Deutschland geht ins Ohr

Musik- und Kulturgeschichte spannend und unterhaltsam erzählen wollen Corinna Hesse und Antje Hinz in ihren Länder-Hörbüchern. Deutschland hören ist ein besonders gelungenes Beispiel für die Philosophie der beiden Verlegerinnen, die mit ihrem Silberfuchs-Verlag schon so manche Auszeichnung eingeheimst haben.

 

Mit dem nötigen Mut zur Lücke und viel Sinn für das große Ganze versucht das Hörbuch einen Brückenschlag von den Schmieden der Bronzezeit und der  Himmelsscheibe von Nebra über die Minnesänger des Mittelalters, den Himmelsgucker Johannes Kepler und den Religionsrevoluzzer Luther bis zum Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz und weiter über die Klassiker der Literatur und der Musik bis zu Karl Marx und Friedrich Nietzsche, dem Bauhaus und den Schrecken der Nazizeit.
Die  Nachkriegszeit mit der Teilung Deutschlands und der Gründung zweier deutscher Staaten bringt neue Künstler hervor: Grass, Beuys und Heiner Müller. Man merkt schon, dies ist kein Geschichtsbuch, das auf Jahreszahlen und Herrschaftszeiten Wert legt. Hier werden oft kleine Details herausgepickt, die künstlerischen Aspekte betont. Das alles hört sich streiflichtartig an,  bruchstückhaft – und doch setzt sich am Ende ein überraschend dichtes Bild Deutschlands zusammen.
Rolf Becker liest diese klingende Lektion in deutscher Geschichte gewohnt souverän, man hört ihm einfach gerne zu. Und tatsächlich: Nach 80 Minuten weiß man eine ganze Menge mehr über das eigene Land. Wer sich dann noch Zeit nimmt, das aufwändig und wie immer liebevoll gestaltete Booklet zu lesen ist, kann am Ende mehr nicht nur Kants kategorischen Imperativ zitieren, sondern weiß auch, dass es die deutsche Identität ohne die Kunst nicht gäbe – und sieht bei Reisen durch Deutschland die Zeugen der Vergangenheit mit anderen Augen.   
Info: Deutschland hören, Silberfuchs Verlag, 1 CD, 24 Euro, ISBN 978-3940665027   

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