Reisetrends 2026: Indie Travel, Set-Jetting, Noctourism

Es sieht nicht gut aus auf unserer Welt. Kriege in Afrika, in der Ukraine, noch kein Frieden in Nahost. Stürme, Erdbeben und Überschwemmungen. Drohnen über Flughäfen und abgesagte Flüge. Gereist wird trotzdem. Laut einer Studie im Auftrag des Deutschen Reiseverbands (DRV) steigen die Umsätze und die Zahl der Reisenden. Da scheint auch der Klimawandel kaum eine Rolle zu spielen. Doch wohin geht die Reise 2026?

Vorhersagen und Wunschdenken

Wir haben schon mal in die Glaskugel geschaut und uns umgesehen: Bei Lonely Planet, das traditionell die 50 besten Länder, Regionen und Städte des nächsten Jahres kürt, beim Marco Polo Trendguide, der 40 Ziele ausgemacht hat, die auf der touristischen Landkarte neu sind oder besondere Events versprechen – bei Veranstaltern und Online-Portalen.

Sechs zentrale Trends hat Tui gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Appinio für 2026 identifiziert. Demnach werden drei Haupttrends das Reiseverhalten prägen: „Back to Nature“ betont Achtsamkeit und Erholung im Grünen.

Gastgeberin mit Käse aus eigener Produktion im Ahrntal.

„Taste Tourism“ steht für die kulinarische Entdeckung von Destinationen, und „Indie Travel“ für die individuelle Reiseplanung. „Luxus misst sich heute nicht mehr am Haben, sondern am Erleben“, ist Steffen Boehnke, Geschäftsführer der Tui-Tocher airtours, überzeugt. Entsprechend sieht er „exklusiv kuratierte Rundreisen, Luxussafaris und Naturabenteuer“ im Trend, „die persönliche Wünsche konsequent in den Mittelpunkt stellen“. Als Megatrend nennt Boehnke Longevity. Denn das Streben nach einem langen, gesunden Leben werde gerade für Luxusreisende immer wichtiger.

Das Hotel als Ziel

Gleich sieben Trends hat Skyscanner für das nächste Jahr ausgemacht: Demnach spielt der Wunsch nach Schönheit (Beauty) ebenso eine Rolle wie der nach gutem Essen, werden Hotels selbst zum Reiseziel und Berge zum Sehnsuchtsort. Immer mehr reisen am liebsten allein, während andere gern mit der (Groß)Familie unterwegs sind. Und schließlich lässt man sich auch von der Literatur zu Reisen inspirieren. Unter den angesagten Zielen sticht San José del Cabo in Mexiko mit einem Plus von 275 Prozent bei den Suchanfragen hervor gefolgt von Oradea in Rumänien mit einem Plus von 156 Prozent.

Lonely Planet hat in „Best of Travel in 2026“ wieder 50 Ziele und Reiseerlebnisse aufgelistet, die in Erinnerung bleiben. Darunter sind bekannte Ziele wie Peru oder Tunesien, aber auch weniger bekannte wie Jeju-Do in Südkorea oder die Salomon Inseln. Die vorgestellten Ziele müssten nicht Instagram-tauglich sein, heißt es im Vorwort: „Wir reisen, um tiefer zu blicken: in uns selbst, in andere und auf völlig neue Orte und Menschen, die uns vielleicht eine neue Perspektive auf die Welt eröffnen.“ Zum Beispiel durch aktive Teilnahme an Naturschutzprojekten am Amazonas.

Begegnung auf dem Mekong

Bei einer Flusskreuzfahrt auf dem Mekong, auf dem Great Bathing Trail im australischen Victoria, bei den Flying Cholitas, den starken Frauen in Bolivien. Unvergesslich auch die Übernachtung im „Train on the Bridge“ in Südafrika, einem zum Luxushotel umgebauten Zug auf einer Brücke im Kruger-Nationalpark. Ein paar europäische Ziele haben es immerhin in Best Travel geschafft: Sardinien und Finnland, das spanische Cádiz und das niederländische Utrecht. Besondere Erlebnisse versprechen das Haus der Architektin Eileen Gray im südfranzösischen Roquebrüne-Cap-Martin, der Besuch eines Premier League-Spiels in England, das „legendäre Nachtleben“ Belgrads oder Bristols Street Art. Deutschland hat diesmal wohl nichts beizutragen.

Deutsche lieben Deutschland

Dabei ist laut einer Umfrage von Holiday Check Deutschland das begehrteste Reiseziel der Deutschen. Drei Viertel träumen demnach von einer Rundreise im eigenen Land, noch vor Kanada, den Malediven und Neuseeland. 74 Prozent der Befragten würden sich für eine Deutschland-Rundreise entscheiden, wenn Zeit, Geld und Sicherheit keine Rolle spielten.

Das Kunstmuseum in Cottbus

Im Marco Polo Trendguide, für den das Redaktionsteam wieder 40 Ziele zusammengetragen hat, kann Deutschland immerhin mit den Geoparks, dem Zittauer Gebirge oder Cottbus punkten. „Mehr Freiheit geht nicht“, attestieren die Marco-Polo-Scouts der Mongolei. Im malaysischen Nationalpark Taman Negara lockt eine Canopy Tour Abenteuerlustige. Coolcation, also Urlaub in kühleren Regionen, wurde schon länger als Trend propagiert. Vielleicht klappt‘s ja nächstes Jahr. Das gilt auch für Slow Travel oder den „Trend: Unterwegs in den Schweizer Bahnen“. Geht es nach den Marco-Polo-Autoren liegen auch Festival-Trips im Trend und Set-Jetting, also Reisen zu Drehorten.

Mehr planen mit KI

Ob die Deutschen sich bei ihren Reiseplanen von solchen Vorhersagen leiten lassen? 80 Prozent, das ergab eine Booking.com-Umfrage, würden 2026 die Künstliche Intelligenz (KI) bei der Reiseplanung nutzen, 20 Prozent sich zumindest von KI-Tools unterstützen lassen. Wobei durchaus auch Skepsis besteht. Die meisten wollen die Entscheidungen nicht gänzlich der KI überlassen. Aber 62 Prozent erwarten, dass autonome Reiseplanung in naher Zukunft zur Regel wird. Auch das ein Trend.

Natürlich hat auch booking.com Trends ausgemacht, etwa den „Noctourism“, Reisen, die das Ziel haben, „die Nacht in ihrer ganzen Pracht zu erleben“ oder „Vintage-Reisen“, bei denen das Reiseerlebnis zum Souvenir wird. Die angesagtesten Reiseziele sind laut booking.com Sanya auf der chinesischen Insel Hainan, das italienische Triest, João Pessoa in Brasilien und in Deutschland die Studentenstadt Münster.

Häuser am Kanal in Triest

Bei der Vielfalt der Vorschläge könnte die Wahl des nächsten Urlaubsziels schwer fallen. Zumal Reisen 2026 zum Luxusgut zu werden droht. Studienreiseveranstalter Studiosus sieht allerdings gerade wegen der Preisentwicklung in Europa eine Verlagerung hin zu Fernreisezielen wie China, Thailand oder Indien. Als Trend beobachtet Geschäftsführer Peter Mario Kubsch ein Comeback der arabischen Welt. Und Umweltbewusste würden 2026 vermehrt mit der Bahn anreisen.

Wo bleibt die Nachhaltigkeit?

Allerdings hakt es wohl mit der „Nachhaltigkeit bei Urlaubsreisen“, wenn man den Abschlussbericht der gleichnamigen Studie vom Umweltbundesamt anschaut. Zwar wollen demnach immer mehr Menschen nachhaltig unterwegs sein – 49 Prozent wünschen sich ökologische, 61 Prozent sozialverträgliche Urlaubsreisen – , doch beim tatsächlichen Verhalten klafft eine Lücke: So wurde 2023 im touristischen Bereich so viel geflogen wie nie zuvor. Die Relevanz der Nachhaltigkeit bei der Reiseentscheidung stagniert laut dem Forschungsbericht seit 2021. Offensichtlich, so die Wissenschaftler, ist Nachhaltigket für viele ein Wunsch aber keine Bedingung beim Reisen.

Weitere Infos:
www.tui.com/reisetrends-2026/ 
www.skyscanner.de/reisetrends
https://news.booking.com/de
www.studiosus.com
Lonely Planet, Best in Travel 2026, 286 S., 16,95 Euro :  www.lonelyplanet.com/best-in-travel
Marco Polo, Wohin geht die Reise 2026?, 192 S., 15 Euro:  www.marcopolo.de/inspiration/produkt/marco-polo-trendguide-2026

Hinweis:  Das Titelbild ist KI-generiert.

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