Kirchenkrimis: Sakrileg lässt grüßen

Projekt: Babylon
Autor: Andreas Wilhelm
Verlag: Limes
Erschienen: Februar 2006

Vor kurzem erst hat Bestsellerautor Dan Brown den Prozeß um Urheberrechte gewonnen. Den Roman „Sakrileg” wird auch künftig kein Plagiatsvorwurf beflecken. Doch auch die Kläger Michael Baigent und Richard Leigh können zufrieden sein. Ihre Theorie über einen möglichen Fortbestand der „Blutlinie Jesu” und den geheimnisvollen Orden Sieur de Sion hat weltweit Aufmerksamkeit erregt. Und sie hat Eingang in einen anderen Kirchenkrimi gefunden: Andreas Wilhelm widmet in seinem „Projekt Babylon” den beiden Sachbuchautoren ein Dankeschön als „wunderbare Inspiration”. Kirchengeschichte, kriminell verpackt, scheint nach „Sakrileg” ein Erfolgsrezept.

Vor kurzem erst hat Bestsellerautor Dan Brown den Prozeß um Urheberrechte gewonnen. Den Roman „Sakrileg” wird auch künftig kein Plagiatsvorwurf beflecken. Doch auch die Kläger Michael Baigent und Richard Leigh können zufrieden sein. Ihre Theorie über einen möglichen Fortbestand der „Blutlinie Jesu” und den geheimnisvollen Orden Sieur de Sion hat weltweit Aufmerksamkeit erregt. Und sie hat Eingang in einen anderen Kirchenkrimi gefunden: Andreas Wilhelm widmet in seinem „Projekt Babylon” den beiden Sachbuchautoren ein Dankeschön als „wunderbare Inspiration”.
Kirchengeschichte, kriminell verpackt, scheint nach „Sakrileg” ein Erfolgsrezept. Anders als Umberto Eco in „Der Name der Rose” gehen die Autoren nicht nur zurück ins dunkle Mittelalter. Sie haben die Bibel als Quelle finsterer Machenschaften entdeckt ­ und die Kabbala.
Die Geschichte einer wahnwitzigen Verschwörung erzählt der amerikanische Journalist Sam Bourne in „Die Gerechten”: Der junge Journalist Will wittert die große Story, als er von merkwürdigen Morden in aller Welt erfährt, die nichts verbindet außer dass die Opfer Menschen waren, die irgendwann in ihrem Leben Gutes getan haben, die gerecht waren im biblischen Sinn. Will ermittelt zu erst, weil er es allen zeigen will -­ vor allem seinem Vater, dem Richter. Die Entführung seiner Frau Beth freilich katapultiert den jungen Mann ins Zentrum der mörderischen Machenschaften. Will recherchiert bei orthodoxen Juden und fundamentalistischen Christen und trifft schließlich ins Herz der Verschwörung, die den Untergang der ganzen Welt zum Ziel hat ­ Irrwitz im Namen des Glaubens. Und vielleicht gar nicht so weit hergeholt in Zeiten, in denen Darwin der Schule verwiesen wird und christliche Fundamentalistenzirkel zur Jagd auf Abtreibungsärzte blasen.
Die Amerikanerin Kathy Reichs, Professorin für Soziologie und Anthropologie, hat sich mit Krimis mit der forensischen Anthropologin Tempe Brennan, die mit ihren Knochenuntersuchungen bei der Aufklärung bizarrer Morde hilft, einen guten Namen gemacht. Im neuen, achten Roman „Totgeglaubte leben länger” sind die Knochen, um die es geht, älter als alle, die Tempe jemals unter der Lupe hatte. Bei der Untersuchung eines Mordfalls stößt die Anthropologin auf das Bild eines Skeletts, das wohl in Masada, dem jüdischen Nationalberg, gefunden wurde. Wer war der Mann, den Tempes Freund Andrew Ryan „Ma sada-Max” nennt? Eine Reise ins Heilige Land stellt die Anthropologin vor neue Rätsel. Lässt die Masada-Ausgrabung die Geschichte Jesu in einem neuen Licht erscheinen? Und wer liegt im Grab der heiligen Familie, das Tempes Kollege Jake ausgegraben hat? Am Ende hat die Anthropologin zwar die ­ unerwartet banale ­ Antwort auf den Mord am Anfang, aber keine auf die Rätsel der Vergangenheit. Dafür liefert Kathy Reichs ihren Lesern eine fesselnde Geschichte, die mühelos die Brücke zwischen Jahrtausende alter Vergangenheit und Gegenwart schlägt ­ und reichlich Diskussionsstoff.
Das tut auch der 34-jährige Andreas Wilhelm mit seinem Romanerstling „Projekt Babylon”. Der welterfahrene deutsche Autor hat wieder einmal die üblichen „Verdächtigen” versammelt: Freimaurer und Katharer, Satanisten und Esoteriker, Militärs und Geheimdienste, Politiker und Banken. Sie alle vereint das Interesse an einer mysteriösen Höhle in Südfrankreich, die dazu beitragen könnte, das Geheimnis um die babylonische Sprachverwirrung zu lüften. Ein englischer Historiker, ein französischer Archäologe und eine deutsche Sprachwissenschaftlerin, von einer geheimnisvollen Auftraggeberin wie zufällig zusammengewürfelt, arbeiten an der Erforschung ­ unter Todesgefahr. Wilhelm hat seine Quellen gut gelesen und spannend umgesetzt ­ auch Dan Brown, der im Buch sogar erwähnt wird. Wieder einmal geht es um den Gral, um Jesus und Maria Magdalena und deren mögliche Nachkommen. Um Liebe, Tod und Teufel, Macht und Mythos. Allerdings wird es gegen Schluss etwas zuviel der Mystik. Was relativ realistisch begonnen hat, endet in purer Fantasy.

Same Bourne, Die Gerechten, Scherz, 446 S., 17,90 €
Kathy Reichs, Totgeglaubte leben länger, Blessing, 414 S., 19,90 €
Andreas Wilhelm, Projekt Babylon, Limes, 447 S., 19,95 €

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