Zeitreise im Outdoor Escape Room

Oh je, jetzt soll ich mich auch noch als „Schlanggler“ bewerben! Was das genau ist, erfahre ich im Museum Tiroler Bauernhöfe, wo ich den brandneuen Escape Room ausprobieren will. Schlanggler, werde ich belehrt, zogen von Hof zu Hof, um zu zeigen, was sie können. Will wohl heißen, um als Tagelöhner bei den Bauern zu schuften. Und für so einen Job soll ich jetzt acht Rätsel lösen!

Wo geht’s lang im Escape Game?

Ein Glück, dass ich dafür nicht eingesperrt werde, sondern mich frei auf dem weitläufigen Museumsgelände bewegen darf – mit Begleitung. Immerhin bekomme ich für meine Zeitreise nicht nur die Karte der Höfe, sondern auch ein „magisches Amulett“. Das ist nichts anderes als eine runde Scheibe mit einem Löffel in der Mitte und kleinen Symbolen rundherum.

Das magische Amulett

Was daran magisch ist, erfahren wir, als ich das Amulett erstmals in die passende Mulde lege. Da bekommen wir durchaus hilfreiche Hinweise. Aber so ganz sind wir wohl nicht bei der Sache, denn zwischen den Höfen gibt es jede Menge zu sehen und zu erfahren. Darunter auch viele Dinge, die bei der Rätselrallye gar keine Rolle spielen, aber uns doch interessieren.

Schön anzuschauen: Aber hätte ich da schuften wollen?

Da werden in den alten Höfen Menschen früherer Zeiten über Hologramme lebendig. Frauen erzählen vom harten Alltag, vom Buttern und Weben. Ein Vater belehrt seine Kinder, dass gegessen wird, was auf den Tisch kommt, „was anderes gibt‘s net“. In einem anderen Hof streiten Bruder und Schwester übers Erbe, wobei – wer hätte das gedacht? – die Schwester leer ausgeht. Und in der alten Schule schauen wir uns die Sage vom Kasermandl an.

Richtig Rechnen?

Fast vergesse ich über die dramatischen Ereignisse in dem kleinen Film die Aufgaben. Die sind aber auch herausfordernd. Vor allem für mich. Denn mit Rechnen hatte ich‘s nie so recht. Und jetzt soll ich einen mathematischen Kompass erstellen und dabei herauskriegen, wie viel Grad die maximale Temperatur in der Stube betrug. Mal komme ich auf 8, dann wieder auf 6 Grad, beides viel zu kalt für uns Warmduscher.

Für die Schlanggler war die Idylle  bestimmt mit hartere Arbeit verbunden

Schon interessant, was man über die Aufgaben im Vorbeigehen und ganz spielerisch erfahren kann: Wie viele Tage das Vieh auf der Alm war zum Beispiel oder die Zahl der Kinder in einer Bauernfamilie. So manches erschließt sich relativ leicht, aber zwischendurch komme ich allein nicht weiter.

Wann hatten die Schlanggler wohl Zeit zum Beten?

Schon gut, wenn mehrere zusammen auf Rätseltour gehen. Bei acht Teilnehmenden ist bestimmt ein Rechengenie mit von der Partie. Wir sind nur zu zweit, und kommen vor lauter Freude an den alten Häusern und den Sprichwörtern, die eine kluge Maus auf den kleinen Schildern davor erklärt, immer wieder vom Weg ab.

Genau hinhören

Aber wir sind gewissenhaft und wollen unsere Pflichten erfüllen. Genau hinhören heißt es am urigen Gwiggenhof, wo im tiefen Keller in schneller Abfolge Töne zu hören sind, die für die Arbeit, den Glauben und die Jagd stehen. Uff. Was ist das denn? Glockenläuten? Ein Hammerschlag? Ein Schuss? Auch mit vier Ohren sind wir uns nicht sicher. Eine Zahlenfolge notiere ich trotzdem. Schließlich will ich die Bewährungsprobe bestehen, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich als Schlangglerin wohl eher untauglich wäre. Dass mir das Schicksalsrad dann genau so ein Schicksal zuweist, will ich so nicht hinnehmen. Schnell starte ich einen neuen Versuch – mit Erfolg, denn jetzt heirate ich einen Hofbesitzer.

Lieber Bäuerin auf dem Hof als Schlangglerin, oder?

Bei solchen Aussichten könnte ich doch gleich darauf verzichten, die Meisterlade zu öffnen, oder? Zumal auf meiner Karte immer noch Fragezeichen stehen. Aber ich bin auch neugierig. Will schließlich wissen, welcher Schatz für „die würdigen Schlanggler“ sich in der Meisterlade verbirgt. Spicken hilft. Mal ganz kurz bei anderen Spielern auf die Karte gucken und vergleichen. Hm, die Töne haben wir total falsch interpretiert, und beim Rad der Zeit lagen wir wohl auch daneben. Aber jetzt sollte alles stimmen.

Die Suppe auslöffeln

Also nichts wie hin zur Meisterlade und den Code eingeben. Ich bin schon ganz aufgeregt, aber es tut sich nix. Falscher Code? Nein, das magische Amulett ist nicht richtig eingepasst. Aber jetzt. Tata! Die Lade öffnet sich und der Schatz liegt vor mir. Ein Holzlöffel? Ja, für die Schlanggler war so ein eigener Löffel durchaus ein Schatz, wenn sie von Hof zu Hof zogen. Damit konnten sie ihre Suppe auslöffeln – oder den Brei. Deshalb trugen sie den Löffel immer bei sich. Und wenn sie nach einem kurzen, kargen Leben starben, haben sie den Löffel abgegeben…

Schon wieder vom Weg abgekommen.   Aber das Ziel ist in Sicht.

Soweit sind wir glücklicherweise noch nicht. Statt dessen stärken wir uns im urigen Wirtshaus mit einer Kässuppn. Meinen Holzlöffel brauche ich dazu nicht.

Info.
Das Museum Tiroler Bauernhöfe befindet sich in Kramsach, Angerberg 10. Der Eintritt kostet 13 Euro pro Person, das Escape Game pro Gruppe 24 Euro. Für Kinder gibt es eine leichtere Version: www.museum-tb.at

Hinweis. Bei der Recherche hat mich Alpbachtal Tourismus unterstützt.

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