Alles fließt und wir fließen mit – die Flusskreuzfahrt auf dem Rhein mit Thurgau Travel entschleunigt. Auf dem Sonnendeck der MS Edelweiss kann man sich dem gemächlichen Rhythmus des Schiffes hingeben, kein Stress, keine Hetze. Runterkommen. Sich verwöhnen lassen. Die Landschaft an sich vorbei ziehen lassen wie einen Film.
Schön ist es am Rhein, wenn die Sonne Glitzer-Sternchen aufs Wasser streut, wenn nichts zu sehen ist am Ufer außer Grün, Wiesen, Bäume, Büsche. Dann und wann schlägt ein Frachtschiff Wellen oder ein anderes Flusskreuzfahrtschiff. Später versammelt die erste von vier Schleusen die Mitfahrenden auf dem Deck.
Den Willkommens-Sekt haben wir da schon getrunken, die Freunde, Kollegen, Bekannten begrüßt. Wir freuen uns alle auf die Fahrt auf dem „Romantischen Rhein“, auf die Burgen am Fließband im Mittleren Rheintal, auf malerische Orte, steile Weinberge und auf ein paar spannende Ausflüge.
Morgenzauber am Rhein
Früh am Morgen liegt ein Zauber auf dem Fluss. Die Luft ist frisch und verspricht einen schönen Tag. Von weitem grüßt der Dom von Worms. Lohnt sich die Stadt? Auf jeden Fall. Neben Dom und Nibelungen kann man sich auf die Suche nach dem jüdischen Erbe machen: Judengasse, Synagoge und jüdischer Friedhof.
Der „Heilige Sand“ ist der älteste noch erhaltene jüdische Friedhof in Europa. Die ältesten Grabsteine stammen aus dem elften Jahrhundert. Manche sind fast im Erdreich versunken, andere mit Steinen und Zetteln bedeckt. Von oben, wo die neueren Grabsteine mit lateinischen Inschriften stehen, hat man einen Schönen Blick auf den Dom.
Abendhimmel über dem Sonnendeck
Auch am Abend hat die Flusskreuzfahrt ihren Charme, besonders an diesen lauschigen Spätsommertagen, wenn sich über dem Sonnendeck der Abendhimmel spannt. Drinnen wird derweil das Menü serviert. Man isst, trinkt, lässt den Tag Revue passieren und freut sich auf den nächsten, den Burgen-Tag.
Von Koblenz aus geht’s zur imposanten Marksburg, der einzigen nie zerstörten Höhenburg im Mittleren Rheintal. Trutzig thront sie auf einem steilen Schieferfelsen über dem Städtchen Braubach. Wer hinein will in die Anlage mit Türmen, Zwingern und Bastionen aus dem 13. und 15. Jahrhundert, muss mehrere Tore passieren. Dann öffnet sich eine mittelalterliche Welt mit Rittersaal, Kemenate und Burgküche, mit Folterkammer und Weinkeller – auch mit einem „stillen Örtchen“.
Drunten in Braubach lädt das Hotel und Gasthaus Zum Schwanen zu einer Einkehr ein. Welterbegastgeberin Karolin König-Kunz pflegt die Tradition mit kuscheligen Zimmern und legt Wert auf Regionales. Ein Platz zum Schwelgen in Nostalgie.
Im Weltkulturerbe
Und dann ist es soweit. Die MS Edelweiss durchfährt das Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal. Der Raddampfer Goethe flötet vorbei, am Ufer hat ein anderes Flusskreuzfahrtschiff angelegt, Wohnmobilstellplätze reihen sich dicht aneinander. Aber der Blick schweift nach oben, dorthin, wo die Burgen stehen. Eine bekannter als die andere.
Natürlich auch die Loreley, eigentlich eine 132 Meter hohe Schieferfelswand an der tiefsten und engstens Stelle des Rheins aber spätestens seit Heines Gedicht weltberühmt. Die goldenhaarige Nymphe, die mit ihrem Singen Fischer in den Tod lockte, sitzt allerdings nicht auf dem Felsen, sondern im Rhein – eher klein und unscheinbar.
Der Romantische Rhein
Ein paar Mitreisende summen das Lied, es wird viel fotografiert und noch mehr gestaunt. Das ist der Romantische Rhein wie aus dem Bilderbuch oder heute eher aus dem Reiseprospekt. Mit sonnenbeschienen Weinbergen unter einem blauen Himmel, mit malerischen Örtchen und steilen Felsen.
Bei soviel Schönheit ringsum fällt es fast schwer, der Einladung zum High Tea zu folgen. Aber das wäre ein großer Fehler. Denn das Süßigkeiten-Büfett ist so üppig, dass einem die Augen übergehen. Drei Torten, bunte Macarons und viele kleine süße Verführungen. Wer könnte da widerstehen?
Unser Wetterglück
Was hatten wir für ein Glück mit dem Wetter! So schön dieser Abschnitt des Oberen Mittelrheintals auch ist, bei Regen und Nebel hätte es anders ausgesehen. So wie am nächsten Tag in Speyer, wo sich Niesel- und Platzregen abwechseln und man schon beim Bummel über den Bauernmarkt nasse Füße bekommt.
Im Dom ist es trocken. Und wer die über 300 Stufen bis zur Aussichtsplattform am Turm nicht scheut, hat von oben einen weiten Blick über die Stadt und den Rhein, den nicht mal der Regen trüben kann. Und im Kaisersaal kann man trockenen Fußes mit Bernhard von Clairvaux auf Reisen gehen – dank des Freskenzyklus, der in einem aufwändigen Verfahren von den Wänden des Doms abgelöst wurde und hier präsentiert wird.
Die Magie der Mikwe
Draußen pladdert der Regen auf die Budendächer des Markts. Es wird nass im Judenhof , wo noch eine Wand der alten Synagoge steht. Die Mikwe, immerhin das älteste in Mitteleuropa noch erhaltene jüdische Ritualbad, ist glücklicherweise überdacht. Es geht viele Stufen hinunter bis zum Tauchbecken, wo das klare Wasser blau schimmert. Magisch.
Es regnet sich ein, das Sonnendeck ist verwaist. Man sieht mehr Mitreisend, die ihre Nasen in Bücher stecken oder auf ihr Handy schauen. Auch Laptops werden ausgepackt, es lohnt sich nicht, aus dem Fenster zu schauen. Der Rhein versinkt im Nebelgrau. Aber auch das hat einen gewissen Reiz für Menschen, die es mystisch mögen.
Die Heilige der Blinden
Und mystisch wird es auch beim Ausflug ab Straßburg auf den Odilienberg. Die Abtei hat der Nebel verschluckt. Aber den Felsen, auf dem sie steht, sehen wir und drinnen können wir die Legende um Odilie, die Johannes Paul II. heilig gesprochen hat, nachvollziehen. Weil sie blind geboren wurde und wundersamerweise später sehen konnte, wurde ihr Kloster zum Wallfahrtsort der Blinden.
Noch ein Abstecher ins reizvolle Örtchen Obernai mit den schönen Fachwerkhäusern und der alten Stadtmauer. Ein Ort zum Schlemmen: Im Käseladen stapeln sich appetitanregend die großen Laibe, und im Café hat man die Qual der Wahl zwischen Schwarzwälder Kirschtorte, Blaubeerkuchen und Eclair. Wir nehmen einfach alles.
Abschied mit Stil
Abends dann sind die Tische fürs Abschiedsessen schön gedeckt. Manche haben sich in Schale geworfen – dem Anlass entsprechend. Denn die Crew, die sich diese kurze Woche hindurch um uns gekümmert hat, will gebührend verabschiedet werden. Die Zeit ging wie immer viel zu schnell vorbei. Aber wir genießen noch das feine Menü, den guten Wein und das Zusammensein.
Morgen ist wieder Alltag.
Info: Wir waren mit Thurgau Travel auf der MS Edelweiss auf dem Rhein unterwegs: https://www.thurgautravel.de/schiff/edelweiss/
Weitere Internet-Adressen
Rheinland-Pfalz: www.rlp.de
Marksburg: www.marksburg.de
Worms: www.worms.de
Speyer: www.speyer.de
Jüdisches Erbe: https://schumstaedte.de
Odilienberg: www.mont-sainte-odile.com















lilo
Anja Keul
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Grazyna Kotlubei
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