Für den bayerischen Ministerpräsidenten war es ein Pflichttermin. Und Markus Söder machte trotz der Kommunalwahlschlappe am Sonntag gute Miene bei der Geburtstagsfeier der Lufthansa im Hangar am Münchner Flughafen. Denn die das 100-Jahre-Jubiläum der Lufthansa ist nach Meinung des Ministerpräsidenten auch ein Statement für die Zukunft. „Wir sind stolz darauf, diesen Geburtstag zusammen zu feiern“, sagte Söder und wandte sich dabei auch an den Wahlbayern und Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr.
Zum Einstand hatten beide beim Fotoshooting umrahmt von 220 Lufthanseatinnen und Lufthanseaten in die Kameras gelächelt. 220 Mitarbeitende, präzisierte Spohr, brauche man für einen Airbus 350-900. Mit 13 000 Beschäftigten sei die Lufthansa einer der größten Arbeitgeber in Bayern. Spohr durfte bei der Feier auch verkünden, dass die bisher bis 2036 terminierte Partnerschaft mit dem Münchner Airport bis 2056 verlängert wurde und die Partner den Ausbau des Terminals 2 planen.
Arbeitstitel T-Stiel
Ein rechtwinkelig nach Osten anschließender Flugsteig, Arbeitstitel „T-Stiel“, soll den Satelliten erweitern und die Abfertigungskapazität um weitere zehn Millionen Passagiere erhöhen. Schon heute, so Spohr, sei München für die Lufthansa der Premium-Flughafen, und mit 140 Destinationen weltweit ein Tor zur Welt. Erst letzte Woche habe man den einmilliardsten Fluggast begrüßen können. Der LH-Chef machte auch deutlich, dass der Luftverkehr eine der wenigen Wachstumsbranchen in Deutschland sei und forderte ein europäisches Luftverkehrskreuz. Nur dann könne die Branche nachhaltig funktionieren und dem Wettbewerb standhalten. Außerdem will Spohr sich die Option einer dritten Startbahn offenhalten.
Dem allerdings widersprach der bayerische Ministerpräsident. „Über Startbahnen reden wir heute nicht, wir haben genug.“ Doch grundsätzlich wollte Söder nur Positives über die deutsche Airline sagen, die mit dem Münchner Flughafen ein „fast eheähnliches Verhältnis“ verbinde. Auch das stärke die nötige Wettbewerbsfähigkeit. Zwischen Bayern und Lufthansa hat der Bayernchef noch mehr Verbindendes ausgemacht: „Wir wollen immer wieder die besten sein, haben den Hunger noch nicht verloren – wie die Lufthansa.“
Erstflug am 6. April vor 100 Jahren
Die so gelobte Airline feiert ihr Jubiläum bis in den Herbst mit einer Vielzahl von Veranstaltungen zu Geschichte und Zukunft des Luftfahrtkonzerns. Die wichtigsten Teil-
Flotten von Lufthansa erhalten ihre eigene Sonderlackierung im ikonischen 100-Jahre-
Look mit dem XXl-Kranich. Zentraler Feiertag ist der Tag des Erstflugs der ersten Luft-Hansa, der 6. April.
Durch den Zusammenschluss von Junkers Luftverkehr und Deutsche Aero Lloyd (DAL) war am 6. Januar eine Fluggeselslchaft entstanden, die sich über Innovation und Pioniergeist definierte. Allerdings sieht sich die Airline nicht in der Rechtsnachfolge der ersten Luft Hansa. Die heutige Lufthansa wurde 1953 als „Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf“ (LUFTAG) gegründet und 1954 in Deutsche Lufthansa umbenannt.
Distanz zum Nationalsozialismus
Mit der Liquidation der ersten Luft Hansa, die 1965 abgeschlossen war, wollte man sich soweit wie möglich von der Vergangenheit im Nationalsozialismus distanzieren. Erst 1999 gab die Lufthansa eine wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung in Auftrag und Trat der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft bei“, dem deutschen Entschädigungsfonds für ehemalige Zwangsarbeitende und andere Opfer des Nationalsozialismus. Das 100-jährige Gründungsjubiläum ist auch Anlass, die Verantwortung im Nationalsozialismus weiter aufzuarbeiten – auch in einem Buch.
Bei der Feier im Hangar ging es jedoch vor allem um die schönen Seiten des Fliegens. Spohr freute sich über die Trachtencrew, die rund ums Oktoberfest in Dirndl und Lederhosen für Bayern wirbt. Und Söder sparte nicht mit Lob für die Airline. Er fliege gern mit Lufthansa, sagte er, „da fühlt man sich schon beim Einstieg fast wie daheim.“ Auch die Geburtstagsfeier in München war für Söder eine Art Heimspiel. Bei bayerischen Schmankerln und bayerischer Blasmusik war der Ministerpräsident der umschwärmte Mittelpunkt. Lufthanseatinnen und -hanseaten standen für ein Selfie mit Söder Schlange.
Für die LH-Gäste wird das „100 Jahre Lufthansa-Signet“ auf den Bordkarten, an Flughäfen und an Bord sichtbar. In Innenstädten soll eine Poster-Kampagne die Geschichte der Airline über Bilder und Botschaften erzählen. Lufthansa nimmt das Gründungsjubiläum auch zum Anlass, das Erlebnis an Bord neu zu gestalten. FOX (Future Onboard Experience, künftige Erfahrung an Bord) soll das Fliegen auf der Langstrecke neu definieren und den Premium-Anspruch der traditionsreichen Airline unterstreichen.
Folgen des Irankriegs
Allerdings werden die Ziele im Nahen Osten aufgrund des Iran-Kriegs arg deziminiert. Bis zum 24. Oktober will Lufthansa u.a. Abu Dhabi, Amman, Beirut, Dammam, Riad, Erbil, Maskat und Teheran nicht mehr anfliegen.












lilo
Anja Keul
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Grazyna Kotlubei
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