
Touristisch hat alles schon vor 140 Jahren begonnen, damals, als die
Südbahnlinie Wien mit
Triest verband und durchs
Pustertal noch keine Grenze verlief. Die kam später, nach dem ersten Weltkrieg, als
Südtirol von
Osttirol getrennt wurde. Und in vielen Köpfen besteht sie heute noch, obwohl es schon lange keine Grenzstationen mehr gibt und die Südtiroler Pustertaler mit den Osttiroler Pustertalern in Sachen Tourismus gut zusammenarbeiten.

Gilt es doch, eine Marke zu verkaufen – das
Hochpustertal. Und da könnte sich
Otto Trauner, Direktor des
Tourismusverbands
Pustertal und
Alfred Prenn, Präsident des
Tourismusverbands
Hochpustertal so einiges vorstellen. Vor allem im Winter. Ein Zusammenspiel der Skigebiete etwa. Der Hausberg von
Sillian, der
Thurntaler, ließe sich wunderbar mit dem
Sextener Skigebiet Helm verbinden, das wiederum den Anschluss an die
Rotwand mit ihren steilen Pisten sucht. „Wir gehören einfach zusammen“, sagt
Alfred Prenn optimistisch. Dem 50-Jährigen mit dem freundlichen Lächeln im runden Gesicht verdirbt nichts so schnell die gute Laune. Nicht einmal die Tatsache, dass zwar der Verbindungslift zwischen
Helm und
Rotwand schon bestellt ist, die Genehmigung aber nach zehn Jahren noch immer auf sich warten lässt. Der österreichische Kollege hat den Südtiroler
Helm schon mal in das Angebot der SkiSafari mit eingeplant.

Dreh- und Angelpunkt auf seiner Seite ist der
Thurntaler mit 50 Pistenkilometern, darunter der elf Kilometer langen Talabfahrt. Ein Sechsersessel mit Bubble und Sitzheizung bringt die Skifahrer und Snowboarder im Nu auf rund 2500 Meter Höhe. Halbmondförmig öffnet sich eine makellos weiße Winterwelt mit breiten, mittelschweren (und zwei schwarzen) Pisten. Der Blick schweift weit über verschneite Gipfel und jungfräuliche Schneefelder. Noch in diesem Jahr soll es damit zumindest bis zur benachbarten Hochrast ein Ende haben, eine Liftverbindung ist geplant.
Zum Helm auf der Südtiroler Seite müssen die Skifahrer – noch? - aufs Auto umsteigen. Von Vierschach aus geht es dann mit Gondel und Sessellift bis knapp unter den Helm-Gipfel. Und wenn man Glück hat und der Blick nicht vernebelt ist, sieht man von hier aus nicht nur die schroffen Gipfel des Neuner, Zehners, Elfers und Zwölfers sondern auch die markante Felsskulptur der Drei Zinnen. Auf sanften, meist mittelschweren 21 Pistenkilometern fährt sich’s beschwingt zu Tal. Und wer die Herausforderung sucht, nimmt die neue, schwarze Raut-Piste unter die Ski.
Um einiges steiler ist die schwarze Piste Holzriese am Skigebiet Rotwand. Noch muss man den Shuttle-Bus benutzen, wenn man vom Helm nach Bad Moos will und zur Rotwand-Talstation. Hier, wo vor über 80 Jahren Heinrich Harrer als erster Skilehrer Telemark lehrte, bevor es ihn in die weite Welt verschlug und er zum Freund des Dalai Lama wurde, finden Kinder eine Winterwunderwelt. Aus der Gondel blickt man ins jungfräuliche Fischleintal, für Luis Trenker, den legendären Südtiroler Bergsteiger und –Filmer, „das schönste Tal der Welt“. Droben an der Bergstation steht schon das Empfangskomitee, eine Familie von Riesenschneemännern, ein Riesenschneemann-Papa, eine Riesenschneemann-Mama und zwei Riesenschneemann-Kinder oder gar drei. Aber die noch viel größere Attraktion sind – und da lacht der Alfred breit – die Rentiere, die sich manchmal sogar auf die Pisten wagen. Und schau mal: Ist da nicht gar ein Rentier vor den Schlitten gespannt. Stolz wie Oskar sitzt ein kleines Mädchen mit roter Nase drauf und ruft Hü und Hott. Doch ohne einen Führer macht das Ren keinen Schritt.

Über zehn Jahre schon hat ein Rentierrudel hier oben seine Heimat gefunden. Hotelier
Erwin Lanzinger, der das Sport- und Kurhotel
Bad Moos grade wieder umgebaut hat, hat die
Rentiere aus
Lappland importiert, „mit einem Lappen, der vier Monate lang hier blieb, um die Fütterung zu erklären“. Lanzinger, der trotz grauer Haare den Machertyp nicht verleugnen kann, wollte mit den Rentieren eine neue Attraktion für die defizitäre
Rotwandbahn schaffen. Das ist ihm auch gelungen, selbst wenn einige der Jungtiere eingegangen sind („das sind furchtbar empfindliche Viecher“). Die Rentierfütterung im Sommer - die Tiere vertragen kein frisches Gras - bringt jeden Donnerstag bis zu 500 Menschen auf den Berg, vor allem Kinder. Im Winter ist das anders. Da finden die Kälte gewohnten Tiere genug Flechten, um sich satt zu fressen. Die Idee der Rentierschlittenfahrten spukt Lanzinger immer noch im Kopf herum. Aber „wir haben niemanden, der das kann. Wir bräuchten wieder einen Lappen, der uns zeigt, wie man so einen Rentierschlitten lenkt.“ Aber das kostet Geld und das wird derzeit anderweitig benötigt. Für die Liftverbindung ins italienische
Val Comelico etwa und natürlich die Verbindungslifte zum Skigebiet
Helm, „das i-Tüpfelchen für das Sextener Skikarussel“. Letztlich schwebt dem Hotelier ein Karten-Verbund mit
Sillian und dem
Thurntaler vor, dem Reich der österreichischen
Schultz-Gruppe. Doch das ist – noch – Zukunftsmusik. So einfach kommt eben nicht zusammen, was zusammen gehört.
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