
Reiseziel Deutschland
Auch weltweit ist die Nachfrage nach Reisen groß, wie aktuelle Daten des Beratungsunternehmens IPK zeigen. Demnach hat der internationale Tourismus das Niveau von 2019 erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Auslandsreisen um 13 Prozent. Weltweit bleibt Spanien das beliebteste Ziel, gefolgt von den USA und – Deutschland.
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