Da staunten die Gäste aus München, auch wenn das Wetter in Augsburg eher trüb war: Die Kahnfahrt ist auch bei Regen romantisch. Nur zu gern wären wir in die Boote gestiegen und hätten uns auf dem Wasser die Pläne für die Zukunft der Kahnfahrt und das Welterbe Wassermanagement erklären lassen. Aber nicht bei Regen.
Die Wasserfrau weiß Bescheid
Stadtführerin Elisabeth Retsch wusste Abhilfe. Im nahen Unteren Wasserturm gab es Sitzgelegenheiten, und die „Wasserfrau“ konnte ausgiebig auf neugierige Fragen antworten. Vom Welterbe Wassermanagement wussten die wenigsten. Schon gar nicht, was darunter zu verstehen war. Elisabeth Retsch half da gern mit ihrem Wissen weiter.
Erzählte zuerst von der Kahnfahrt, auf der seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts romantischer Bootsfahrten stattfinden und von Bert Brecht, der in der Nähe wohnte und gern dort flirtete. Sie erzählte vom Wasserturm, den Augsburgs größter Stadtbaumeister Elias Holl integriert hatte. Sie berichtete, dass die Stadt Augsburg neun Wassertürme hatte und es darum ging, sauberes Trinkwasser zu den Menschen zu bringen. Erst nachdem die großen Wasserwerke am Lecht gebaut wurden, seien die Wassertürme in einen Dornröschenschlaf versunken.
Trinkwasser aus dem Stadtwald
Weil in Augsburg schon im 13. Jahrhundert ein Wassermanagement-System entwickelt wurde, zu dem die Kanäle ebenso gehörten wie die Wassertürme mit Pumpwerken und die Holzröhren, galt die Stadt als Vorreiter. Das Wasserwerk am Roten Tor ist das älteste bestehende Wasserwerk in Deutschland, wahrscheinlich sogar in ganz Mitteleuropa.
Ab 1416 versorgte es die Augsburger mit Trinkwasser aus den Bächen des Stadtwalds. Dank einer eigenen Hydraulik-Methode und mittels Wasserrädern und Hubkolbenpumpen konnte das Wasser in die Wassertürme und von dort aus mit dem nötigen Druck weiter in die Oberstadt geleitet werden. Diese Kunst der Wasserhebung exportierten Augsburger Konstrukteure im 16. Jahrhundert in Städte wie München, Brüssel oder Wien.
800 Seiten für den Welterbe-Titel
Als wahrscheinlich erste Stadt überhaupt trennte Augsburg seit mindestens 1545 Trinkwasser von Brauchwasser. Brunnenmeister kamen von weit her, um hier zu lernen. 2019 würdigte die Unesco dieses Wassermanagement mit dem Welterbe-Titel. Dafür hatte die Stadt eine 800-seitige Bewerbung eingereicht, verriet die Stadtführerin und fügte trocken hinzu, dass für den ersten Welterbetitel vier Seiten gereicht hätten. Er ging nach Aachen.
Was der Titel für den Tourismus bedeute, wollten einige aus der Runde wissen. Elisabeth Retsch verwies auf die 22 Einzelobjekte, die zusammen den Welterbe-Titel ausmachen, darunter auch die Prachtbrunnen in der Maximilianstraße. Und irgendwie, meinte sie, gehöre die Kahnfahrt auch dazu. Es sei ein Titel ohne Mittel aber mit strengem Denkmalschutz. Und er habe das Bürgerbewusstsein ebenso gestärkt wie den Tourismus.
20 Trinkwasserbrunnen in der Stadt
Natürlich gibt es Wege zum Weltkulturerbe in Augsburg, und mit 199 Kilometer Wasserläufen und 20 Trinkwasserbrunnen wird die Stadt dem Titel auch praktisch gerecht. Aus allen Brunnen sprudelt „bestes Trinkwasser“ aus dem Stadtwald. Dass wir heute immer noch 35 Liter Trinkwasser im Klo hinunterspülen und 40 Liter für Duschen und Baden verwenden, erscheint allen angesichts des Dürresommers unverständlich. Aber noch existiert auch in der Wassermanagement-Stadt Augsburg kein zweiter Wasserkreislauf fürs Brauchwasser.
Zukunftspläne für die Kahnfahrt
Für die Zukunft der romantischen Kahnfahrt allerdings existiert inzwischen ein ambitionierter Plan. Den stellte der Architekt Josef Rumstadt im Fugger und Welser Erlebnismuseum vor, das die Leiterin Wiebke Schreyer als Ausweichquartier für die Runde zur Verfügung gestellt hatte.
Laut Rumstadt soll das derzeitige Provisorium so bald wie möglich Bootsterrassen mit Sonenndeck weichen. Der Architekt verhehlte nicht, dass es noch weitere Pläne gibt etwa für ein fest verankertes Schiff auf der Kahnfahrt oder eine Glaskugel, wo Gäste bei Regenwetter unterkommen könnten. Allerdings wollte er wegen der problematischen Finanzierung keine Wolkenschlösser in die Welt setzen.
Lieber denkt er an einen möglichen Wallspaziergang entlang der bestehenden Stadtmauer mit entsprechenden Info-Tafeln, „Geschichte zum Anfassen“. Noch ist das alles Zukunftsmusik angesichts der klammen Haushaltslage der Stadt. Deshalb könnte auch der erste Bauabschnitt noch ein Jahr auf sich warten lassen. Die Augsburger könnten also mindestens noch ein Jahr mit dem Provisorium an der Kahnfahrt leben müssen – und die Touristinnen und Touristen auch.
Appetit auf mehr
Nach einer stärkenden Brotzeit vom Gastro-Team der Kahnfahrt blieb nur wenig Zeit für die spannenden Neuerungen im Fugger und Welser Erlebnismuseum, die Wiebke Schreyer gern noch gezeigt hätte. Zum Beispiel, wie sich der Ökonom Prof. Hans-Werner Sinn aus einem Handy materialisiert, um mit Jakob Fugger über Kredite zu diskutieren. Und zur Kupferplatte mit dem Zeichen der Fugger, die 2019 aus einem Schiffswrack vor der Küste der Niederlande geborgen wurde, hätte sie viel zu erzählen.
Die Gäste aus München haben aber immerhin Appetit auf mehr bekommen und wollen wieder kommen – ins Museum und womöglich auch zur neuen Kahnfahrt.
Weiter führende Links:
Kahnfahrt: www.augsburg-tourismus.de/de/aktivitaeten/stadtspaziergaenge/kahnfahrt/kahnfahrt-historie
Welterbe Wassermanagement: https://wassersystem-augsburg.de/de
Fugger und Welser Erlebnismuseum: www.fugger-und-welser-museum.de
Regio Augsburg: www.augsburg-tourismus.de/de/












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