Spätsommer am Wendelstein

Man muss nicht immer in die Ferne reisen, um Schönes zu erleben –  klingt banal, stimmt aber.  An diesem sonnigen Spätsommer-Tag haben wir uns für einen Ausflug mit der Enkelin auf den Wendelstein entschieden. Der Berg gilt als einer der schönsten Aussichtsberge; ich habe mich schon als Kind in ihn verliebt.  Und in die Zahnradbahn.

Die fährt ab Brannenburg in rund 30 Minuten zur Bergstation.  Natürlich waren wir wieder mal zu spät dran.  Die Bahn um 10.30 Uhr  war gerade abgefahren.  Also hieß es warten.  Dabei konnten wir uns immerhin über die 100-jährige Geschichte der Bahn informieren.

1910 wurde mit dem Bau begonnen. 2012 war es soweit, dass die erste Zahnradbahn den Wendelstein erklimmen konnte. Einen Höhenunterschied von 1217 Metern.  Dass es die Bahn überhaupt gibt, ist dem Industriellen Otto von Steinbeis zu verdanken, der den Prinzregenten Luitpold von seinem Vorhaben überzeugen konnte. Immer drei Millionen Goldmark hat Steinbeis für seinen Traum investiert.  Sieben Tunnel, acht Galerien,  zwölf Brücken: Die Trasse entlang der steilen Felswände war eine Herausforderung.

Ganz oben ist man bei der Ankunft an der Bergstation allerdings noch nicht.  Aber schon auf dieser Höhe zeigt sich, dass der Wendelstein seinem Ruf als Aussichtsberg alle Ehre macht.  Wo man auch hinschaut, sieht man Berge,  sie stapeln sich bis zum Horizont. Ich kann sie leider nicht auseinanderhalten.  Aber auch so bin ich begeistert beim Anblick dieser  blauen Berge. Und drunten im Tal liegt Brannenburg, spielzeugklein.

Uns zieht es erst einmal hinauf zum Wendelsteinkirchlein, das so malerisch auf einem Felsen thront.  Das kleine Gotteshaus wurde 1890 eingeweiht und ist der Patrona Bavariae gewidmet.  Es gilt als die höchst gelegene Kirche Deutschlands, weil hier noch regelmäßig Messen stattfinden – und Hochzeiten. Drinnen ist alles da, was man dazu braucht – im Miniformat, sogar eine Mini-Monstranz.  Und draußen ist der Talblick fantastisch.

Wäre ich nicht schon verheiratet –  und das schon sehr lange –  würde ich mich gern hier trauen lassen.

Von der Kirche in die Höhle – auch das ist am Wendelstein möglich.  Und wie das Kirchlein kann sich auch die Höhle über einen Superlativ freuen. Sie ist Deutschlands höchste Schauhöhle. 82 Stufen führen in die Tiefe.  Wer dann geradeaus geht,  kommt zum „Höhlen-Dom“ mit der Öffnung nach draußen.  Doch das ist nur der kleinste Teil der Schauhöhle.

Noch mehr Stufen und von steilen Felsen eingerahmte schmale Wege führen tiefer hinein in das Höhlensystem bis hin zu einem Kreuz an der Wand.  Es ist eine magische Welt im Berginneren.  Nur den Eispalast konnten wir nicht entdecken.  Aber der ist im Sommer wahrscheinlich geschmolzen.

Draußen scheint die Sonne.  Über den blauen Himmel ziehen weiße Wolken .  Es ist angenehm warm.  Noch schnell ein Imbiss im Biergarten.  Und dann auf zum Gipfelsturm.  Schwer kann es nicht sein,  über die Steilwand nach oben zu gelangen.  Denn auf dem gut gesicherten Weg tummeln sich jede Menge Menschen, Ältere mit Wanderstöcken,  gut ausgerüstete Bergsteiger,  Teenies und  kleine Kinder,  Hunde.

Wir brauchen keine 25 Minuten bis zum Gipfelkreuz.  Von hier aus haben wir die Berge in 3D vor uns.  Den Wilden Kaiser erkenne ich immerhin.

Ich würde ja  den Ausblick gern noch länger genießen.  Aber der Mann, der nicht schwindelfrei ist, wartet drunten.  Wir können ihn auf dem Weg nach unten sogar sehen.  Zu lange wollen wir ihn da nicht sitzen lassen.  Und wer weiß, ob wir die nächste Bahn ins Tal noch kriegen.  Immerhin steht uns wieder eine längere Fahrt über die Autobahn und da über das Münchner Nadelöhr bevor.

Kurz informiert

Anreisen.  Die Zahnradbahn zum Wendelstein startet von Brannenburg aus.  Es gibt einen großen Parkplatz an der Talstation.  Mit der Bayerischen Regiobahn fährt man von München in Richtung Kufstein und steigt in Brannenburg aus. Die Buslinie 337 oder die Wendelstein-Ringlinie fährt zum Talbahnhof.
Zahnradbahn.  Die Fahrt mit der Zahnradbahn kostet 47 Euro für Erwachsene, 23  Euro für Kinder (6 bis 17):  www.wendelsteinbahn.de 
Wendelsteinhöhle.  In die Höhle gelangt man durch ein Drehkreuz – nach dem Einwurf einer Zwei-Euro-Münze.

 Wendelsteinhaus.  Im Untergeschoß des Wendelsteinhauses gibt es eine Ausstellung mit Fotos, Zeichnungen und Werkzeugen zur Geschichte zur über 100 Jahre alten Zahnradbahn. Der Eintritt ist frei: https://wendelsteinhaus.de 
Draußen an der Bergstation können Kinder rutschen, klettern und sogar das Innere einer Riesengams erkunden.
Informieren. Chiemsee-Alpenland Tourismus www.chiemsee-alpenland.de 

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