Die Reiselust ist da

Die Reiselust ist so groß wie selten zuvor. Die frohe Botschaft verkündete Prof. Dr. Martin Lohmann bei der digitalen Präsentation der ersten Ergebnisse der Reiseanalyse, zu der die Stuttgarter Reisemesse CMT eingeladen hatte. Für die Branche bergen Lohmanns Ausführungen einen Hoffnungsschimmer, auch wenn der internationale Tourismus wegen Corona und Omikron noch immer unter einer Vollbremsung leidet. Um 69 Prozent sank der Veranstalter-Umsatz in den beiden Corona-Jahren, wobei Geschäftsreisen besonders gelitten haben.

Urlaubsbarometer auf einem Höchststand

2021 bewegte sich das weltweite Touristik-Niveau mit 351 Millionen auf dem Level von 1984. 2019 lag es bei 1461 Millionen. Davon ist die Branche noch weit entfernt. Aber nach einer tiefen Delle, von der „sämtliche Segmente der Touristikwirtschaft“ betroffen waren – auch Gastronomie und Verkehrsunternehmen -, sieht Lohmann eine positive Ausgangslage für die touristische Nachfrage in diesem Jahr. Das Urlaubsbarometer sei auf einem Höchststand – mitten in der Pandemie.

Deutschland, hier das Gemündener Maar, bleibt auch 2021 auf Platz 1 der deutschen Urlauber.

48 Prozent der Deutschen hätten nach den Ergebnissen der Reiseanalyse sowohl Lust, Zeit und Geld für eine Reise. Sie seien optimistischer als noch vor einem Jahr und schätzten ihre Lage positiver ein. 22 Prozent (Vorjahr 17) erwarteten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Situation in einem Jahr verbessert haben wird, 24 Prozent (Vorjahr 25) befürchten eine Verschlechterung. Die restlichen 54 Prozent erwarten keine Veränderung.

Urlaub ein Teil der Lebensqualität

Vier von fünf Deutschen haben sich demnach bereits im November mit dem Thema Urlaubsreisen beschäftigt. Mit 61 Prozent (Vorjahr 51) sei die Urlaubslust so groß wie selten zuvor. Der Nachholbedarf sei entsprechend groß: „Urlaubsreisen waren und bleiben für die meisten Deutschen ein unverzichtbarer Bestandteil der Lebensqualität.“

Spanien, hier die Alhambra in Grenada, bleibt Lieblingsziel der Deutschen.

Nachholbedarf heißt nicht Nachfrage

Einen Wermutstropfen gibt es dennoch, denn auch 2022 rechnet Lohmann noch mit einer geringeren Nachfrage im Vergleich zu 2019 – auch wegen der Unwägbarkeit der wechselnden Pandemie-Vorschriften. Der hohe Nachholbedarf führe deshalb nicht „automatisch zu einer bombigen Nachfrage“. Viele Reisewillige warteten noch ab, von den Anbietern forderten sie viel Flexibilität und Kulanz.
Konkret rechnet der Forscher mit rund 60 Millionen Urlaubsreisen für dieses Jahr, einem hohen Anteil von Inlandsreisen und Reisen in die Nachbarländer und „einem gegenüber 2019 relativ geringen Anteil von Flugreisen“.

Die Nachfrage nach Fernreisen, hier der Popocatepetl bei Mexico City, bleibt verhalten.

Schritt in Richtung Normalisierung

Doch im Vergleich zu 2020/2021 bedeute das „einen Schritt Richtung Normalisierung“ zur Situation vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Nach Monaten der Beschränkung wollten viele aus der grauen Corona-Welt ausbrechen und die aufgestaute Reiselust befriedigen. Eher zurückhaltend dabei zeigten sich laut der Ergebnisse der Reiseanalyse  allerdings die früher so reisefreudigen Senioren.

Dynamische Entwicklung

Dass sich die Reiseinhalte nach Corona verändern, glaubt Lohmann nicht. Strand- und Badeurlaub, Natur- und Familienferien würden sich wohl auch weiterhin behaupten.

Familienferien, hier Steinplatte, sind auch 2022 gefragt.

Seiner Ansicht nach „wird das Urlaubsreiseverhalten ab 2023 wieder den ohne Pandemie erwarteten Entwicklungspfad nehmen“. Allerdings entwickle sich der auch in Zukunft dynamisch, weil sich die Rahmenbedingungen veränderten. Als Stichworte dafür nannte Lohmann Nachhaltigkeit, technologischer Wandel und Personal.

 

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