Berlin 1: Shuttle in die Vergangenheit

Sie würden gern mal Berlin in den 20er Jahren sehen oder erfahren, warum der Palast der Republik den Berlinern ans Herz gewachsen war? Sie möchten mehr über Rudi Dutschke und die 68er wissen und noch einmal sehen, wie Berlin zu Zeiten der Mauer ausgesehen hat? Nichts einfacher als das: Buchen Sie eine Videobustour durch die Hauptstadt. Andreas Dahrendorf, zusammen mit Arne Krasting Erfinder dieser Zeitreise per Bus, verspricht: „Wir zeigen auch das, was Sie nicht sehen können.”Wie das? Dahrendorf und Krasting haben Ton-, Video- und Filmaterial von Ereignissen zusammengetragen, die die Stadt prägten. Gezeigt wird das an Originalschauplätzen oder vor Gebäuden, die nicht mehr oder verändert existieren. Ein paar Beispiele:
Der Ampelturm am trendigen Potsdamer Platz mit den aufregenden Glasfassaden trotzt seit den 20er Jahren mannhaft dem Verkehrsgewühl und allen Umbaumaßnahmen. Auf dem Monitor im Bus baut sich der Platz auf und wieder zurück. Wie sagte ein Feuilletonist in den 20ern: „Berlin ist verdammt dazu, immer nur zu werden, niemals zu sein.” Für den Potsdamer Platz gilt das noch heute. Nur der Ampelturm steht und steht…
Doch eigentlich ist Berlin eine Stadt der Leerstellen, Kriege und Wiederaufbau haben Historisches hinweggefegt. In Filmen und Bildern ist es noch erhalten. Insofern ist die Tour mit dem Videobus eine unterhaltsame Lehrstunde in Geschichte.
Die alte Reichskanzlei in der Voßstraße etwa ist noch in einem Balkon gegenwärtig. Auf dem Monitor sieht man Hitler und Göring auf eben diesem Balkon. Es folgen Aufnahmen der neuen Reichskanzlei, im Gigantismus des Albert Speer erbaut und 1945 völlig zerstört. Tonaufnahmen berichten vom „Trümmertourismus der Alliierten”, von. Churchill, der sich ins Innerste des Führerbunkers vorwagte. Draußen ziehen Plattenbauten vorbei, von weitem sieht man das Sony-Center am Potsdamer Platz.
Die Mauer existiert nur mehr in Resten etwa vor dem Preußischen Abgeordnetenhaus. Über 40 Jahre alt sind die Filme vom Mauerbau und von den verzweifelten Fluchtversuchen. Auch schon Geschichte ist der Sturm der Berliner auf die Mauer am Vorabend der Wende. Und gleich darauf machten sich die Mauerspechte an die Arbeit, unter ihnen auch der Amerikaner, den man in einer Filmszene bewundern kann, wie er die Mauer mit seinem Hammer bearbeitet. Heute sind viele Touristen nahezu verzweifelt auf der Suche nach der Mauer.
Der Palast der Republik, dessen Abriss die Berliner in zwei Lager spaltet, hat seine eigene Geschichte. Noch immer ist der Schlossplatz der am meisten umstrittene Platz Berlins. Hier ordnete Wilhelm II. die Mobilmachung an. Im Bus ertönt seine Stimme im Brustton der Überzeugung: „Wir werden diesen Kampf bestehen auch gegen eine Welt von Feinden”. Es kam dann doch anders ­ und noch ein Krieg. 1950 wurden die Überreste des Schlosses gesprengt, der Schlossplatz wurde zum großen Aufmarschplatz. 1956 feierte die NVA, die nationale Volksarmee der DDR, hier ihre Gründung. 1976 wurde dann der „Palast der Republik” glanzvoll eröffnet, damals das „modernste Kulturgebäude Europas, ein Volkshaus im wahrsten Sinn des Worts mit Weinkeller, Bowling Bar und Bierstube ­ und nebenan wurde Politik gemacht. „Erichs Lampenladen” nannten die Berliner liebevoll ihren Palast, der nach der Wende zur Rostlaube verkam.
Rudi Dutschke, der wie kein anderer die Revolte der 68er verkörperte, kam aus Luckenwalde und arbeitete zunächst als Sportreporter für die B.Z. Vor dem Café am Steinplatz, wo der mit der Revolution verheiratete Studentenführer seine spätere Frau Gretchen kennen lernte, flimmern historische Aufnahmen von der Anti-Schah-Demonstration vor der Deutschen Oper über den Bildschirm. Benno Ohnesorg hat sie nicht überlebt und mit seinem Tod begann die Radikalisierung der eigentlich friedlichen 68er-Bewegung.
So lebendig erlebt man Geschichte selten wie in diesem Zeitreisen-Shuttle. Denn während draußen vor den Fenstern die Gegenwart vorübergleitet, wird man drinnen mit der Vergangenheit konfrontiert.

www.videobustour.de

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